Verlasst das Schiff (Abandon Ship)
Manchmal steht man auf dem Schlauch und merkt das noch nicht einmal. So geschehen bei Verlasst das Schiff. Aber nur um festzustellen, am Spielprinzip ändert sich eigentlich nichts.
Tief im Schiffsrumpf (wichtig: mit einem kleinen Vorsprung auf Feld Nummer zehn- nicht von ganz unten anfangen) machen sich sieben farbige Ratten auf dem Weg nach oben, denn der verdammte Pott sinkt. Am Anfang des Spiels bekommt jeder Mitspieler drei Farben zugelost. Ziel eines jeden Spielers ist es, diese drei Farben möglichst an das Oberdeck zu bekommen. Oben gibt es Punkte. Dazu werden sieben farbige und einen Joker Würfel geworfen. Jeder Spieler sucht sich, wenn er an der Reihe ist, einen Würfel aus und bewegt die entsprechende Ratte nach oben. Oder, je nach dem was der Würfel zeigt, auch wieder nach unten. Der gewertete Würfel wird normalerweise aussortiert. Es sei denn, ein x ziert die Zahl, dann kann er, mit den anderen übrig gebliebenen Würfel, an den nächsten Spieler in der Runde weiter gegeben werden.
Relativ schnell ist aber dennoch nur noch ein Würfel übrig, was zur Folge hat, dass der Kahn „ein wenig“ sinkt. Dazu wird ein Marker umgedreht, der verrät, um wie viele Felder das Schiff Richtung Grund gezogen wird. Was sehr schön von der Redaktion umgesetzt worden ist. Aber egal, wie weit die Kiste sinken muss, wenn eine Ratte ersäuft, ist vorübergehend Schluss. Danach werden wieder sämtliche Würfel geschmissen. Natürlich wurden vorher der Würfel und die Figur des zuvor ertrunkenen Nagers aussortiert. Siegrelevant sind die auf einigen Feldern verdeckt ausgelegten Punktechips. Wer mit einer beliebigen Spielfigur so ein Feld betritt, kassiert den oder die Punkte.
Die erste Ratte, die das Oberdeck erreicht, wird quasi von den flüchtenden Passagieren zertreten und bringt keine Punkte. Erst die nachfolgenden drei Flüchtlinge in Fellkleidung bringen in absteigender Reihenfolge Siegpunkte. Danach wird Offenbart wer welche Farben zum Oberdeck bringen musste. Die Punkte werden addiert und der oder die Siegerin mit den meisten Punkten wird ermittelt.
Verlasst das Schiff ist wieder so ein Spiel von Reiner Knizia, bei dem man das Gefühl hat, das hat der sich so aus dem Ärmel geschüttelt. Kein Überflieger, aber ein solides Spiel für die breite Masse oder als Absackerspiel. Es kann schnell erklärt werden und für größere Runden ist es gut geeignet - Revanche inklusive. Wobei ich bis dato nicht zweifelsfrei feststellen konnte: Ist die sechs auf den Würfeln nicht doch eine neun, oder umgekehrt.
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Verlasst das Schiff
Ich habe während der Messe in Essen nachgefragt. Der besagte Würfel zeigt eine sechs.
Verlasst das Schiff
Oh nein, Herr Knizia hat sich dieses Spiel keineswegs aus dem Ärmel geschüttelt:
1. Die unterschiedlichen Würfel scheinen nach meinem Eindruck trotz der verschiedenen Werte doch ausgewogen zu sein, so dass dem Würfelglück noch ein weiteres Zufallsmoment obendrauf gesetzt wurde, was mehr relativiert als dass es verstärkt.
2. Bei Spielen, bei denen die Spieler Farben zugelost bekommen und ein Wettlauf ausgetragen wird, haben häufig die Spieler die besten Chancen, von denen die Farben häufiger im Umlauf sind. Hier ist es aber so, dass der Favorit, der, der erster wird, ausscheidet. Genial!
Ergo: Nix aus dem Ärmel geschüttelt, vielmehr hart erarbeitet.
Peter
Verlasst das Schiff - Aus dem Ärmel.
Aus meiner Aussage "aus dem Ärmel schütteln" spricht eher Hochachtung.
Ich stelle mir das immer so vor (Achtung: nicht ganz ernst gemeint), es ruft jemand aus einem Verlag an und erzählt dem Reiner Knizia was ihm so als Spiel vorschwebt. Während dieser Zeit kramt er schon in irgendwelchen Schubladen und zieht dann das passende fast fertige Spiel raus.
Wieviel harte Arbeit hinter so einem Spiel in Wirklichkeit steckt, wissen wir alle.
Falsche Einschätzung
Gerade ein Spiel wie "Verlasst das Schiff" lässt sich auch bei Herrn Knizia nicht aus dem Ärmel schütteln. Dazu steckt zu viel Gehirnschmalz (aus oben genannten Gründen) gerade in der Entwicklung dieses Spiels. Herr Knizia mit all seinem Können und all seiner Fleißarbeit ist wie kaum ein anderer dazu in der Lage, so einen Mechanismus zu entwickeln und gut auszutarieren.
Ich hätte mir in der Rezension gewünscht, dass auf diese besondere Leistung (in meinen Augen) hingewiesen worden wäre und nicht in das nie verschallende Horn erneut getutet wurde, dass R. Knizia Spiele wie Sand am Meer "aus dem Ärmel schüttelt".
Peter