Göttingen 2006

25. Spieleautorentreffen

ein spielerischer Artikel von Gerlinde Rode und Michael Weber - 25.06.2006
Reinhold Wittig von Reich der Spiele

Das ist schon ärgerlich. Da wird das Spieleautorentreffen Göttingen 25 Jahre alt und dann legt die FIFA einfach die Fußball-Weltmeistershaft auf diesen Termin. Noch dazu ein Achtelfinale mit deutscher Beteiligung. Aber mit 25 Jahren verkraftet eine Veranstaltung so etwas und findet trotzdem statt. Und das ist gut so. Denn das Autorentreffen in Göttingen gehört zu den wichtigsten Terminen der deutschen Spieleszene. Hier treffen sich jedes Jahr junge und erfahrene Autoren, Verlagsredakteure sowie Presse und am zweiten Tag Publikum, um neue Spiele zu präsentieren, zu begutachten und weiterzuentwickeln. Im "Rahmenprogramm" finden zudem Workshops und Informationsveranstaltungen statt, die sich vor allem an den Autorennachwuchs richten, den es in dieser Zahl vielleicht ohne das Göttinger Treffen nicht geben würde.

"Schuld" an diesem Treffen sind Spieleautor, Verlagsinhaber und Szenegröße Reinhold Wittig und seine Frau Karin. Sie haben vor 25 Jahren einfach angefangen und mit Unterstützung der Stadt Göttingen sowie vielen anderen Helferinnen und Helfern wuchs das Autorentreffen zu seiner jetzigen Bedeutung. Am Anfang spottete die Fachpresse noch, dass ja nur Nachwuchsautoren dem Ruf nach Göttingen folgten. Doch darunter waren Namen wie Wolfgang Kramer, Max Kobbert und Klaus Teuber, die heute unbestritten zu den größten und erfolgreichsten Spieleautoren gehören. Für die großartige Leistung, das Spieleautorentreffen zu initiieren und über Jahre zu begleiten und zu organisieren, zeichnete ihr Mitstreiter Wieland Herold die Wittigs mit einem Ehrenspatz aus.

Der Spatz - oder besser gesagt Inno-Spatz - wird jedes Jahr an Personen vergeben, die die Spieleszene nachhaltig beeinflusst haben oder/und neue Impulse gesetzt haben. Dieses Jahr gab es ein Novum, denn erstmals wurde eine Institution ausgezeichnet. Für die Friedrich-Schiller-Universität Jena nahm Dr. Klaus Dicke den Preis entgegen. In ihrer Geschichte hatte die Universität immer mal wieder Berührungspunkte zum Spielen. Aktuell interessant ist ein Forschungszweig am Lehrstuhl für mathematische Optimierung von Dr. Ingo Althöfer, der selbst auch Spieleautor ist, an dem viele Projekte zur Verbindung von Mathematik, Computer und Spiel laufen. Unter anderem wird dort gerade das computergestützte Spiele-Erfinden entwickelt.

Den Förderpreis für Nachwuchsautoren gewann dieses Jahr Matthias Prinz. Auf den glücklichen Gewinner warten Praktika bei einem großen und einem kleinen Verlag sowie in einem Spieleladen und im Deutschen Spiele-Archiv. Dotiert ist der Preis mit 2.500 Euro, die von der Jury Spiel des Jahres gestiftet werden. Nicht mit im Rennen um diesen Förderpreis war Raphael Renter, der mit nur neun Jahren seine ersten Spiel vorstellte und äußerst überzeugt und lebhaft erklärte. Er bekam einen Sonderpreis: Er besucht die Spieleredaktion des Verlags Hans im Glück.

Naben dem Spieleautorentreffen gab es noch einen Geburtstag zu feiern. Die Spieleautorenzunft wurde 15 Jahre alt. Der Zusammenschluss von Autoren hilft seinen Mitgliedern, ihre Interessen gegenüber Verlagen durchzusetzen, ist Partner bei allen Fragen rund um das Spiele-Erfinden und fördert "das Spiel". Zum zweiten Mal vergab die Spieleautorenzunft den Medienpreis Alex, der dieses Jahr an Marc Engelhardt (NDR Online), Thilo Mischke (GEE Magazin) und Stefan Olschweski (Radio FLR) ging. Alle drei reichten Beiträge ein, die für ein größeres Publikum neue Aspekte des Spielens beleuchteten.

Auch wenn der Fußball, so Reinhold Wittig, dem Spieleautorentreffen "einen Strich durch die Rechnung gemacht hat", war die Jubiläumsveranstaltung ein voller Erfolg, der einmal mehr gezeigt hat, welche Bedeutung das Treffen in Göttingen inzwischen hat. Jeder, der Spiele veröffentlichen möchte oder Tipps von "alten Hasen" benötigt, ist dort an der richtigen Stelle. Und das seit 25 Jahren. Aber auch Verlagsmitarbeiter und Publikum sollten die Veranstaltung nutzen, denn jeder einzelne Autor dort könnte in ein paar Jahren der neue Kramer, Knizia oder Teuber sein.

 

Zum Fotoalbum des Göttinger Spieleautorentreffen 2006:
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