Wallenstein

eine Spielerezension von Rainer Fieseler - 31.10.2005
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Wallenstein von Queen Games

Mitteleuropa zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Die Spieler verkörpern je einen der damaligen Feldherren und versuchen zu Ruhm und Ehre zu gelangen, indem sie möglichst viele Länder mit möglichst vielen Gebäuden (Kontore, Kirchen und Paläste) kontrollieren. Das Spiel läuft über zwei Jahre mit den Aktionsphasen Frühling, Sommer und Herbst sowie einer Abrechnungsphase im Winter.

Das Wesentliche findet in den Aktionsphasen statt: Jeder Spieler hat von jedem Land, das er besitzt, eine Karte und verteilt diese Karten zunächst auf einem Tableau auf die verschiedenen Aktionsmöglichkeiten: Neue Einheiten ins Spiel bringen, Gebäude errichten oder auf Angriffe beziehungsweise Bewegungen (je nachdem wer sich im Zielgebiet befindet). Da so ziemlich alle Aktionen Geld kosten, kann man Steuern in Form von "Bargeld" oder Naturalien erheben. Letztere braucht man, damit man die eigenen Leute im Winter durchfüttern kann. Man sollte es mit den Steuern aber nicht übertreiben und auch Kriegszüge, auf denen die Soldaten "mordend und brandschatzend" durch die Gegend ziehen, sind bei der Bevölkerung nicht gerade beliebt. Besonders Nahrungsmangel - meist Folge ungeschickter Vorratsbeschaffungspolitik - führt zu massiver Unzufriedenheit. Leicht kommt es dann zu Aufständen, die erst einmal niedergeschlagen werden müssen, was zu uneingeplanten und herben Verlusten führen kann.

Alle Konflikte, seien es nun Kriege oder Aufstände, werden mit Hilfe eines Würfelturms entschieden, wie er auch in dem Spiel Im Zeichen des Kreuzes enthalten ist: Man wirft die beteiligten Einheiten in Form kleiner farbiger Holzklötzchen oben hinein und was unten wieder heraus fällt, entscheidet den Kampf. Da bleiben manchmal die für die Wertung erhofften Würfel zurück und fallen in späteren Kämpfen ebenso unerwartet wieder heraus.

In jedem Winter gibt es Punkte für Länder, Gebäude und deren Mehrheiten in bestimmten Regionen, aus denen in der Summe über zwei Jahre der Sieger einer Partie ermittelt wird.

Auch wenn einige Feinheiten hier nicht ausgeführt werden, ist Wallenstein kein schwieriges Spiel. Alle Handlungsmöglichkeiten prägen sich schnell ein. Die Spielregel bietet für die ersten Partien sogar eine Modell-Startaufstellung an, ist aber sonst leider reichlich unübersichtlich und didaktisch ziemlich wirr aufgebaut, in einer eventuellen späteren Auflage (die Wallenstein wirklich verdient) ist dringend Nachbesserung geboten.

Wer von Wallenstein ein hartes Strategiespiel erwartet, wird enttäuscht sein - zu groß sind die Einflüsse des Zufalls im Würfelturm. Der Zufall hat jedoch einen geringeren Einfluss als bei einem Würfelmechanismus, denn was man oben in den Turm hineingeworfen hat, kommt auch irgendwann unten wieder heraus. Und viele eigene Würfel im Turm können für andere durchaus eine Bedrohung darstellen. Darüber hinaus ist der Zufall auch gar nicht so unrealistisch, denn wie viele Kriege sind dadurch nicht schon entschieden worden ... Aber dennoch: Wer Wallenstein verliert, wird sich nicht nur mit Pech heraus reden können, er hat auch schlecht gespielt.

So ist Wallenstein ein wirklich gutes Spiel, das alle Spieler für rund zwei Stunden gut unterhält. Wartezeiten gibt es kaum und ständig steht man vor der Entscheidung, was man denn nun tun soll, wobei man immer viel mehr machen möchte, als man darf ...

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
120
Jahrgang: 
2002
Spielkategorisierung
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