Str8ts, das nächste große Ding

Jeff Widderich über sein neues Logikrätsel

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 25.05.2010
Str8ts von Screenshot

Jeff, gemeinsam mit Andrew Stuart hast du das Logik-Spiel Str8ts erfunden. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
„Nicht ganz richtig! Ich habe Str8ts ganz alleine erfunden aber ohne die Hilfe von Andrew konnte ich es nicht zum Leben bringen! Er programmiert und produziert das Rätsel für Syndicated Puzzles. Es ist eine wunderbare Situation, ich entwickele die Ideen und er entwickelt die Logik, die wir brauchen, um es der breiten Öffentlichkeit anbieten zu können. Ich habe 20 Minuten gebraucht, Str8ts zu erfinden, und er hat acht Wochen  gebraucht, es in einen Solver/Generator umzubauen. Er ist wahrscheinlich einer der Besten in diesem Feld und alle seine Rätsel machen riesen Spaß. Wir arbeiten im Moment an einigen ganz innovativen Ideen, die auf den Erfolg von Str8ts anbauen werden.“

Str8ts spielt man auf einer Art Zahlengitter. Kannst du uns bitte in zwei, drei Sätzen erklären, wie Str8ts funktioniert? 
“Die Spieler versuchen, Abschnitte (senkrecht und waagerecht) mit lückenlosen  Straßen zu füllen, die zusammenhängend sein müssen. Es geht wirklich darum, dass man von Abschnitt zu Abschnitt geht, um das ganze Rätsel mit Straßen zu füllen. Es gibt noch tiefere Elemente im Rätsel, aber glücklicherweise ist das dahinter steckende Prinzip sehr einfach.“

Das klingt ein bisschen wie Sudoku. Worin sieht du für das Spielgefühl den wesentlichen Unterschied?
Str8ts hat so gut wie gar nichts mit Sudoku zu tun. Das ist das Schöne an Str8ts: Es ist einzigartig und keine Variante von Sudoku. Es wird als der Sudokunachfolger beschrieben, aber die beiden Rätsel haben ganz andere Spielgefühle. Str8ts ist eigentlich besser für die breite Masse geeignet, da Spieler in Abschnitten arbeiten können und nicht unbedingt alle 81 Felder im Augen behalten müssen. Es ist gemütlicher als Sudoku, aber keine Angst  Andrew kann Str8ts teuflisch schwer machen. Str8ts hat auch ein andere Eigenschaft, die Sudoku nicht hat, und das ist Flexibilität.  Der Ausgangspunkt von Str8ts kann ganz und gar gewechselt werden, um das Spielgefühl zu ändern.“ 

Standen Sudoku oder Kakuro bei der Spieleentwicklung Pate? 
„Für Str8ts habe ich mich gezielt hingesetzt, um einen Sudokunachfolger zuentwickeln. Ich hatte zufälligerweise einen Artikel in der New York Times gelesen. Es ging um die Suche nach dem nächsten Sudoku. Im Artikel standen zwei Aussagen im Vordergrund. Erstens, dass solch ein Rätsel nicht gefunden werden könnte, da schwarze Tinte und weißes Paper nicht viel als Anfangspunkt anbieten und auch das das Internet solch ein Rätsel schon ans Licht gebracht hätte, wenn es existierte. Zweitens, wenn ein solches elegantes Rätsel - gut genug um ein Wettkampf mit Sudoku zu überleben - geben würde, dann wären es nur die Japaner, insbesondere die Firma Nikoli, die es anstellen könnten.
Nachdem ich diesen Artikel gelesen hatte, war ich motiviert, diese Herausforderung anzunehmen. Für mich ist solch eine Aufgabe nicht zu kompliziert, da ich eine Begabung habe, diese Ideen ohne viel Arbeit durchzusehen. Die Spielmechanik, die unberührt war, war eine zusammenhängende Reihenfolge von Nummern. Ich habe über ein leeres Raster von neun mal neun Feldern diese Straßen platziert und merkte sofort, dass das Spielfeld in Abschnitten unterbrochen sein muss, um die Straßen unterzubringen. Ich probierte schwarze Felder wie beim Kreuzworträtsel und jetzt hatte ich Abschnitte, die es  erlaubten, Straßen hineinzuschreiben. Ich habe gemerkt, dass es Nummern gibt, die nicht senkrecht oder waagerecht vorkommen, und habe die als weiße Nummern in den schwarzen Kästen eingebaut. - Sehr wichtig bei Str8ts: Nicht alle Nummern von Eins bis Neun werden immer benutzt. - So wissen die Spieler, dass Nummern fehlen können. 20 Minuten später war Str8ts, wie es heute ist, fertig.“ 

