Schwarzer Freitag

eine Spielerezension von Axel Bungart - 12.03.2011
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Schwarzer Freitag von Reich der Spiele

Friedemann Friese hat ein ehrgeiziges Ziel: Jeden Freitag an einem neuen Spiel arbeiten, und seien es nur fünf Minuten. So ungefähr lautet das Motto seines Projekts, das 2010 in der Veröffentlichung von Schwarzer Freitag sein erstes Ergebnis fand.

Nicht in seinem eigenen Verlag, sondern im Programm von Kosmos findet man das Spiel, bei dem es um Aktien, Gewinne und Verluste geht, wie auch das im Comic-Stil designte Cover mit Bulle und Bär andeutet. Zwei bis fünf Spieler kaufen und verkaufen Aktien in Form von kleinen, farbigen Kunststoffkoffern, versuchen maximale Gewinne zu erwirtschaften, gleichzeitig mögliche Verluste zu vermeiden, um sich immer wieder Silberbarren zu kaufen, die schließlich in Gold umgetauscht werden können. Wer das meiste Gold scheffelt, gewinnt.

Der Spielplan stellt hauptsächlich ein Kurstableau dar, auf dem die aktuellen Preise der Aktien mitels fünf farbiger Steine markiert werden. Am Rand des Tableaus finden sich Leisten für die Aktionen, sowie Preisentwicklungsskalen. Rein technisch läuft das Spiel recht einfach ab. Die Spieler beginnen auf der Start-Stufe, in der jeder nur eine einzelne Aktie kaufen oder verkaufen oder einen Silberbarren kaufen darf. Mit steigenden Aktienkursen steigen auch die Aktionsmöglichkeiten, womit nur gemeint ist, dass man die genannten Aktionen öfter ausführen darf.

Um überhaupt etwas kaufen zu können, braucht es aber erst mal Geld. Das beansprucht man in Form von Subventionen, wofür man in bestimmten Abständen Zinsen zahlt. Im Laufe des Spiels kann man weitere Subventionen aufnehmen, wenn es einem sinnvoll erscheint. Auch hierfür gibt es jedoch ein Limit, das bei steigenden Kursen ebenfalls ansteigt.

Kauft ein Spieler eine Aktie, zahlt er den gerade angezeigten Preis und nimmt sich einen Koffer (= eine Aktie) aus dem Markt. Dementsprechend erhält man bei einer Verkaufsaktion den gerade auf dem Kurstableau angezeigten Preis für die verkaufte(n) Aktie(n). Das Geld, das auf diese Weise erwirtschaftet wird, dient dem Ankauf von Silber.

Jede Aktion, die von einem Spieler ausgeführt wird, wird auf einer entsprechenden Leiste vermerkt. Ist eine Aktion fünf Mal ausgeführt worden, kommt es zu einer Unterbrechung, in der die Preise der Aktien angepasst werden. Bei dieser Preisänderung wird aus einem Säckchen eine vorgegebene Anzahl von Koffern gezogen, die dann die Preisänderung bewirkt. Als grobe Regel gilt: Je mehr Koffer einer Farbe gezogen werden, desto mehr steigt sie im Wert. Wird von einer Farbe keine Aktie aus dem Säckchen gezogen, fällt ihr Preis leicht. Hat aber (mindestens) eine Aktie einen größeren Sprung nach oben getan, ist gegebenenfalls die nächste Stufe erreicht, was bedeutet, dass die Spieler nun mehr Aktionen ausführen und neue Subventionen aufnehmen dürfen.

Nach so einer Preisentwicklung kommen neue Koffer in das Säckchen, was sich bei der nächsten Preisentwicklung auswirken kann. Entscheidend für den weiteren Kursverlauf ist aber, dass mit jeder Preisänderung auch schwarze Koffer in den Sack geworfen werden. Werden diese bei einer Preisänderung herausgezogen, hat das u. U. negative Auswirkungen auf alle Aktienkurse. Gleichzeitig steigt aber der Silberpreis, der im Übrigen auch dann steigt, wenn zwischen zwei Preisänderungen viel Silber gekauft wird. Zur Erinnerung: Silber ist das, worum es im Spiel geht – nicht Aktien.

Genau genommen ist das schon alles: kaufen und verkaufen und zwar das eine möglichst billig, das andere so teuer wie möglich. Von dem Gewinn Silber kaufen - und fertig.

