Suisse Toy 2015

16. Nationale Spielwarenmesse am Scheidepunkt

ein spielerischer Artikel von Bernhard Zaugg - 21.10.2015
Suisse Toy 2015 - Foto: Bernexpo AX

Auf den ersten Blick wirkt alles wie ein weiteres Kapitel der langen Erfolgsgeschichte der Suisse Toy in Bern: Die größte und wichtigste Spielemesse der Schweiz präsentierte auf insgesamt 43.000 m2 ein beeindruckendes Angebot an Spielen und Spielwaren aller Art für Groß und Klein. Zahlreiche Neuheiten, exklusive Premieren und spannende Meisterschaften sorgten für beste Unterhaltung und 47.000 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, um an den insgesamt fünf Messetagen das BERNEXPO-Gelände in Bern zu stürmen und es vorübergehend zum größten Spielzimmer der Schweiz zu machen.

Die Suisse Toy hat ihre Vorzüge

Und die Suisse Toy hat tatsächlich ihre Vorzüge und Besonderheiten. Sehr schön ist insbesondere die Tatsache, dass fast alles in die Hand genommen und ausprobiert werden darf und dafür in den weiten Messehallen auch effektiv genügend Platz zur Verfügung steht. Außerdem braucht die Suisse Toy in ihrer thematischen Breite mit Einschluss einer großen LAN-Party für elektronisch Interessierte und einer Paintball-Arena für eher handfest Orientierte keinen Vergleich zu fürchten, sondern vermag bei allen Spiele- und Schlachtenfans zu punkten.

Ganz besonders gilt dies für den traditionellen Stand der Jury Spiel des Jahres, der einmal mehr die Massen anzog. Unter der kundigen Leitung von Tom Felber und Synes Ernst wurden die Titel der Auswahllisten der Jury vorgestellt und zum Kennenlernen bereitgehalten. Und das Angebot wurde so rege genutzt und begeistert aufgenommen, dass ausgewählte Titel wie die Preisträger Colt Express und Broom Service anschließend tageweise auf dem ganzen Messegelände ausverkauft waren.

Daneben fanden auch die Ludotheken mit ihren zahlreichen Outdoor- und Geschicklichkeitsspielen guten Anklang. Dünn gesät waren dagegen einmal mehr die aktuellen, für diesen Herbst angekündigten Spieleneuheiten, die halt oft erst auf den allerletzten Drücker fertig gestellt und direkt an der wenig später stattfindenden Spielemesse in Essen bereit stehen. Und manchmal nicht einmal da. Aber das war schon in den Vorjahren nicht viel anders und daher grundsätzlich kein Problem.

Entwicklung der Suisse Toy stimmt nachdenklich

Anders dagegen einige Feststellungen und Entwicklungen, die zu Fragen und etwas Sorge Anlass geben. So fehlten an der diesjährigen Suisse Toy ein paar große und wichtige Anbieterinnen wie Ravensburger oder auch Waldmeier (Carrera), die früher regelmässig in Bern präsent waren. Und selbst bei verschiedenen der weiterhin Anwesenden war die Stimmung teilweise ziemlich schlecht und beobachten einige die jüngsten Tendenzen der Messe mit erkennbarer Anspannung und Beunruhigung.

Primärer Grund dafür ist zum einen gerade die große thematische Breite des Anlasses, finden doch auf demselben Gelände neben der eigentlichen Suisse Toy zeitgleich drei weitere Messen statt mit teils fehlender erkennbarer Abgrenzung untereinander. So fanden sich Spieleangebote unmittelbar neben Verkaufsständen für Versicherungslösungen oder Kleinkindernahrung, sodass sich Spieleinteressierte den Weg zu ihren favorisierten Angeboten teilweise regelrecht zusammensuchen mussten. Andererseits wurde die fehlende Sensibilität gegenüber den Belangen und Besonderheiten des Spielemarktes bemängelt. Tatsächlich wirkte es etwas befremdlich, wenn Spiele vorgestellt und Regeln erläutert werden wollten und nicht weit davon entfernt eine Blasmusik live Kostproben ihres Könnens präsentierte.

Die Messeleitung verteidigt allerdings ihr Konzept und ist weiterhin von dessen Richtigkeit überzeugt. So betonte Sabrina Hinder, Kommunikationsleiterin Messen auf Anfrage, die Suisse Toy sei bereits seit mehreren Jahren thematisch breit ausgerichtet. Damit könne den vielfältigen Ansprüchen der Besucher Rechnung getragen werden, von (jungen) Eltern mit Nachwuchs (FamExpo Baby), über Kinder (Suisse Toy) und Jugendliche (E-Games) bis zu Special-Interests und Hobbies (CREAKTIV). Ausserdem wolle die Messeleitung künftig noch stärker auf neue Highlights und beliebte Freizeit-Aktivitäten setzen. Dabei sei die Messeleitung im persönlichen Gespräch mit zahlreichen Branchenvertretern, Ausstellern und Verbänden und thematisiere dabei auch die Entwicklung der Besucherzahlen und mögliche Reaktionen darauf.

Tatsächlich hat die Suisse Toy in den letzten zwei Jahre einen Rückgang der Besucherzahlen um mehr als 20 % hinnehmen müssen. Es wird daher sehr spannend sein zu sehen, wie die Messe auf diese Entwicklung reagieren wird und ob sie gestoppt oder gar wieder umgedreht werden kann. Nächstes Jahr wissen wir mehr, wenn die Suisse Toy in der Zeit vom 5. - 9. Oktober 2016 erneut auf dem BERNEXPO-Gelände in Bern stattfinden wird.

Foto: Bernexpo AG

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