The Game

Spiel ... so lange du kannst

eine Spielerezension von Michael Weber - 15.03.2015
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Kooperatives Kartenspiel The Game - Foto von NSV

Wie böse kann ein Spiel sein? Die Antwort gibt The Game von Steffen Benndorf, das bei NSV erschienen ist. Dieses kleine Kartenspiel ist der Inbegriff von Bosheit, soweit man es einem Ding, also einem Gesellschaftsspiel zuschreiben darf. Warum? Weil es ständig gewinnt!

Wie bitte, das Spiel, also The Game (ich halte es mit meinem Kollegen Hendrik Breuer und finde den Namen ebenfalls bescheuert), gewinnt? Ja, denn es ist kooperativ. Das heißt, die Spieler versuchen, gemeinsam zu gewinnen. Das Unterfangen ist alles andere als aussichtsreich. Denn The Game zeigt den Damen und Herren am Spieltisch, wo der Spielehammer hängt.

Vorab das Fazit für die schnelle Leserschaft

The Game ist ein kooperatives Kartenspiel der Extraklasse. Es ist so einfach zu lernen, wie schwer zu gewinnen. Die vier Zahlenkolonnen bringen die Spieler zur Weißglut, sodass es am Ende heißt: „Noch einmal bitte, diesmal müssen wir doch gewinnen.“ Kann ein Kartenspiel ein größeres Lob bekommen? Nein!

So wird The Game gespielt

Im Prinzip ist alles ganz einfach. Es gibt 98 Zahlenkarten (alle Werte von 2 – 99), zwei Stapel, die bei 100 losgehen, und zwei Stapel, die bei 1 losgehen. Jeder Spieler erhält ein paar Karten und muss zwei (in der Profivariante drei) davon ablegen, wenn er am Zug ist. Dazu muss er versuchen, die Stapel so zu bedienen, dass die Lücken zwischen den ausliegenden Zahlen möglichst klein sind. Denn nur so haben die Spieler eine Chance. Aber schon hier schlägt die ganze Bosheit des Spiels zu. Denn wer Grütze auf der Hand hat – und das ist selbst bei größtem Kartenglück irgendwann garantiert der Fall –, der muss legen! Ob er will oder nicht.

Während also von der 100 ausgehend die Zahlen kleiner werden müssen, müssen sie von der 1 ausgehend wachsen. Es ist klar, dass es nicht gerade förderlich ist, eine 35 aufsteigend auf die 12 legen zu müssen. Blöder wäre nur, diese absteigend auf die 78 legen zu müssen, also rauf auf den hoffentlich richtigen Haufen (Beispiele rein zur Illustration). Am Ende des Zuges muss jeder Spieler wieder zwei Karten nachziehen. Es soll ja keiner ohne Auswahl bleiben. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass The Game hier hinterrücks über die Spieler diabolisch lacht.

Springen, um The Game zu bezwingen

The Game bekommt aber auch einen ab. Denn die Spieler dürfen um exakt einen Zehnerwert zurückspringen. Also im absteigenden Stapel darf beispielsweise die 72 auf die 62 gelegt werden. Das schafft etwas Luft zum Durchatmen, aber wetten, dass dieses finstere Spielchen gleich wieder zuschlägt.

Der kooperative Charakter

Ist doch gar nicht so schwer, denken nun einige. Wenn es kooperativ ist, dürfen doch alle miteinander sprechen, um den besten Zug zu finden. Denkste. So freundlich ist The Game nicht. Hat das denn noch keiner begriffen? Das Spiel ist von Grund auf böse! Es gibt den Spielern die dämonische Vorgabe, keine konkrete Zahl nennen zu dürfen. Wäre ja auch zu schön gewesen. So steigern sich eingespielte Gruppen in ihrer Kooperation so (besser: müssen sich steigern), dass sie sich irgendwann auch ohne konkrete Zahlen verstehen. Merke: Böse Spiele wollen bezwungen sein! Ach ja, bezwungen: Gewonnen haben die Spieler nur, wenn sie reihum alle 98 Karten korrekt ablegen konnten. Möglich, aber eben nicht im Interesse von The Game ...

Wie gut ist The Game?

Puh! Ich habe so etwas noch nie erlebt. Kooperative Spiele ja. Klar. Pandemie hat mich bspw. auch schwitzen lassen. Aber das hier? Das ist echt fies. Denn jeder weiß im Prinzip, dass die Spieler praktisch nicht gewinnen können. Und dennoch wollen sie es unbedingt schaffen. Es ist diese Ausweglosigkeit, die alle bei der Stange hält. Übrigens auch in der Zweierbesetzung oder als Solospiel.

Ein Spiel, sie zu knechten

Wäre The Game ein finsteres Monster, es müsste dringen mit Schwert und Axt erlegt werden. So reicht es eben, „nur“ Karten abzulegen, dazu noch mit minimalen Regeln, die selbst Spieleneulinge sofort begreifen (in der Praxis erlebt). Genau das macht es so unfassbar zugänglich und zugleich so unheimlich böse. Dieses Spiel ist unbarmherzig und einfach fies. Kurz vor dem Ende, beim besten Siegesgefühl, schlägt es zur Not sogar noch bei der letzten Karte gnadenlos zu. Nein, dieses Spiel ist einfach unfassbar. Es trifft die Spieler bei dem, was sie am Spieltisch hält: im Spielspaß und bei ihrer Ehre. Kurz und gut: So muss ein grausam gutes Kartenspiel sein. Höchstwertung!

Wertung: 
Bewertung gut

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
1-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8-
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielethema: 
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Kommentare

...das haben wir doch schon in den 80ern gelernt! - und bereits wieder vergessen???

wieso sollte man mit einem spiel seine zeit verschwenden, wenn es unmöglich ist zu gewinnen???

nö, sorry ohne mich. - da weiß ich weit besseres mit meinem leben anzufangen 8D

auf die Spielrunde an: Ich habe schon beides erlebt - absolute Begeisterung wie auch verständnisloses Schulterzucken. Aber das ist ja bei vielen anderen Dingen genau gleich und die Geschmäcker sind glücklicherweise verschieden.

Wir haben heute the Game geschlagen!! Es ist möglich! Haben gejubelt als wären wir gerade Weltmeister geworden!

Mir hat The Game großen Spaß gemacht, was allerdings nicht auf alle Mitspieler zutraf. Das beste finde ich die Kommunikation untereinander, die für sich schon lohnt, das Spiel zu spielen.

Haben gestern das Spiel zum ersten mal gespielt (wir waren zu viert) und zwei von drei Runden gewonnen...

 

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