Guido Hoffmann über sein Kinderspiel Burg Flatterstein

Einmaliges Luftdruck-Katapult und geistreiche Spielmechanismen

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 07.03.2016
Kinderspiel Burg Flatterstein - Foto von Drei Magier Spiele

Guido, bei Drei Magier Spiele erscheint derzeit dein neues Kinderspiel Burg Flatterstein. Was bedeutet dieser Titel?
"Burg Flatterstein ist eine alte Ruine, in der Fledermäuse ein und aus fliegen und unterschiedliche Geister ihr Unwesen treiben. Die vier Kinder Vicky, Conrad, Mila und Linus folgen einem geheimnisvollen Weg, den nur die Fledermäuse kennen."

Welche Aufgaben haben die Spieler bei Burg Flatterstein?
"Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Kindern, die eine alte Ruine entdecken möchten. Sie haben davon gehört, dass es auf Burg Flatterstein einen magischen Fledermaus-Pokal gibt, der auf der obersten Spitze der Burgmauer steht. Jeder Spieler hat eine Figur, die über einen Parcours durch den Burghof an der Burgmauer hinauf zum Fledermaus-Pokal geführt wird. Im Burghof müssen die Spieler morsche Brücken überwinden und die Stufen zwischen den Fenstern erklimmen. Fliegende Fledermäuse weisen den Weg und geben je nach Spielaufbau Burg Flatterstein - Foto von Guido HoffmannLandeort vor wie weit die Figuren ziehen dürfen. Während des Spiels kommen Helfergeister und Quälgeister zum Einsatz um den Weg zur Burgspitze zu erleichtern oder mit kleinen Handicaps zu erschweren."

Welche Mechanismen sind es, die das Spiel besonders reizvoll werden lassen?
"Burg Flatterstein ist ein Lauf- und Geschicklichkeitsspiel gleichermaßen. Die Mischung führt dazu, dass man mit Geschicklichkeit, aber auch mit gezieltem Ausspielen der Geisterkarten gut voran kommen kann. So entsteht eine erfrischende Dynamik, die sich immer wieder ändern kann.
Ein besonderes Erlebnis geht von den fliegenden Fledermäusen aus. Dazu habe ich ein Luftdruck-Katapult entwickelt, das kleine Stoff-Fledermäuse weit durch die Luft fliegen lässt. Auf die Rippen am Vorderteil des Katapults wird eine Fledermaus gelegt. Im hinteren Bereich schlägt man mit der Hand auf das Katapult um die Fledermaus fliegen zu lassen. Das Katapult kann vor der Spielschachtel individuell ausgerichtet werden um den Flug der Fledermaus zu steuern.
Landet die Fledermaus im Burghof, darf die Figur um ein Feld weitergezogen werden. Landet sie auf der Burgmauer bzw. auf den Fensterstufen, wird die Figur um zwei Felder weitergezogen. Fliegt sie durch ein Fenster in der Burgmauer, darf die Figur um drei Felder weitergezogen werden. Wenn aber die Fledermaus im Burggraben verschwindet, zieht man ein Geisterkärtchen. Im Verlauf des Spiels kann man einzelne Geisterkärtchen ausspielen oder bis zu drei Geisterkärtchen sammeln und in einem Zug ausspielen. Dabei gibt es drei verschiedene Aktionen: Ein Geist mit zwei Fledermäusen 'Doppelversuch' erlaubt es zwei Fledermäuse in einem Zug fliegen zu lassen. Bei der Karte 'Vorrücken' darf die Figur um ein Feld weitergezogen werden und bei 'Geistersprung' darf sie bis zur nächsten Figur anschließen.
In der Variante werden zu den Helfergeistern die Quälgeister gemischt. Zieht man einen Quälgeist, darf man die Karte an einen beliebigen Mitspieler verschenken. Ist dieser Spieler dran, muss er den Quälgeist ausspielen. Mit einem Quälgeist hat der Spieler ein leichtes Handicap. Spielt er die Karte 'Augen zu' aus, muss er mit geschlossenen Augen das Katapult betätigen. Bei 'Handwechsel' muss er als Rechtshänder die linke Hand nehmen und bei 'Quälgeist' wird die Quälgeistfigur als Hindernis in eines der Fenster gestellt."

