Globalisierung im Spielekarton

Gütesiegel und "Made in China"

ein spielerischer Artikel von Frank Riemenschneider - 26.04.2009
 von

Viele deutsche und ausländische Firmen, die Kinderspiele und Kinderspielzeug verkaufen, lassen in Fernost produzieren. Obwohl immer wieder aus verschieden Gründen diese Ware auf die RAPEX-Liste der Europäischen Union landet. In dieser Liste wird mit Stand 17.04.2009  vor 1.300 gefährlichen Spielzeugen gewarnt. Wobei mit Gefährdung nicht irgendeine abstrakte Gefahrenquelle gemeint ist. Konkret wird auf Gefahren zum Beispiel durch Erstickung, Vergiftung oder Strangulation hingewiesen. Der Anteil der chinesischen Waren in dieser Liste ist enorm, wenn auch nicht verwunderlich. Man muss bedenken, dass 80 Prozent (Tendenz steigend) der Spielwarenweltproduktion aus diesem Land kommt. So werden fast 100 Prozent der in den USA verkauften Puppen in China gefertigt. Es wird laut der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte teilweise unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert, um möglichst billig die Produkte auf dem Weltmarkt zu verkaufen.

Wer jetzt versucht, aus Protest ohne „Made in China“ zu leben, wird schnell erfahren: Es ist nahezu unmöglich. Es gibt den sogenannten „Sara Bongironi Versuch“ (eine Amerikanerin die ein Jahr lang ohne Produkte aus China gelebt hat). Dieser Vesuch, der auch in Deutschland von der WDR-Sendung „Markt“ mit der Familie Kasper aus Dormagen 2008 einen Monat lang nachgestellt wurde, belegt: Ohne „Made in China“ fehlen uns so normale Dinge wie ein Taschenrechner.
 
Auch die von uns so geliebten Gesellschaftsspiele werden unter anderem in China produziert. Das kann man nachlesen. Denn es gibt auch Lichtblicke. Die Aktion „fair spiel“ steht für menschenwürdige Arbeitsbedingung in den Herstellungsländern. Es handelt sich zwar um einen feiwilligen Verhaltenskodex, bietet aber durchaus Transparenz. In der Firmenübersicht auf der Internetseite der Aktion, kann man sich darüber informieren, welcher Hersteller/Verlag an der Aktion teilnimmt und in welchem Umfang bei Firmen produziert wird, die nach dem International Counzil of Toy Industries (ICTI) kontrolliert werden. Da gibt es gehörige Unterschiede. Ravensburger gehört besipielsweise zu den Vorbildern der Branche und kauft nachweislich nur von zertifizierten Unternehmen. Wobei der Anteil der chinesischen Hersteller von Ravensburger auch nur bei 10 Prozent liegt. Dies belegt wiederum aber auch , dass „Made in China“ nicht per se etwas Negatives sein muss, wenn verantwortungsvolle Firmenmitarbeiter in den entsprechenden Positionen nachprüfen lassen. Aber es gibt auch Verlage, die nicht ausschließlich nur bei ICTI-Unternehmen kaufen oder in dieser Liste gar nicht auftauchen, aber bekanntermaßen in China herstellen lassen.

Es gibt noch die verschiedenen Gütesiegel auf den Kartons. Die nun vorgestellten sind nur ein kleiner Teil davon. Die sogenannte CE-Kennzeichnung muss auf jedem Produkt zu sehen sein, das in der EU legal verkauft werden soll. Die Aussagekraft über die Sicherheit ist aber gering. Es gibt lediglich an, dass die Firmen grundlegende Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen geltender Gesetze einhalten. Es ist also nicht mehr als ein Lippenbekenntnis.

Das deutsche GS-Zeichen steht dagegen für unabhängige „geprüfte Sicherheit“ von Produkten. Allerdings sollte hier unbedingt darauf geachtet werden, dass das Siegel des jeweilige Prüfinstitut (z. B. VDE) mit aufgebracht ist. Fehlt so eine Ergänzung, wurde das Gütesiegels sehr wahrscheinlich gefälscht.

Die Kennzeichung "spiel gut“ wird von dem Arbeitsausschuss Kinderspiel + Spielzeug e. V. verliehen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt werden. Der Ausschuss arbeitet ehrenamtlich und unabhängig von der Spielwarenwirtschaft. Von den jährlich ca. 600 untersuchten Artikeln bekommt ungefähr knapp die Hälfte die begehrte Empfehlung.

Man kann die Globalisierung in der Gesellschaftsspielbranche nicht aufhalten, aber verantwortungsbewusst damit umgehen, wenn man sich entsprechend informieren will. So gesehen ist jeder von uns gefragt. Anstoß für diesen Artikel war tatsächlich ein „Made in China“ auf einem Karton eines Kinderspiels, bei dem ich das nicht erwartet hätte. 

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