Agora

eine Spielerezension von Stephan Kurschat - 05.09.2014
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Brettspiel Agora - Foto von Spielworxx
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Eine Agora war ein zentraler Versammlungsplatz im antiken Griechenland und ist namengebend und auch spielerisch wichtiger Bestandteil von Agora (Spielworxx). Die Spieler übernehmen die Rolle einer Gruppe von griechischen Bürgern und haben als Ziel, ein möglichst hohes Ansehen in der Stadt zu erlangen. Dazu müssen sie geschickt handeln, ihre Rhetorikfähigkeiten schulen, als Ankläger oder Richter fungieren und nicht zuletzt an der Denkmalerstellung für griechische Heroen mitwirken.

Wie wird Agora gespielt?

Je Spielrunde setzen die Spieler abwechselnd ihre Bürger (jeder Spieler hat fünf) auf dem Spielplan in den unterschiedlichen Bereichen ein. Im Anschluss werden dann die einzelnen Aktionen ausgeführt. Auf dem Markt und auf dem Tauschplatz kann man an die Rohstoffe Holz, Lehm und Marmor herankommen. Die Rohstoffe werden benötigt, um die Rhetorikfähigkeiten der einzelnen Bürger zu erhöhen, was man in der Stoa erledigen kann. Jeder Bürger hat einen eigenen Rhetorikwert, der in der Stoa erhöht werden kann. Diese Rhetorikpunkte der einzelnen Bürger bringen grundsätzlich schon mal Siegpunkte bei Spielende, sind aber auch vor Gericht wichtig. Vor Gericht können Spieler, die hier Bürger platziert haben, einen Kaufmann verklagen, wodurch, sollte dieser schuldig gesprochen werden, der Kläger nicht nur Siegpunkte bekommt, sondern auf dem Markt auch Platz geschaffen wird für einen neuen Händler, der vielleicht gerade benötigte Rohstoffe zu bieten hat. Der Kaufmann ist aber natürlich nicht automatisch schuldig, sondern es kommt zu einer Verhandlung. Der Richter wird dadurch bestimmt, dass zufällig drei Bürger eines jeden Spielers gezogen werden und deren Rhetorikpunkte addiert werden. Der Spieler, dessen drei Bürger die höchste Rhetoriksumme aufweisen können, wird in dieser Runde Richter und kann entscheiden, ob der Kaufmann schuldig ist oder nicht. Bei einem Schuldspruch bekommt der Richter einen Siegpunkt und zum Dank Rohstoffe vom neuen Händler auf dem Markt, bei einem Freispruch bekommt er einen Rohstoff vom verbleibenden freigesprochenen Händler. So oder so - der Richter bekommt seinen "Lohn".

Zu guter Letzt kann man auch noch am Denkmal bauen, wozu wiederum Rohstoffe benötigt werden. Je mehr Denkmalstufen man gebaut hat, desto teurer werden die weiteren Stufen, desto mehr Siegpunkte erhält man aber auch bei Spielende.

Wie gut ist Agora?

Agora ist eines der Spiele, bei dem man nicht so genau weiß, worüber man nun den Spielgewinn herbeiführen soll. Soll man seine Rhetorikfähigkeiten steigern, um vor Gericht an Siegpunkte und Rohstoffe zu kommen oder soll man lieber auf dem Markt Rohstoffe ergattern, um damit dann Denkmäler zu bauen? Tja, viele Wege führen nach Rom ... äh, nach Athen.

Agora hat uns grundsätzlich gut gefallen. Das Spielmaterial ist ansprechend gestaltet, die Spielregel ist strukturiert und verständlich geschrieben. Das Spiel lässt sich nach einer kurzen Eingewöhnung flüssig spielen und hat genügend Anreize, dass alle Spieler immer bei der Sache sind. Aber ein paar kleine Wermutstropfen gibt es dann doch. Für die zufällige Bestimmung der Bürger für das Gericht ist gemäß Regel so vorzugehen, dass jeweils der rechte Nachbar die Auswahlsteine vor sich liegen hat und blind ziehen muss. Da aber eh blind gezogen wird, kann es auch der Spieler selbst machen. Dann kommt man auch nicht so mit den Farben durcheinander. Der zweite Punkt betrifft das Einsetzen der Bürger auf dem Spielplan. Bei anderen Spielen sind normalerweise die ersten Plätze die besten und je später man sich entscheidet, desto schlechter ist auch der Platz. In Agora ist das eher eine Wellenbewegung, da z. B. in der Stoa der erste, vierte und sechste eingesetzte Bürger einen Vorteil bekommen. Zumindest in unseren Testspielen ist durch das Taktikgeplänkel bzgl. der Platzwahl kein eventuell gewünschter Aha-Effekt aufgetreten.

Alles in Allem ist Agora ein ansprechendes Brettspiel, bei dem der Glücksfaktor gegenüber dem Strategiefaktor etwas überwiegt und das insbesondere für vier Spieler für einen netten Spieleabend sorgen kann.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
ab 10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2013
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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