Jeff Widderich vor einigen Jahren auf der Spiel in Essen von Reich der SpieleDas Spiel ist bisher eher ein Logikrätsel als ein Spiel, wie es die Spieler von dir gewohnt sind. Gibt es bei einem solchen Spiel wesentliche Unterschiede bei der Spielentwicklung? 
“Überhaupt keinen Unterschied. Es ging mir diesmal mehr darum, etwas einzigartig und Sudokuwürdiges herzustellen. Es musste etwas ganz Besonderes sein, sonst hätte ich keine Interesse, meine Energie solch einem Rätsel zu widmen. Die Erfolgsgarantie war für mich ohne Zweifel das Wichtigste an Str8ts. Ich wusste, es wurde endlose Stunden und Geld verbrauchen, deshalb musste der Anfangspunkt, das Rätsel, 100-prozentig sein. Str8ts ist solch ein einwandfreies Rätsel mit einem Sexappeal, bei der breiten Masse anzukommen.“ 

Ihr bietet das Spiel Magazinen,Zeitungen und Webseiten an. Wird es auch ein Brettspiel dazu geben?
St8ts wird sich jetzt richtig verbreiten. Sudoku verliert jetzt momentan und das nächste Erfolgsrätsel  wird aktiv gesucht. Die beiden im Rennen sind KenKen und Str8ts. Ich hoffe, dass Str8ts sich durchsetzen wird, da die Eigenschaften die Sudoku erfolgreich machten, ähnlicher sind bei unserem Rätsel (keine Mathematik). Jeden Tag erhalten wir  neue Anfragen aus der ganzen Welt für Str8ts. In den nächsten Monaten hoffen wir, dass Str8ts in mindestens 30 großen Zeitungen veröffentlicht wird. Ich selbst werde kein Brettspiel herstellen, habe mich für eine ganz neue Plattform entschieden: IPhone und andere Mobile Devices. Besseres Geld weniger Aufwand und über 100 Millionen Kunden am nächsten Tag, wenn das App veröffentlich wird.“ 

Wo können Interessierte derzeit Str8ts spielen?
“In Deutschland ist Str8ts in der Süddeutschen Zeitung täglich zu spielen, wird sehr bald in Österreich in Der Standard sein und in der Schweiz wird es auch sehr schnell einige Zeitungen geben. Auf str8ts.de von unserem Vertriebspartner Jezza Verlag; es gibt auch ein Rätselheft zu kaufen. Und auf der Webseite str8ts.com von Syndicated Puzzles.“ 

Kostet das Spielen etwas?
“Im Moment kostet Str8ts nur auf dem iPhone und Blackberry Geld. Die Süddeutsche Zeitung wird ein wunderschönes Buch mit etlichen Rätseln Mitte Juni überall verkaufen. Die Süddeutsche Zeitung steht zu 100 Prozent hinter Str8ts und ist begeistert vom bisherigen Erfolg mit Str8ts. Ihre Leser sind wirklich süchtig und ich beklage mich nicht.“

Wie sehen die Perspektiven für Str8ts aus? Ist das Spielprinzip „fertig“ oder habt ihr noch Potenzial für Varianten?
Str8ts kann nicht verbessert werden! Meistens ein gutes Zeichen, dass man ein Erfolgsrätsel hat. Andrew programmiert eine Variant im Moment für Str8ts und sollte in einige Wochen fertig sein. Wir warten auf eine Welle von Wachstum und haben uns richtig vorbereitet, alles zeitmäßig bedienen zu können. Die Zukunft sieht für Syndicated Puzzles sehr rosig aus. Wenn wir tatsächlich den Sudokunachfolger haben, dann wird es wirklich ein Ereignis sein, das ich gerne erleben möchte.“  
 

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