Boggle: Training macht den Meister

Junge Erinnerungen an alte Spiele

ein spielerischer Artikel von Jörn Frenzel - 03.01.2016
Boggle - Spielmaterial - Foto von Jörn Frenzel

Als Kind aus der ehemaligen DDR war Spielen für mich eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Aus Mangel an großen Angeboten fing ich mit Kartenklassikern an. Ich erinnere mich an lange Canasta-, Skat- und Rommé-Abende. Auch die klassischen Brettspiele à la Mensch ärgere Dich nicht, Halma, Mühle und Dame waren unsere Lieblinge. Das ging lange so, bis die ersten Kniffel-Kopien Berlin erreichten und die Spielenachmittage länger wurden. Auf der östlichen Seite Deutschlands gab es dann sogar eine gefakte Kopie names Kuchen zu kaufen, aber ich blieb mit meinen Leuten lieber bei Kopien vom Original. Kuchen für fünf gleiche Würfel hörte sich furchtbar an! Als dann meine Oma Monopoly über die Grenze mitbrachte (in einer durchsichtigen weißen Plastiktüte), war das Fieber ausgebrochen und ich spielte, spielte und spielte dieses unsägliche Spiel ... In unserem Teil Deutschlands gab es als Vergleich irgendwas mit "Transit" - ein Spiel, das ich mir natürlich nicht ansah!

Boggle erreicht Ostdeutschland - der Grundstein meiner Spielesammlung

Als ich ca. 12 Jahre alt war, brachte meine Tante Boggle mit und gerade dieses erwies sich als Kleinod. So etwas hatten wir nicht mal annähernd im eigenen Land. Es war der Beginn meiner eigenen Spielesammlung! Dann wurde das Buchstabenspiel der Klassiker in unserer Familie, und fast jedes Wochenende galt es, neue Punkterekorde zu erzielen. Bald erwies es sich aber als schwer, ebenbürtige Gegner zu finden, denn bis auf meine Mutter konnte keiner mehr annähernd meine Punktezahlen bei Boggle erreichen. Das Training zahlte sich aus. Das Spiel wurde mein jahrelanger Begleiter, auch aus Mangel besserer Alternativen. Und wer gewinnt nicht schon gerne?

Boggle ist unvergessen, aber kaum noch gespielt

Mit der Wende geriet das Spiel ein bisschen in Vergessenheit, denn nun tat sich eine ungeahnte Quantität auf. Somit wurden 50 DM vom Begrüßungsgeld gleich in ein Scrabble investiert und auch dieses steht heute nach 25 Jahren noch in meinem Regal. Anfang der 90er-Jahre sagten Freunde von mir, sie hätten sich ein neues Spiel gekauft und wir sollten das mal mittesten. Und was kam? Boggle! Ich sagte dazu nichts und wir spielten ungefähr zehn Runden, und das war es dann. Jeder Runde endete mit einem übermäßigen Punkteerfolg für mich, sodass die anderen die Lust daran verloren. Das jahrelange Training hatte seine Wirkung behalten. Nach erfolgter Erklärung, warum das so ist, wandten wir uns wieder anderen Spielen zu. Danach verschwand Boggle im Regal, und da steht es noch heute.

Um die Jahrtausendwende kam ich nochmal darauf zurück, da es im Netz eine Boggle-Version gab, wo man auch auf bessere Gegner traf. Aber die Freizeit wird knapper und meine Zeit verbringe ich dann mittlerweile doch bei anderen Brettspielen und nicht mehr im Netz. Somit ist mein Boggle-Fieber mittlerweile eingdämmt. Wenn schon Wortspiele, dann doch Scrabble. Boggle dagegen ist in den Tiefen meines Regales verschwunden und wird immer eine schöne Erinnerung bleiben.

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