Morsche Brücke bei Burg Flatterstein - Foto von Guido Hoffmann

Verstehe ich das richtig: Die Spieler katapultieren Fledermäuse idealerweise durch die Fenster in der Burg und setzen dafür ihre Figuren besonders weit? Was passiert, wenn die Fledermäuse eine der Spielfiguren umhauen?
"Da die Fledermäuse aus Stoff sind, können sie bestenfalls auf den Figuren hängenbleiben. Die Figuren haben unterhalb einen kleinen Sockel. Jedes Feld und jede Fensterstufe hat ein Loch, in das der Sockel der Figur gesteckt wird. So können die Figuren nicht umfallen."

Katapultspiele sind nicht ganz neu. Neu ist aber ein Katapult, das mittels Luftdruck Fledermäuse in die Luft schießt. Diese haben zudem eine spannende Flugbahn. Wie verläuft die Entwicklung von einer solchen Idee zur Umsetzung? Welche Prototypen hast du gebastelt, was hat die Verlagsredaktion dazu beigetragen?
"Die Idee zu Burg Flatterstein entstand durch die Beobachtung von Fledermäusen. Am Abend konnte ich von meinem Atelierfenster aus zwei kleine Fledermäuse beobachten. Charakteristisch erschien mir ihr eigenwilliger Flug. Fledermäuse flattern in scheinbar unberechenbaren Bahnen mal hier hin, mal dort hin und sind in ihrer Reaktionsfähigkeit schneller als Vögel. Ich stellte mir die Frage, ob es möglich ist mittels Luftdruck das typische eines Fledermausflugs einzufangen. Dazu kam mir eine weitere Beobachtung zu Hilfe: Auf meinem Arbeitstisch lagen kleine Stoffreste und eines meiner Notizbücher. Als ich es zugeschlagen habe, flogen die daneben liegenden Stoffreste auf den Boden. Daraufhin habe ich aus den Stoffresten kleine und große Fledermaus-Silhouetten ausgeschnitten. Neben das Buch habe ich die Stoff-Fledermäuse gelegt und den Deckel erneut herunter geschlagen. Die Fledermäuse flogen durch den Raum. So ist das erste Luftdruck-Fledermaus-Katapult entstanden. Im Zuge der Weiterentwicklung stellte ich unterschiedlichste Fledermaus-Katapulte aus Pappe her. Am vorderen Bereich des Katapults befand sich ein Spinnennetz aus Garn. Auf dieses Netz konnte man nun bequem eine Fledermaus legen. Dahinter befand sich eine Pappe, die man nur herunter zu schlagen brauchte, und schon erhob sich die Fledermaus in die Lüfte. In der weiteren Entwicklung wurde der Luftdruck durch erhöhte Seitenwände verbessert, wodurch das Katapult kleiner wurde und in eine Spieleschachtel passte.
Der erste Prototyp hatte schon vieles, was später im fertigen Spiel umgesetzt wurde. Eine 3D-Burg mit Fenstern und Stufen, das Fledermaus-Katapult, eine lange Brücke als Weg für die Figuren und Geister, die eine unterstützende Rolle spielen sollten.
Mit dem Drei Magier Verlag besteht eine sehr konstruktive Zusammenarbeit. Die Kommunikation mit Redakteur Bastian Herfurth und Illustrator Rolf Vogt funktioniert sehr gut. Bastian Herfurth hat unter anderem Statistiken während der Kindertests geführt, wie oft, wie weit und wohin die Fledermäuse fliegen. Drei Magier hat verschiedene Katapulte herstellen lassen um exakt den richtigen Luftdruck für die Fledermäuse zu gewährleisten. Die Burg und die gesamten Illustrationen hat Rolf Vogt traumhaft in Szene gesetzt. Spielerische Details haben wir gemeinsam besprochen und abgestimmt. Burg Flatterstein ist nach Geisterei und Der unendliche Fluss bereits das dritte Spiel, das bei Drei Magier veröffentlicht wurde."

