Kampf um den Olymp

eine Spielerezension von Alexandra Fauth - 26.06.2017
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Kampf um den Olymp - Foto von Lookout Spiele

Die Götter sind fort (sie streiten – was sonst), die Stunde der Sterblichen hat geschlagen: Auf in den Olymp! Aber es kann nur einen geben … Das neue Spiel der 2-Spieler-Reihe von Lookout Games inszeniert diesen Kampf um den Olymp mitsamt der Helden, Halbgötter und sonstigen Figuren der antiken Mythen. Erdacht wurde es von keinem geringeren als Matthias Cramer – ein Name, der spätestens seit den Erfolgen von Lancaster und Rokoko (jeweils nominiert zum Kennerspiel des Jahres in 2011 bzw. 2014) Erwartungen weckt.

Wie funktioniert Kampf um den Olymp?

Die Spieler schicken ihre Helden und Soldaten aufs Schlachtfeld (nach Troja, Delphi oder direkt in den Olymp). Dazu werden die Karten auf den beiden Seiten des schmalen Spielbretts (eigentlich mehr ein Spielstreifen) angelegt. Bezahlt wird via Farbsystem mit anderen Karten – je nachdem, welche Farbkombination angegeben ist. Helden sind meist teuer, Soldaten auch mal kostenlos.

Jeweils gegenüberliegende Figuren kämpfen. Der Angreifer verwundet den Gegner entsprechend seines Angriffswertes. Übersteigt dies den Verteidigungswert, kommt die Figur aus dem Spiel. Gibt es keinen Gegner, erhält man den Gebietsbonus: Siegpunkte beim Olymp, einen von vier Farbmarkern (fürs Bezahlen der Karten) in Delphi und eine Handkarte in Troja. Einige Figuren haben zudem Sonderfähigkeiten, die dauerhaft, beim Ausspielen oder beim Kämpfen zum Einsatz kommen.

Gewinnen kann man auf mehrere Arten: indem man alle eigenen Plätze mit Figuren besetzt oder über die Siegpunkte.

Die Macht Fortunas beim Kampf um den Olymp

Hört sich so weit überschaubar an? Ist es auch. Und trotzdem bleibt oben noch einiges ungesagt. Zum Beispiel das Bezahlsystem, das die Spieler immer wieder vor unmögliche Entscheidungen stellt. Man fühlt sich wie Odysseus zwischen Skylla und Charybdis, wenn man mächtige Helden nur spielen kann, indem man gute  Karten dafür opfert. Meist muss man sie erstmal aufsparen – bei sechs Starthandkarten ist es unwahrscheinlich, genau jene fünf zu haben, die man für manche Helden braucht. Da erscheinen die Farbmarker fast schon wie die goldenen Äpfel der Hesperiden. Die mächtigsten Helden sind aber nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch als Bezahlung mächtiger als Soldaten, da sie farblich als Joker gelten (sie sind grau bzw. farblos). Das hat auch zur Folge, dass sie immer betroffen sind, wenn Sonderfähigkeiten sich auf bestimmte Farben beziehen (z. B. ist Mopsos immun gegen rote Karten und damit auch gegen alle grauen Helden).

Trotz dieser eingebauten Achillesferse erscheinen manche Sonderfähigkeiten geradezu übermächtig. Ist Herakles erstmal im Spiel, kann nur noch Fortuna helfen. Damit meine ich aber nicht die Spielkarte (die es übrigens gar nicht gibt, auch nicht als Tyche), sondern das sprichwörtliche Glück. Zusätzlich zu seinem Angriff kann Herakles zwei weitere Schadenspunkte auf beliebige gegnerische Karten verteilen. In Kombination mit einer Karte, die den Schaden ihrer Nachbarn verdoppelt (was durchaus öfter gelingt, zumindest in unseren Partien), ein nahezu unbesiegbarer Gegner - außer eben mit Glück.

Gleichzeitig kann es aber auch passieren, dass man für einen mächtigen Helden nicht die passenden Farben hat. Oder man hat die perfekte Konterkarte (z. B. gegen Herakles) auf der Hand und kann sie einfach nicht spielen. Man sammelt und sammelt, wartet auf die richtigen Karten, sieht zu, wie der Gegner (unwissentlich) den passenden Farbmarker wegschnappt. Schließlich eilt man nach Troja (sofern dort keine Gegner sind, die den Gebietsbonus verhindern würden) und bekommt doch immer die falschen Kartenfarben auf die Hand. Oder man kann gar nicht nach Troja, weil man dafür eben die Karten abgeben müsste, die man für die eine, Rettung versprechende Karte sammeln muss. Dann löst das Spiel auch mal Tantalosqualen aus.  

Kampf um den Olymp: Ein atmosphärisches Duellspiel mit Achillesferse

Atmosphärisch sind die Illustrationen von Javier González Cava gelungen, und auch die Einbindung des Themas überzeugt. Zwar erschließen sich nicht alle Sonderfähigkeiten im Kontext der Mythen, dafür sind aber alle Karten den mythischen Figuren entnommen und als eigene Funktion umgesetzt, was ganz nebenbei auch für überzeugende Vielfalt sorgt. Manche Mythen wurden sehr gelungen ins Spielprinzip übersetzt: So z. B. die Karte der Eurydice, die stets von den Toten zurückgeholt werden kann – wie bekanntlich auch in Ovids "Metamorphosen", als Orpheus in die Unterwelt steigt, um seine Geliebte zurückzuholen.

Es ist selten, dass ein Blick auf die Schachtel den Kern eines Spiels bereits vermittelt (warum eigentlich? Buch- und Film-Klappentexte schaffen das schließlich auch; aber das ist ein anderes Thema). Bei Kampf um den Olymp verrät das Backcover schon einiges (sehr löblich und ein dicker Pluspunkt). „Direkter Schlagabtausch“ heißt es da, und „einfache Regeln“. Genau das hält das Spiel auch.  

Kritikpunkt ist das stellenweise fragwürdige Balancing. Hier hätte vielleicht über die Kosten noch ausgeglichen werden können. Wie sich das im Spiel anfühlt und auswirkt, hängt dabei aber auch stark davon ab, welche Kartenkombinationen ins Spiel kommen bzw. ob man sie ausspielen kann. Fortunas – pardon, Tyches – Lächeln ist entscheidend. Die Taktik muss immer wieder an die Gegebenheiten angepasst werden. Langfristige Strategien sind kaum möglich, im Grunde kann man nur das machen, was sich gerade bietet. Manchmal ist das gar nichts - zumindest nichts Sinnvolles. Ein Spiel mit Frustpotenzial, worunter der Wiederspielreiz leidet. Trotzdem kann Kampf um den Olymp Spaß machen – sofern man sich auf den hohen Glücksfaktor einlässt.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
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