Monopoly - Reise um die Welt

eine Spielerezension von Michael Weber - 25.11.2022
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Monopoly - Reise um die Welt - Ausschnitt - Foto von Hasbro
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Es gibt Veröffentlichungen, da kann ich mal so richtig meinen Ärger rauslassen. So wie bei Monopoly – Reise um die Welt. Klar, es ist mal wieder ein Monopoly. Unter Spielefans ist es eh ein rotes Tuch. Erstaunlich, dass draußen im Land immer noch so viele Menschen gern den etwas andren Häuserkampf aufnehmen und sich stundenlang mit falschen Regeln an diesem Klassiker verlustieren. Aber sei es ihnen gegönnt. Jeder mag so spielen, wie es der eigene Spaß fordert.

Doch an Monopoly – Reise um die Welt wird in allen Belangen deutlich, warum Hasbro Gaming in der Spieleszene kaum ein Bein auf die Erde bekommt. Es fehlt erkennbar Liebe zum Produkt und an wirklich jeder Faser des Spiels ist Kostenminimierung zu erkennen. Dass es nebenbei noch nicht einmal eine gute Variante des Originals ist, kommt noch dazu. Und genau damit fange ich mal am besten an.

Was macht Monopoly – Reise um die Welt aus?

Diese Ausgabe unterscheidet sich im Ablauf nur geringfügig vom Original. Damit fällt es schon einmal negativ auf. Denn es gibt Veröffentlichungen wie Monopoly Gamer oder Monopoly Banking Ultra, die zumindest deutlich andere Akzente setzen.

Monopoly - Reise um die Welt - Material - Foto von Hasbro

Der Titel ist nur für 2 – 4 Personen und richtet sich an die Altersgruppe ab 8 Jahren. Wie beim Klassiker ziehen alle ihre Figuren um den Plan. Sie kaufen oder versteigern noch nicht zugewiesene Straßen, die hier Sehenswürdigkeiten sind (wir sind ja auf einer Reise), oder zahlen Miete. Doch es gibt Unterschiede: Es fehlen Häuser und Hotels. Bahnhöfe sind Flughäfen, die das Vorrücken innerhalb einer gewissen Reichweite erlauben. E-Werk und Wasserwerk sind Fernflugfelder, von denen aus beliebige Orte erreichbar sind. Wesentlich sind jedoch folgende Details:

  • Auf jeder Sehenswürdigkeitskarte ist ein weiteres Reiseziel (ebenfalls eine Sehenswürdigkeit) angegeben. Erreicht der Inhaber der Karte vier solcher auf seinen Karten angegebenen Ziele, gewinnt er (oder sie) die Partie. Für diese Reiseziele zahlt der Karteninhaber zudem keine Miete.
  • Erreichte Reiseziele (also nicht normale Sehenswürdigkeiten, sondern die auf den Karten angegebenen Ziele) werden mit der eigenen Figur abgestempelt. Denn unter den vier Figuren befinden sich kleine Stempelkissen (2 ml Flüssigkeit). Der Stempel ist später abwischbar.
  • Während Ereignisfelder wie gewohnt funktionieren, gibt es statt der Gemeinschaftsfelder ein Reisetagebuch. Das sind typische Zufallskarten. Aber diese enthalten mehrere Kreise. Diese darf die Person abstempeln, die zuerst diese Karte zieht. Das geht solange, bis alle Kreise abgestempelt sind. Kommt die Karte erneut ins Spiel, gilt der Kartentext für alle am Tisch, deren Stempel dort abgebildet sind.
  • Auf den Rückseiten der Reisezielkarten sind kleine Infotexte zur Sehenswürdigkeit. Das bedeutet zugleich, dass es keinen Kredit gibt. Regel: Wer nicht mehr zahlen kann, kommt ungeschoren davon.
  • Die Eckfelder funktionieren wie beim Original. Ausnahme: Es gibt genau ein goldenes Ticket auf dem Feld „frei parken“. Wer dieses zuerst erreicht, erhält es und kann es für einen Freiflug zu einem beliebigen Feld nutzen.

