Spielgefühl: Schnapp den Sack

Erst denken, dann greifen

ein spielerischer Artikel von Michael Weber - 19.01.2016
Kartenspiel Schnapp den Sack - Foto von Amigo Spiele

Argh! Wer auch immer diese Grafik für Spieleschachtel genehmigt hat, gehört übers Knie gelegt und mit Weidenruten malträtiert. Aber gut, passend zum Titel: Schnapp den Sack. Auch so ein Konstrukt. Gab es ja immer mal wieder Versuche in die Richtung. Blöder Sack zum Beispiel. Aber hier geht es um Dudelsäcke (sic!), Tränensäcke (sieht man nicht so), freche Säcke (na, ja) und Wandersäcke (sehen eher aus wie der hintere Raum zwischen zwei Schenkeln …). Und um Zahlen. Kleine Zahlen, aber ohne Grundrechenkenntnisse geht es nicht.

Schnapp den Sack - zwischen Mathe und Tempo

Spielerisch ist Schnapp den Sack von Wolfgang Kramer eine Mischung aus Rechnen und Reaktion. Karten auslegen, Karte aufdecken, schnell im Kopf nachrechnen und bei Bedarf dem Titel des Spiels frönen. Denn ja, bei passender Zahl auf den Karten heißt es: Schnapp den Sack! Das ist im Prinzip alles.

Wären die komischen Säcke nicht und vor allem DER Sack, dann wäre das alles ein lahmes Kopfrechnen gepaart mit rasanter Greifhand. DER Sack aber, der Zacki, der ist richtig cool. Unkonventionelles Spielmaterial ist selten. Und Zacki, der Sack, ja der ist unkonventionell (und heißt wirklich so!). Ich werde ihn nicht aufschneiden (wer will schon einen Zacki an den Sacki?), um den Inhalt zu prüfen. Könnte Reis sein, fühlt sich so in etwa an. Könnte aber auch was ganz anderes sein. Jedenfalls steht der Zacki einfach da und wartet. Darauf, dass ein Spieler seine Hand schnell ausfährt, um eben den Sack zu greifen ... (Ach du meine Güte!).

Spielgefühl: Wie ist denn Schnapp den Sack so?

Um es mal ganz kurz zu sagen: Karten werden so lange aufgedeckt, bis die Anzahl der Säcke an einer von vier Reihen mit der gesuchten Zahl übereinstimmt. Sonst wird einfach die höchste Karte überdeckt. Und nun zum Spielgefühl: Das ist alles weder innovativ, noch besonders spannend. Nimmt man das Tempo raus, bleibt nicht viel. Mit Tempo kommen aber Schnellrechner und Hektikfans auf ihre Punkte. Gemischte Gruppen gehen gar nicht. Alles in allem ist das etwas wenig. Allerdings kann genau das reichen, um in der passenden Runde großen Spaß zu haben. Allein, mein Spaß mit diesem Kartenspiel ging über die verboten dämliche Schachtelgrafik nicht hinaus. Illustrator Klemens Franz hat hier Amigo Spiele etwas untergejubelt, das mich zum Grinsen bringt.

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