Shanghaien

eine Spielerezension von Wolfram Troeder - 16.06.2008
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Shanghaien von Reich der Spiele

Schreiend bunt und unruhig, so präsentiert sich die Schachtel dieses Duellspiels. Damit verspricht das Äußere, was das Innere einlöst. Das Spiel von Michael Schacht und Roman Pelek ist ein kombiniertes Würfel-Kartenspiel mit einfachen Regeln, einem sehr großen Glücksfaktor und ohne taktische Höhepunkte; damit dürfte sich eher der Gelegenheitsspieler davon angesprochen fühlen.

Wie bei vielen Spielen sind Thema und Mechanismus leider unabhängig voneinander. Wer auf einen seemännischen Bezug hofft, ward enttäuscht. Die ordentliche Ausstattung wirkt, in einen Blister einsortiert, sehr aufgeräumt. Die zwei Kapitänsfiguren sind aus Holz, die zwölf Würfel, je sechs in rot und blau, aus schwerem, haptisch ansprechendem Kunststoff. Die 48 Karten führen die Außenillustrationen nahtlos fort. Die Spielregel ist erfreulich kurz und bietet mit vielen Bildern und Beispielen einen schnellen Einstieg in das Spiel. Schön ist, daß die Regel viersprachig verfasst und das Material sprachneutral gehalten ist, so steht auch einem länderübergreifenden Spiel zum Beispiel im Urlaub nichts im Weg. Die Karten gliedern sich in je fünf Karten der acht farblich unterschiedenen Nationalitäten mit den Werten eins bis vier sowie acht Sonderkarten „Schmutzige Tricks“.

Zu Spielbeginn erhält jeder Spieler den Kapitän und die Würfel seiner Farbe. Danach werden alle Karten gemischt und eine Reihe von sechs Karten ausgelegt. Um diese Karten wird nun gewürfelt. Das Spiel geht über acht Runden. Der jeweilige Spieler hat, mit Einschränkungen, die Wahl zwischen zwei Aktionen. Er kann würfeln und anlegen, inklusive einer Sonderkarte spielen, oder werten.

Entscheidet er sich gegen eine Wertung, würfelt er mit zwei Würfeln und legt nur einen davon an seiner Seite einer ausliegenden Karte an. Dabei muss die gewürfelte Zahl mit der Position der Karte übereinstimmen. Dem Startspieler bleibt noch die Wahl die Ausrichtung der Kartenpositionen zu bestimmen, das heißt, ob die Nummern von eins bis sechs von links oder von rechts gezählt werden. Für den Rest der Runde sind dann beide an diese Ausrichtung gebunden. Der verbleibende Würfel geht wieder an den Spieler zurück. Nach dem Würfeln kann der Spieler, wenn er hat, noch eine Sonderkarte spielen. Diese erlauben ihm: Die gewürfelte Zahl um eins nach oben oder unten zu verändern, noch einmal zu würfeln, beide Würfel anzulegen oder die Karte als Zweier-Joker zu einer Farbe der erworbenen Karten zu legen. Diese Aktion ist nur einmal pro Runde zulässig. Als Anzeiger dient dabei die Kapitänsfigur. Mit Ausspielen einer Sonderkarte wird sie in die Mitte gestellt. Danach ist der andere Spieler an der Reihe. Die Runde endet durch eine Wertung.

Der Spieler muss werten, wenn er nur noch ein Würfel übrig hat. Er darf nicht werten, bevor er nicht zwei Würfel angelegt hat. Bei der Wertung werden an jeder Karte die angelegten Würfel verglichen. Hat nur ein Spieler Würfel an dieser Karte, erhält er sie und legt sie offen vor sich, farblich sortiert, ab. Erworbene Sonderkarten werden, ebenfalls offen, bis zur Benutzung zur Seite gelegt. Haben beide Spieler Würfel an die Karte gelegt, erhält derjenige Spieler die Karte, der die meisten Würfel an dieser Karte liegen hat. Bei Gleichstand entscheidet die Augenzahl der benachbart liegenden Würfel. Besteht auch dort ein Gleichstand, geht die Karte auf den Ablagestapel. Ebenso eine Karte, an der keine Würfel liegen. Der Spieler, der die Wertung ausgelöst hat, legt eine neue Reihe von sechs Karten aus und der Gegenspieler beginnt die neue Runde.

Sind alle acht Runden beendet geht es in die Endabrechung. Jede nicht gespielte Sonderkarte zählt einen Punkt. Hat nur ein Spieler Karten einer Farbe, zählen deren Werte ebenfalls als Punkte für ihn. Haben beide Spieler Karten einer Farbe, erhält der Spieler mit den meisten Punkten einer Farbe, die Punkte des Gegners in dieser Farbe gutgeschrieben. Bei Gleichstand werden die Karten nicht gezählt. Wer dann die meisten Punkte hat, hat gewonnen.

Das Spiel dauert nicht lange, nach den ersten Runden hat man sich eingespielt, nach dem ersten Spiel die Feinheiten der Abrechnung umgesetzt. Danach ist meistens eine Revanche angesagt. Der gesamte Spielmechanismus ist sehr stark glücksbetont, ohne jedoch zum Zocken zu animieren; das taktische Element tritt fast völlig in den Hintergrund. Die Sonderkarten gleichen dies teilweise aus. Oft ist jedoch der jeweils beste Zug entweder offensichtlich oder aufgrund der Würfelergebnisse oder der aufliegenden Karten nicht möglich. So oder so, Denkarbeit wird, abgesehen zur Vermeidung von triviale Fehlern, kaum verlangt. Bei unseren Spielrunden lagen die Endergebnisse sehr nahe beieinander oder aufgrund einer oder mehrer Monopolfarben sehr stark auseinander. Im ersten Fall war das Quäntchen Glück eben auf der einen oder anderen Seite, im andern Fall war es entweder das Ergebnis eines katastrophalen Fehlers oder einfach das Pech, die richtigen Karten/Würfel einfach nicht  zu bekommen. Sich den Sieg aufgrund eigener Verdienste auf die Fahnen zu schreiben, konnte keiner guten Gewissens. Ob sich daran etwas durch vier neue Sonderkarten ändert, die auf der Homepage des Autors zum Herunterladen bereitgestellt sind, wäre noch zu beweisen. Das Spiel lädt auch gerade dazu ein, weitere neue Sonderkarten zu kreieren, wie mit drei Würfel würfeln, Kartenpositionen tauschen, Karte sichern et cetera. Und das sind nur die Ideen, die in unserer Runde nach wenigen Partien aufkamen. Mit jeweils sechs neuen Sonderkarten liess sich das Spiel auch ohne großen Aufwand um eine Runde verlängern. Man sollte sich auch von der Schachtelgröße nicht täuschen lassen, mehr Platz als auch einem Bistrotisch vorhanden ist, wird schon benötigt; selbst bei Verwendung des bei Würfelspielen immer empfehlenswerten Würfelbechers.

Insgesamt ein Spiel, das sich für Familien, wie alle Zweierspiele,  nur eingeschränkt eignet. Gelegenheitsspieler, vielleicht für einen Urlaub, finden sicher Gefallen daran und ohne Mühe den einen oder anderen Mitspieler. Für Vielspieler, die mit den Zufallsmomenten leben können, ist es, in dieser Form, ein leichtes Spiel, um ohne Tiefgang auf den Rest der Runde zu warten.

 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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