Innoatives Luftdruck-Katapult bei Burg Flatterstein - Foto von Guido Hoffmann

Wie schwierig ist es denn generell, mit einer solchen Idee samt Katapult, Fledermäuse und 3D-Aufbau, also produktionstechnisch sehr anspruchsvollem Spielmaterial, einen Verlag zu finden, der diese Ideen auch umzusetzen bereit ist?
"In der Endphase einer Spieleentwicklung versuche ich auszuloten, zu welchem Verlag das Spiel passen könnte. Ich lege Wert auf hochwertige Materialien und eine formal gelungene Umsetzung. Während des Spieleentwickelns achte ich bewusst nicht auf eine finanzielle Machbarkeit. Einschränkungen dieser Art würden mich kreativ stark behindern. Da nicht viele Verlage bereit sind ein Spiel mit über 30 Euro zu kalkulieren, versuche ich meine Spiele sehr gezielt anzubieten. Ich glaube, dass originäre Spielideen eine besondere redaktionelle Betreuung benötigen, damit sie zur Geltung kommen. Dabei ist mir auch das Vertrauen in den Verlag und in den betreuenden Redakteur bzw. die Redakteurin sehr wichtig."

Welche Kompromisse bist du als Spieleautor bereit einzugehen, um aufwändige Spielideen abzuspecken? Gibt es da eine Schmerzgrenze, bei der du einen Vertrag ablehnen würdest?
Quälgeister bei Burg Flatterstein - Foto von Guido Hoffmann"Da ich meistens eine konkrete Vorstellung habe von dem Spiel, das ich umsetzen möchte, mache ich nur in einem vertretbaren Rahmen Kompromisse. Eine Schmerzgrenze wäre überschritten, wenn die eigentliche Spielideen durch Einsparungen eingeschränkt würde. Verlage suchen immer neue Spielideen. Diese können aber in ihrer Machbarkeit recht aufwändig sein, sodass sie finanziell Luft nach oben brauchen um optimal realisiert werden zu können."

Noch einmal zurück zu Burg Flatterstein: Werden Eltern und "große Kinder" damit so viel Spaß haben wie die unterste Altersgrenze der Sechsjährigen?
"Ich denke ja. Neben den Sechsjährigen und Erwachsenen sind es auch die älteren Kinder, die von dem Spiel fasziniert sind. Auch geschickt versierte Spieler werden das Fledermaus-Katapult als Herausforderung sehen. Auch das gezielte Einsetzen der Geisterkärtchen kann viel zum Sieg beitragen."

Hast du abschließend einen Tipp für die erste Partie? Worauf sollten die Spieler besonders achten, um den größten Spielspaß zu haben? Wie lässt sich das Katapult am besten bedienen?
Helfergeister bei Burg Flatterstein - Foto von Guido Hoffmann"Meine Empfehlung ist, sich mit dem Fledermaus-Katapult vor dem Spiel vertraut zu machen. Man kann das Katapult mit der flachen Hand, aber auch mit einem oder mehreren Fingern betätigen. Wie weit die Fledermaus fliegt, hängt davon ab, in welcher Art und Weise man das Katapult betätigt und wie fest man mit der Hand drauf schlägt. Ein Tipp: Das Katapult gezielt vor der Schachtel in Position bringen um die Fledermaus durch ein Fenster fliegen zu lassen. Auch die Entfernung zwischen Katapult und Schachtel spielt eine Rolle. Hilfreich ist es die Helfergeister zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen. Für jüngere Kinder, die weit zurück liegen, ist z. B. die Karte 'Geistersprung' nützlich. Mit dieser Karte können sie bis zur nächsten Figur aufrücken. Der Spaß von Burg Flatterstein liegt im direkten Erleben der fliegenden Fledermäuse und dem taktischen Einsetzen der Helfergeister.

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