Bei der ersten Partie (die wir zugegebenermaßen auf der Messe nicht ganz korrekt gespielt haben,) sind wir dem Mechanismus des Spiels voll auf den Leim gegangen. Will heißen: Wir sind alle irgendwann nahezu pleite gewesen. Ein Zufall? Ja und nein. Friese nebelt die Spieler herrlich in ihre eigene Gier ein. Wer Schwarzer Freitag das erste mal spielt, gibt sich nach einer Zeit gerne und quasi unweigerlich dem Gefühl hin, ständig satte Gewinne zu machen. Das funktioniert auch ganz gut, solange nicht allzu viele schwarze Koffer ins Säckchen wandern. Dann aber wird es brenzlig: Wird bei einer Preisänderung mehr als ein schwarzer Koffer gezogen, fallen die Kurse und zwar saftig. Das ist dann schon der Punkt, an dem man den Zenit eines Aktienkurses definitiv überschritten hat. Man könnte auch sagen, man hat den rechtzeitigen Absprung schon verpasst. Meist bringt diese Kehrtwende der Preisspirale nämlich das mit sich, was man in der richtigen Wirtschaft als „Panikverkäufe“ bezeichnet: Die Mitspieler verkaufen Aktien, was automatisch einen weiteren Preisverfall zur Folge hat. Können dann noch ein oder zwei Spieler verkaufen, bevor man selbst dazu kommt, verkauft man zu einem bedeutend schlechteren Preis. Dennoch muss man auch dann noch einen Verkauf in Betracht ziehen, denn ob und wie hoch der Kurs noch mal steigen wird, ist nicht nur ungewiss sondern angesichts zunehmender Anzahl von schwarzen Koffern im Beutel auch eher unwahrscheinlich.

Aber auch hier wurden den Spielern Mittel anhand gestellt, die die Preisentwicklung nicht (ganz) dem Zufall überlassen. Durch gezielte An- und sogar Verkäufe von Aktien kann ich deren Wert gezielt steigern oder zumindest die Wahrscheinlichkeit dafür erhöhen. Das ist geschickt durchdacht, wird aber gerne übersehen. Wobei wir beim Knackpunkt sind: Es gibt eine Menge kleiner Zahnrädchen, an denen man drehen kann. Alle wirken sich auf den Kurs aus, manchmal sogar bedeutend. Diese Zahnrädchen vergisst oder übersieht man gerade anfangs gerne, und das liegt nicht zuletzt an der Spielregel. Die ist zwar genau betrachtet vollständig, setzt aber in Ihrer Form und Formulierung nicht genug Schwerpunkte auf eben diese Feinheiten, die im Spiel aber das Salz in der Suppe sind. Auch die Spielplanbeschreibung findet zum Teil nur optisch statt, was das Lesen bzw. Verstehen der Regel nicht eben erleichtert.

Ansonsten ist Schwarzer Freitag gut ausgestattet, der Spielplan eher zweckmäßig aber „Friesisch“ grün und das Material einwandfrei. Wenn es auch zunächst nach drögem Börsenspiel klingt, stellt Friedemann Friese hier erneut unter Beweis, dass hervorragend abgestimmte, anspruchsvolle und gleichsam unterhaltsame Wirtschaftsspiele seine Sache sind. Eine Partie Schwarzer Freitag entwickelt sich wellenförmig, wobei es davon abhängt, wie viele schwarze Koffer gezogen werden könnten, ob die Welle nach oben oder nach unten schwappt. Doch selbst, wenn viele schwarze Koffer im Spiel sind, kommt es immer wieder zu überraschenden Kursverläufen, wobei durchaus auch mal eine Aktie in den Himmel schießt, während alle anderen vor sich hin dümpeln. Wer dann noch ein, zwei Koffer der Farbe in der Hinterhand hat, düpiert den Rest der Gesellschaft. Das ist zwar ein deutliches Glückselement im Spiel, ist aber auch spannend und sogar witzig.

Wie im richtigen Leben ist es auch hier immer gefährlich und mitunter teuer, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen, und wie an der echten Börse stürzen sich meist alle auf billige Aktien, bis diese ausverkauft sind. Der Autor hat hier also schon ein wenig Börsenrealität eingefangen. Man muss ein Gefühl dafür bekommen, welche Aktionen sich wie auswirken, zumal sie sich zeitversetzt auswirken. Letztlich ist das mit ein Grund dafür, dass Schwarzer Freitag ein Spiel für erfahrene Spieler mit Vorliebe für Wirtschaftsspiele ist. Die Altersangabe ist durchaus zutreffend. Bei aller Unterhaltung, die man bei einer Partie erfährt, muss zwischendurch gerechnet und sich konzentriert werden. Man darf den richtigen Zeitpunkt für Kauf und Verkauf nicht verpassen, man sollte die Aktionen des Gegners verfolgen, um einschätzen zu können, wie die Chancen auf Gewinne und die Gefahren von Verlusten liegen. Mit der angegebenen "Friedemann'schen" Spieldauer von 55 Minuten sind wir bisher nicht ausgekommen, aber langweilig wurde uns auch darüber hinaus nicht.

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
55
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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