Spinnentwist

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 31.12.2006
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Spinnentwist von Reich der Spiele

Selbst im Reich der Spinnen lockt das sprichwörtliche Weib ewig neu. Allerdings ist hier sinnvollerweise mit allergrößter Sorgfalt vorzugehen: Spinnenweibchen lieben es nämlich, ihre Verehrer gleich mit Stumpf und Stiel zu verzehren, falls diese allzu ungestüm vorwärts drängeln oder sich unvorsichtig lange in Reichweite des Objekts ihrer Begierde aufhalten - nochmals, wir sprechen hier vom Reich der Spinnen und von nichts anderem …

Wie beim Spieleautor und diplomierten Biologen Henning Poehl und seiner "biologischen Reihe" üblich, wird die knallharte Realität gewisser Naturphänomene in spielerischer Form umgesetzt, ergänzt durch eine Vielzahl interessanter Artikel und Links auf der Website des Verlags. Herausgekommen ist dabei zur Abwechslung nicht ein weiteres Karten-, sondern ein knackiges, diesmal auch optisch überaus ansprechendes strategisches Brettspiel für zwei Personen.

Das Ganze handelt in einem Spinnennetz mit zehn Speichen und einer Vielzahl von Querverbindungen, die spiralförmig zur Mitte des Netzes laufen. Dort lauert das Spinnenweibchen. Die Männchen werden reihum am Rand des Netzes eingesetzt und in kleinen Schritten beliebig bewegt. Jede dieser Aktionen führt zu einer Erschütterung des Netzes, die ihrerseits das Weibchen aktiviert. Erwartungsfroh setzt es sich (geführt durch den gegnerischen Spieler unter wenigen, aber strikt einzuhaltenden Regeln) in Richtung des zuletzt gezogenen Männchens in Bewegung, wobei die Reichweite seines Zuges abhängig ist von der Anzahl Spielsteine auf der jeweiligen Netzspeiche.

Erreicht das Weibchen dabei eines der Männchen, wird dieses sogleich verzehrt und aus dem Spiel genommen. Mittels Würfel wird anschließend ermittelt, wie lange die Verdauung des Mahls dauert, während dem das Weibchen stehen bleibt. Dies ist der Moment für alle übrigen Männchen! Gelingt es einem vom Nachbarfeld aus zum Weibchen zu ziehen, paart es sich dort und wird mit zwei Siegpunkten belohnt. Selbstverständlich ist eine Paarung auch außerhalb der Mahlzeitenpausen des Weibchens möglich, doch ist da die Gefahr erheblich größer, von diesem erwischt und verschlungen zu werden.

Die Crux ist offensichtlich: Männchen, die allzu passiv am Rand des Netzes bleiben, kommen normalerweise kaum je in die Nähe des Weibchens, um sich mit diesem zu paaren. Versuchen sie dagegen das Weibchen anzulocken oder nähern sie sich ihm gleich selber, besteht ein erhebliches Risiko, gefressen zu werden. Nötigenfalls muss daher ein (möglichst gegnerisches) Männchen geopfert werden, um erfolgreiche Paarungen zu ermöglichen.

Diese und andere strategischen Feinheiten des Spiels bedürfen einer gewissen Einspiel- und Lernphase. Ist diese aber überstanden, öffnen sich ungeahnte spielerische Tiefen, die das Ganze zu einem echten Leckerbissen machen; nicht nur für das Spinnenweibchen, sondern auch für die beiden Spieler. Noch anspruchsvoller wird es schließlich mit der Regenvariante des Netzes auf der Rückseite des Spielplans, bei der verschiedene Querverbindungen fehlen, was die Bewegungsfreiheit der Spinnen empfindlich einschränkt. Meisterhaft!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Jahrgang: 
2005
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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