Hospital Rush

eine Spielerezension von Silke Groth - 13.05.2015
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Brettspiel Hospital Rush - Foto eggertspiele, Pegasus

Wem schon immer klar war, dass im Gesundheitssystem einiges im Argen liegt, bekommt bei Hospital Rush seine Bestätigung. Hier herrscht akuter Bettenmangel, weshalb Patienten nicht zwangsläufig als geheilt entlassen werden, und auch der Ärzteschaft geht es eher um Prestige als um das Wohl ihrer Patienten. Als einer dieser Halbgötter in Weiß kämpfen die Spieler beim Brettspiel Hospital Rush des Autorentrios Thomas Kjølby Laursen, Kåre Storgaard und Sten Thomsen (eggertspiele/Pegasus Spiele) mit allen verfügbaren Mitteln um den einzigen freien Oberarztposten.

So wird Hospital Rush gespielt

Jeder Spieler erhält einen Charakter zugelost, der zwei individuelle Sonderfähigkeiten und ein dürftiges Startkapital von einem Geldplättchen besitzt. Reihum setzen die Spieler eine Spielfigur auf den Plan oder das eigene Tableau und nutzen die Aktion des Feldes. Da auch im Personalbereich gespart wird, hat jeder Oberarzt-Anwärter aber nur zwei dieser Gehilfen in seinem Gefolge, ist also auf zwei mickrige Aktionen pro Runde beschränkt. Der frühe Vogel fängt den Wurm: Einige Aktionen sind nur einfach vorhanden, andere zwar mehrfach, dann aber in schlechterer Ausführung. Es gibt konstruktive Aktionen wie das Behandeln der Patienten, Medikamentenbeschaffung, Nachtschichten (um an notwendiges Kapital zu kommen und die Spielerreihenfolge zu regeln) und Studieren (Zusatzfähigkeiten, die andere Aktionen verbessern), aber auch unfaire, aber vermeintlich lohnende Mittel wie Sabotage (Diebstahl von Geld oder Medikamenten) und Bestechung (Kauf von Siegpunkten) sind möglich. Die spielereigenen Sonderfähigkeiten sind allesamt niederer Natur. Als Gegenpol zu diesem unlauteren Wettwerb, gibt es die Möglichkeit zu petzen, was dem Denunzianten Geld bringt und den Überführten Geld oder Siegpunkte kostet.

Punkteträchtigste Aktion ist, fast schon wundersamerweise, das Behandeln der Patienten. Jeder der vier schrägen Vögel hat Bedürfnisse in Form von Bandagen und bestimmten Arzneien. Erstere liegen zur freien Verfügung bereit, letztere müssen zuvor aus dem Medikamentenschrank beschafft werden. Ist nach dem Ausführen der Aktionen ein Patient ausreichend versorgt, erhält der behandelnde Arzt dafür Prestigepunkte. Zulange sollte die Behandlung nicht dauern. Der am weitesten rechts liegende Pflegefall muss in jeder Runde für ein neues „Opfer“ Platz machen. Auch können durch Sonderfähigkeiten Patienten plötzlich verschwinden oder von einem Kollegen geklaut werden. Ärgerlich wenn bereits Medikamente und Geld investiert wurden. Sobald ein Spieler zehn Punkte erreicht hat, wird das Spielende eingeläutet. Der Mediziner, der durch Patientenversorgung, Bestechung oder eine einmalige Abschlussprüfung, die meisten Punkte erlangt hat, steigt nun vom Assistenz- zum Oberarzt auf.

Wie gut ist das Brettspiel Hospital Rush von eggertspiele?

Hospital Rush ist ein einfaches Worker-Placement-Spiel, das satirisch schräg daherkommt, dann in spielerischer Hinsicht doch eher auf Krankenhaus-Schonkost-Niveau bleibt. Knifflige Entscheidungen wird niemand bei dieser Art Spiel vermuten, doch Hospital Rush nimmt einem diese größtenteils noch ab. Die Spielrunden laufen meist nach dem selben Muster ab. Die illegalen Tricksereien werden zumeist vermieden, sodass das Spiel deutlich friedlicher abläuft als das Thema vermuten ließe. Das wiederum macht das Petzfeld uninteressanter, da selbst in Vollbesetzung selten mehr als zwei, drei Persönchen ihre dunkle Seite zum Vorschein gebracht haben. Zudem sind die Sonderfähigkeiten der Spielercharaktere sehr unausgewogen, die Palette reicht, abhängig von der Spielerzahl, von "nahezu unbrauchbar", bis hin zur "halben Miete".

Das wäre nicht weiter schlimm, wenn der „Party-Charakter“ des Spieles vorrangiger wäre, es klingt alles nach einem lustigen, unkomplizierten Fun-Spiel, nur bleibt der Spaßfaktor leider auf der Strecke. Ja, der Einstieg fällt leicht, die Spielzüge sind schön kurz und es spielt sich flott. Die grafische Gestaltung und die verwortspielten Prominenten (Jim Caries, Sherlock Mumps) sind dann für meinen Geschmack aber etwas zu sehr im Bereich des Holzhammerhumors angesiedelt und nutzen sich zudem auch sehr schnell ab. Das Spiel plätschert, trotz der Ärgerkomponente, so vor sich hin und man macht, was man so häufig macht: Ressourcen sammeln (Medikamente und Geld) und Aufträge erfüllen (Versorgung der Patienten) und das in minimalistischer Form. Das funktioniert und stört nicht weiter, lässt einem aber auch trotz Ärgerkomponente selten den Puls hochschnellen oder ob des Humors in Gelächter ausbrechen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
3-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30-60
Jahrgang: 
2014
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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