Spielgefühl: Heldentaufe

Eine Prototypen-Bewertung

ein spielerischer Artikel von Wolfram Troeder - 18.03.2016
Heldentaufe - der Spielaufbau - Foto von Simon Juncker

Die Geschichte von Heldentaufe begann vor ungefähr einem Jahr. Nein, nicht ganz, eigentlich begann die Reise vor über fünf Jahren an der Uni in Bern. Simon Junker, der Autor, hatte die Idee, die Konzepte und Themen eines digitalen Adventure-Games auf das Brettspiel zu übertragen. Daraus entstand Heldentaufe, ein Brettspiel von 60-90 Minuten für 2 bis 5 Personen, ab 10 Jahren. Also im Prinzip klassische Standardwerte für ein massentaugliches Brettspiel.

Vor einem Jahr war es dann soweit. Das Spiel verließ die vertraute Umgebung und stellte sich der ersten Herausforderung, einer Finanzierungskampagne auf Kickstarter. Und hatte grandiosen Erfolg. Solange, bis sich die Macher selbst einbremsten. Sie waren vom eigenen Erfolg total überrascht und merkten plötzlich, dass die Tücke im Detail lag. Nicht am Spiel, dass wurde mit offenen Armen in der Spielergemeinschaft aufgenommen, sondern das Drumrum stand dem Erfolg nun im Weg. Und hier bewies das Team echte Größe und brach ab, mit dem Versprechen alle Unklarheiten zu beseitigen und wiederzukommen. Und nun ist es soweit. Das Spiel bleib im Wesentlichen unverändert, der Rest ist jetzt stringent und klar gegliedert. Und hat wieder Erfolg.

Das Spielgefühl von Heldentaufe

Heldentaufe - der Spielekarton - Foto von Simon JunckerHeldentaufe beinhaltet die grundlegenden Elemente eines Abenteuerspiels: Kämpfen, Aufgaben erfüllen, erforschen, Schätze finden, tiefe Wälder, dunkle Verliese usw. … All das, was man vom Bildschirm kennt, aber reduziert auf den Kern, sodass nur das Wichtigste enthalten ist, und keine übermäßige Komplexität aufkommt. Damit ist der Einstieg sehr einfach, trotzdem bleibt eine Langzeitmotivation erhalten.

Um was es geht: Unser Heldenanwärter muss sich in einer Prüfung beweisen und in der Wildnis und monsterverseuchten Höhlen Trophäen sammeln, Monsterzähne. Schafft er es als erster, eine von der Spieleranzahl abhängige Anzahl zu erwerben und zum Ausgangspunkt zurückzukehren, wird er zum Helden befördert und hat das Spiel gewonnen.

So läuft das Spiel Heldentaufe

Heldentaufe - Grafiktraum - Foto von Simon JunckerWie funktioniert es: Wir wählen einen von fünf verschiedenen Helden aus, erhalten unsere ersten drei Aufgaben und erforschen erst einmal unsere Umgebung. Dort finden wir Wiesen, Wälder, Teiche, Obstbäume und Gebäude. Dort finden wir z. B. Ressourcen, die wir für unsere Aufgaben benötigen. Oder Gegenstände, die uns helfen, wie Schwerter oder Ringe. Oder die Gegenstände verändern, verbessern. Oder wir müssen bestimmte Orte finden. Oder Sachen dort hinbringen. Oder Höhleneingänge. Dort beginnt dann das dunkle Kapitel der Heldenreise. Ist es in der Oberwelt noch ein Wettlauf, kommt es in der Unterwelt zum Kampf. Hier besiegen wir Monster oder werden besiegt. Wir finden einen Schatz oder doch nur Fallen, die uns Lebenspunkte kosten. Und wir müssen uns unseren Mitspielern stellen. Wer gerade nicht in der Unterwelt unterwegs ist, darf nämlich die Monster führen. Ein Kniff, der für reichlich Spannung sorgt. Insbesondere da die Monster mit jeder Niederlage stärker werden, Herkules lässt grüßen. Jede erfüllte Aufgabe, jedes besiegte Monter und meist auch die gefunden Schätze bringen uns die begehrten Monsterzähne. Haben wir genug davon zusammengerafft, müssen wir nur noch den Weg zurück ans Lagerfeuer schaffen. Dort erzählen wir dann von unseren Heldentaten.

Was über Heldentaufe noch zu sagen ist

Und die Regeln: Zum Glück für alle (für mich, dann spare ich mir das Nacherzählen des Regelheftes; für euch, dann spart ihr euch das Lesen dieser Nacherzählung) hat das Team ein Online-Tutorial erstellt (s. u.), das schnell, einfach und unkompliziert spielerisch in die Regeln einführt.

Was mir noch gefällt:

  • Viele neue, aber intuitiv erfassbare Ideen.
  • Mehrere Wege zum Ziel.
  • Sinnvolle weibliche Helden.
  • Familientauglich.

Was mir nicht gefällt:

  • Dass ich bis November warten muss, um es mit meiner Gruppe spielen zu können.

Resultat: Uneingeschränkt empfehlenswert.

Brettspiele-Newsletter von Reich der Spiele abonnieren