Ta Yü

eine Spielerezension von Günter Cornett - 31.10.2005
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Ta Yü von Kosmos

Ta Yü ist der Name eines chinesischen Baumeisters, der einst das Reich der Mitte vor einer riesigen Sintflut rettete. Dreizehn Jahre lang baute Ta Yü an einem Netz von Kanälen und leitete so die gewaltigen Wassermassen ins Meer.

Das Brettspiel Ta Yü ist ein abstraktes Taktikspiel, das an die chinesischen Klassiker Go und Mahjong erinnert. Es fasziniert gleichermaßen durch seine einfachen Strukturen wie durch sein edles Material. Das Spielfeld besteht aus einem Raster von 19 x 19 quadratischen Feldern. Die 112 Spielsteine sind jeweils drei Quadrate lang und angenehm zu fassen. Auf jedem Spielstein sind blaue Kanalabschnitte eingraviert. Passend aneinandergelegt bilden sie im Laufe des Spieles ein Netz von Kanälen.

Abwechselnd zieht jeder Spieler einen Stein vom Stapel und legt ihn auf dem Spielfeld ab. Der erste Stein wird in die Mitte gelegt. Jeder folgende Stein muss mindestens einen Kanalabschnitt fortsetzen. Spielziel ist es, möglichst viele Kanalverbindungen zum Meer am Spielfeldrand zu schaffen. Ein Spieler ist dabei für die nördliche und südliche, der andere für die westliche und die östliche Küste zuständig. Das Spiel endet, wenn ein gezogener Stein nirgendwo angelegt werden kann. Jede Kanal-Mündung, die eine Küste erreicht, zählt einen Punkt. An besonders gekennzeichneten Feldern zählt eine Mündung sogar zwei Punkte. Jeder Spieler multipliziert die Punktzahl seiner gegenüberliegenden Küsten miteinander. Wer das höhere Gesamtergebnis erreicht, gewinnt.

Nicht immer zieht man einen Stein, mit dessen Hilfe man den Kanal sinnvoll, das heißt zur eigenen Küste hin, ausbauen kann. Doch dann findet sich meist eine Möglichkeit, den Kanal von den Küsten des Gegenspielers wegzuleiten. Ganz im Geist fernöstlicher Philosophie geht es auch bei Ta Yü nicht darum, den Gegner zu schlagen, sondern seine Kraft abzufangen und umzuleiten.

Sehr reizvoll ist auch die Störenfried-Variante: Ein dritter Mitspieler bekommt die Aufgabe, möglichst destruktiv zu bauen, also dafür zu sorgen, dass der Spielfeldrand möglichst nicht erreicht wird. Der Störenfried gewinnt, wenn keiner der beiden Mitspieler eine zuvor ausgehandelte Maximalpunktzahl erreicht. Die in der Regel angebotene Vier-Personen-Variante dagegen unterscheidet sich vom Grundspiel lediglich darin, dass zwei Spieler im Team spielen und sich abwechseln.

Ta Yü ist ein anspruchsvolles, aber keineswegs schwieriges Spiel. Die Züge des Gegenspielers lassen sich abschätzen, jedoch nicht im einzelnen vorausberechnen. Wenn auch das Glück ein wenig mitspielt, so siegt am Ende nicht derjenige, der zufällig den richtigen Stein gezogen hat, sondern der hat die Nase vorn, der den Blick für das Ganze behält, seine Steine vorausschauend platziert und sich dabei viele Möglichkeiten offen hält. Dem Verlag Kosmos und dem Spieleautoren Niek Neuwahl, einem holländischen Architekten, ist mit Ta Yü ein Spiel gelungen, das den Vergleich mit den Klassikern nicht zu scheuen braucht.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 3
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
1999
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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