Abenteuer im Wichtelwald

eine Spielerezension von Michael Weber - 15.02.2008
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Abenteuer im Wichtelwald von Spielspass
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Der Titel täuscht. Wer hier etwas Märchenhaftes erwartet (alle anderen natürlich auch), wird mit einem knallharten Strategiespiel konfrontiert. Zwar gibt es den Wald und auch die Wichtel, doch geht es darum, die eigenen sechs Wichtel möglichst rasch durch den Wald auf die andere Seite des Spielbretts zu bringen. Doch dazu gleich. Ausgestattet ist das Spiel mit einem übersichtlichen schachartigen Spielbrett, auf dem 34 Holzbäume verteilt werden. Jeder Spieler erhält sechs Wichtel, die er auf die entsprechenden Startfelder am Rande des Waldes stellt. Die Regeln sind einfach und in der Anleitung sehr gut erklärt. Man bewegt zunächst einen Baum, danach einen Wichtel. Das ist eigentlich alles. Eigentlich - zurück zum Mechanismus: Die Bäume dürfen immer nur um ein Feld verschoben werden, das Zielfeld muss natürlich frei sein. Der gerade bewegte Baum ist für den nachfolgenden Spieler tabu. Er muss sich einen anderen aussuchen. Jetzt wird es kompliziert. Der am Zug befindliche Spieler bewegt nun einen beliebige eigene Spielfigur senkrecht, wagerecht oder diagonal über das Spielbrett. So weit ihn die kleinen Wichtelfüße tragen - und das ist immer bis zu einem Hindernis. Dieses kann ein Baum, ein anderer Wichtel oder die Spielfeldbegrenzung sein. Auf dem Feld vor diesem Hindernis bleibt der Wichtel stehen. Anschließend darf (muss aber nicht) der gleiche Wichtel seinen Zug fortsetzen, indem er seine Bewegungsrichtung einmal um 90 Grad ändert und wieder so weit läuft, wie ihn die Füße tragen (siehe oben). Klingt ja gar nicht so kompliziert, möchte man meinen. Doch in Wahrheit handelt es sich bei Abenteuer im Wichtelwald um ein wirklich hartes Strategiespiel, das besonders zu zweit die Gehirnzellen der Spieler fordert. Immerhin heißt es, einen Weg durch die Bäume (und Wichtelfiguren) zu finden. Während man zu zweit zusätzlich darauf bedacht sein sollte, dem Mitspieler seine Wege zu verbauen, ist man beim Spiel zu dritt oder viert voll damit beschäftigt, überhaupt einen Weg zu sehen. Mitunter sieht man dabei den Wald vor lauter Bäumen nicht. Gelingt es schließlich, einen Wichtel durch den Wald auf die andere Seite des Spielbretts ins Ziel, das die Startfelder eines Mitspielers umfasst, zu bringen, kann es passieren, dass der Mitspieler noch Wichtel auf diesen (seinen Startfeldern) stehen hat. Kommt man auf ein besetztes Feld, darf man den gegnerischen Wichtel auf ein beliebiges Feld des Spielbrettes versetzen. Das ist ein interessante taktische Option, denn so lassen sich Wichtel der Mitspieler in den finsteren dichten Wald versetzen, den sie nur durch viele Baumschieberein verlassen können. Gewonnen hat schließlich der Spieler, der als erster seine sechs Wichtel durch den Wald auf die gegenüberliegenden Zielfelder geführt hat. Das wird aber sicher nicht so einfach, hat doch ein Mitspieler gerade wieder die geplante Laufrichtung durch Verschieben eines Baumes blockiert... Eine "leichtere" Variante verzichtet auf die 90-Grad-Bewegung des zweiten Zugabschnittes. Der Wichtel darf dann seine Laufrichtung beliebig verändern. Das ist zwar nicht so kompliziert, aber schafft noch viel mehr Zugmöglichkeiten. Trotz der nötigen Planung der Züge ist das Spiel auch für die angegebene Altersgruppe von acht Jahren gut geeignet. Das lässt Abenteuer im Wichtelwald zu einem echten Familienspiel mit einigem Tiefgang werden.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2000
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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