Walnut Grove

eine Spielerezension von Michael Weber - 01.09.2012
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Walnut Grove von Lookout Games

Unsere kleine Farm als Brettspiel? Fast sieht es so aus. Die Spieler bestellen ihre Felder, ernten und erzeugen Waren, gehen in die Stadt und handeln dort und müssen für den Winter rechtzeitig Brennholz und Nahrung haben. Wer hier etwas an Agricola und ähnliche Aufbauspiele denkt, wird jedoch enttäuscht, denn Walnut Grove ist simpler, viel simpler und zugleich verfrickelt im Spielablauf.

Das Spiel besteht aus vier sich wiederholende Phase, den Jahreszeiten, die sich achtmal wiederholen. Dann wird abgerechnet und es gewinnt der Spieler mit den meisten Siegpunkten. Im Frühling erweitern die Spieler ihre Farm, indem sie sich Landschaftsplättchen ziehen, die sie möglichst und strategisch vorausschauend anlegen. Diese zeigen verschiedene Landschaften und Zäune und sind später Garant für Ernte und Punkte. Im Sommer wird geerntet. Dazu muss bei Walnut Grove ein Knecht oder der Farmer auf die Landschaft gestellt werden. Eine oder mehrere Scheunen helfen beim Lagern. Im Herbst geht es dann bei Walnut Grove in die Stadt, wo auf einem Rundkurs weitere Knechte angeheuert, Anschaffungen getätigt und Handel abgeschlossen werden können. Dabei geht es auf einem Rundkurs den Geschäften entlang, wobei die Figuren der Mitspieler einzelne Läden blockieren und so die Auswahl für den Spieler am Zug nicht immer optimal ist. Taktieren ist hier durchaus sinnvoll. Im Winter wiederum müssen mit passenden Nahrungsmitteln die Knechte versorgt werden und alle, die kein festes Dach über dem Kopf haben, wünschen nun Brennholz. Umsetzbar ist das bei guter Planung mit der eigenen Ernte aus dem Sommer oder mit klugem Handel in der Stadt. Oft fehlt es aber bei Walnut Grove an Kleinigkeiten und die Spieler müssen sogenannte Nachbarschaftshilfe in Anspruch nehmen, die Minuspunkte beim Spielende einbringt. Aber wer will seine Knechte schon verhungern oder erfrieren lassen …

So simpel der Spielablauf von Walnut Grove in den Einzelheiten ist, so schwer ist es, einen Zugang zu dem Spiel zu finden. Machen das Anlegen der Plättchen und die Ernte anfangs noch Spaß, wird dies aber nach und nach zur leidigen Pflichtaufgabe. Der Mittelpunkt des Spiels ist der Gang in die Stadt, denn mit Anschaffungen können satt Punkte abgeräumt werden. Allerdings ist hier je nach Verlauf auf dem Rundkurs der eine oder andere Spieler schnell um die besten Geschäfte gebracht und sogar in Geldnot. Dafür, dass die Stadt spielerisch sehr wichtig ist, kommt es hier das eine oder andere Mal dazu, dass ein Spieler selbst bei sinnvoller Planung von seinen Mitspielern fast aus dem Spiel gekegelt werden kann, wenn die dringend benötigten Geschäfte blockiert sind. Die vorausschauende Planung beim Verpflichten neuer Knechte und Anlagen der Landschaften geht bei Walnut Grove in der verfrickelten Stadtphase etwas unter und das Spiel wird durch viele Kleinigkeiten hier nicht besser, sondern einfach nur komplizierter. Die Balance zwischen eleganter Simplizität und komplexer Spieltiefe ist hier aus den Fugen geraten und Walnut Grove wird gefühlt unrund. Der unbedarfte Zocker ist etwas überfordert und der erfahrene Spieler stellt sich die Frage, was das Spiel eigentlich will. Es ist ein schönes Thema und ein guter Ansatz, aber der große Entwurf aus einem Guss ist es nicht. Schade, unsere kleine Farm in Walnut Grove, das hätte eigentlich ein schönes Thema für ein Brettspiel sein können.

Wertung: 
Bewertung schwach

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
1 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2011
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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