Zooloretto

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 31.05.2007
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Zooloretto von Reich der Spiele

Der Rummel um Knut, den kleinen Eisbär aus Berlin, der von seiner Mutter verstoßen wurde und daher getötet werden sollte, letztlich aber gerettet und zum weltweiten Medienstar und Favoriten nicht nur der Kinderherzen wurde, hat es eindrücklich bewiesen: Mit Tieren und Zoos sind viel Aufmerksamkeit, Zuneigung und letztlich auch Geld zu verdienen. Der Aktienwert des Berliner Zoos soll sich im Frühjahr 2007 Dank Knuts rund verdreifacht haben, von den (gigantischen) Erlösen aus dem Verkauf von Merchandisingprodukten und den Ticketzahlungen der mehreren 100.000 zusätzlichen Besuchern ganz zu schweigen. Aber taugt das Thema auch als Grundlage für ein Brettspiel?

Die Antwort lautet Ja, und zwar bestens! Dabei handelt Zooloretto nicht einmal aus der Sicht der Besucher, sondern gewährt gewissermaßen einen Blick hinter die Kulissen eines Zoos: Die Spieler starten mit drei leeren Gehegen und etwas Kleingeld und haben daraus einen funktionierenden und prosperierenden Zoo zu schaffen. Wenigstens ist der Einkauf der Tiere und Verkaufsstände beim Lieferanten gratis! Diese stehen zusammen mit zusätzlichem Bargeld in Form von Münzen als hübsch illustrierte Kartonplättchen zur Auswahl. Die Plättchen werden zu Beginn gemischt und verdeckt ausgelegt. Anschließend dreht jeder Spieler reihum ein Plättchen auf und legt es nach eigenem Belieben offen in einen der bereitstehenden Transportwagen. Diese bieten Platz für maximal drei Plättchen und können durch den jeweils aktiven Spieler als Neuzugänge für seinen Zoo behändigt werden.

Dabei müssen nicht alle Plätze der Transportwagen restlos gefüllt sein. Sobald nämlich jeder Spieler einen Wagen ausgewählt hat, ist die jeweilige Runde für ihn zu Ende, worauf die neuen Plättchen im Zoo platziert werden müssen: Verkaufsstände kommen auf die dafür vorgesehenen Standplätze neben den Gehegen, das Bargeld in die Kasse. Heikler sind die Tiere, da diese artenrein gehalten werden müssen, was bei bloß drei Gehegen rasch zum Problem wird. Überzählige Tiere und eventuell auch Verkaufsstände können zwar im separaten Stall des Zoos zwischengelagert werden, wo sie allerdings keine Erträge abwerfen und am Ende gar Minuspunkte verursachen.

Entscheidend ist es daher, bereits bei der Auswahl der Transportwagen im Auge zu behalten, wo die jeweiligen Plättchen überhaupt abgelegt werden können - und welchen Nutzen sie dem nachfolgenden Spieler verschaffen würden. Für vollständig belegte Gehege werden nämlich Prämien ausbezahlt, die gleich wie die Barschaft in der Kasse Geldaktionen ermöglichen. Damit können zusätzliche Gehege für neue Tierarten erworben oder Tiere und Verkaufsstände verschoben beziehungsweise frei gekauft oder verkauft werden. Derartige Aktionen sind allerdings teuer und deshalb sorgfältig zu planen.

Nach mehreren derartigen Verteilrunden folgt bereits die große Schlusswertung. Vollständig oder bis auf ein Tier gefüllte Gehege werden mit Gewinnpunkten belohnt, ebenso die einzelnen Verkaufsstände im Zoo. Gehege mit zwei oder mehr fehlenden Tieren berechtigen dagegen nur zu Punkten, wenn neben dem Gehege ein Verkaufsstand steht. Für die einzelnen Tierarten und Verkaufsstände im Stall müssen sogar Minuspunkte abgezogen werden. Der Spieler mit den meisten Pluspunkten gewinnt, bei Gleichstand entscheidet das verbliebene Kassenguthaben.

Zooloretto hat vom bekannten und beliebten Coloretto dessen Verteilmechanismus übernommen, der allerdings durch die Geldaktionen und die ansprechend gestaltete Zooanlage mit den Tiergehegen ergänzt wurde. Überhaupt ist die ganze Aufmachung des Spiels ausgesprochen wunderhübsch und der Spielreiz enorm: Wer die Schachtel mit dem Bild des knuffigen Pandabären und die niedlichen Tierplättchen sieht, möchte am liebsten gleich loslegen, was dank der übersichtlichen Anleitung und dem rasch erlernten Spielprinzip auch problemlos möglich ist.

Dabei weist das Spiel genügend Tiefgang auf, um sowohl routiniertere als auch ungeübte Spieler zu begeistern. Besonders bei der Zuteilung der Plättchen auf die Transportwagen ist viel Umsicht nötig, um unerwünschte Steilvorlagen für die nachfolgenden Spieler zu vermeiden. Überdies sind im Internet bereits erste Erweiterungen wie Spezialgehege oder ein Streichelzoo für Jungtiere verfügbar, die das Spiel interessanter und noch vielfältiger machen, ohne allerdings ein absolutes Muss darzustellen - (sehr) Gutes lässt sich halt nicht beliebig weiter verbessern! Zooloretto zählt mit Sicherheit zu den schönsten Veröffentlichungen des Frühjahres 2007 und ist zu Recht zum Spiel des Jahres 2007 gekürt worden.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2007
Spielkategorisierung
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