Urlaub bis zum vierten Reiseziel

Das war es schon. Im Ablauf hat dieses Konzept zwei besondere Aspekte.

Zum einen ist die Partie recht schnell vorüber. Wie bisher sind alle gefordert, Sehenswürdigkeiten (Straßen) zu sammeln. Denn das steigert die Chance, vier passende Ziel anzusteuern. Mindestens vier Karten sind Pflicht, denn nur so kommt man an vier Zielfeldvorgaben. Das war es aber auch schon.

Zum anderen ist die Sache mit dem Stempel ein lustiger Gag. Aber hier fängt dann schon die Kritik im Detail an. Logisch, der Plan ist abwischbar und die Stempel nutzen wasserlösliche Farbe. Da aber alle ihre Reiseziele abstempeln sollen, passiert was? Genau, der Stempelaufdruck auf dem Plan verwischt. Unschön.

Kritik am Material

Der Stempel ist sonst überraschenderweise okay. Er hält auf den Karten (kleine Wischflecken können entstehen) und ist vom Plan abwischbar. Wie lange nun 2 ml halten und ob der Saft irgendwann eintrocknet, das kann ich leider nicht sagen. Doch kommen wir zur Kritik.

Ich erwähnte ja bereits, dass hier Kostenminimierung überall erkennbar ist. So ist der Plan deutlich verkleinert. Die Flächen der Felder sind überwiegend in Weiß gehalten. Spart Farbe. Die Karten sind klein und wie leider inzwischen von Hasbro gewohnt dünne, einfache und spitzkantige Kartons - dazu noch deutlich verkleinert. Spielkartenqualität sieht anders aus.

So geht es weiter: Das Geld besteht aus kleinen Pappchips. Die alten Scheine wirken jedoch hochwertiger und sind hier möglicherweise ebenfalls eingespart. Dass Häuser und Hotels fehlen, mag dem Thema geschuldet sein. Es ist aber eben auch billiger als welche hineinzupacken. Ich meine: Urlaubsziele ohne Hotel? Dazu nur vier statt sechs Figuren, was bei der Aufgabe keinen Unterschied machen würde.

Diese Kritik an liebloser Handhabung mit dem Klassiker zieht sich durch fast alle Details des Materials. Hinzu kommt die fehlende Verpackungsfolie. Ein Aufregerthema, bei dem diese durch einen Klebepunkt ersetzt ist. Vordergründig ein Umweltschutzgedanke. Aber eben auch billiger.

… und Kritik an Monopoly - Reise um die Welt

Monopoly - Reise um die Welt - Material und Schachtel - Foto von Hasbro

Das wäre alles möglicherweise zu verkraften. Wenn, ja, wenn nur das Spiel richtig gut wäre. Aber genau hier fehlt der Mut zu Innovation und zu Veränderungen. Wie bereits gesagt gibt es durchaus Monopoly-Varianten, die spannender sind. Diese hier ist eine verkürzte und um die Häuser reduzierte Variante des Originals mit einem Stempelgimmick. Das ist deutlich zu wenig, um als spannende Veröffentlichung durchzugehen.

Es fehlen Liebe zum Detail, spannende Mechanismen und ein Aha-Erlebnis, das diese Ausgabe von anderen unterscheidet. Der Spaß mit dem Stempeln reißt das nicht raus. Es ist jedoch zu befürchten, dass auch Monopoly – Reise um die Welt den Weg auf heimische Tische finden wird. Die Marke ist einfach zu stark - stärker als das Produkt.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Jahrgang: 
2022
Spielkategorisierung
Fotos
Monopoly - Reise um die Welt - Material - Foto von Hasbro
Monopoly - Reise um die Welt - Material und Schachtel - Foto von Hasbro

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