Ants!

For Queen & Colony

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 03.12.2010
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Ants! von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Möglicherweise soll das Ausrufezeichen im Titel die kämpferische, um nicht zu sagen aggressive Note des Geschehens unterstreichen. Jedenfalls passt es ganz gut zum Signalisieren, dass das Spiel nichts für zarte Gemüter ist. Frust und andere unschöne Reaktionen können vielmehr verursacht werden, vor denen an dieser Stelle bereits im voraus gewarnt sei. Dabei wirkt das Ganze anfänglich durchaus noch friedlich und entspannt, was aber rasch und nachhaltig ändert.

Die Spieler beziehen als erstes je ein Ameisennest am Rande des Spielplans. Darin wohnt ihre Königin, Tyr-Ant genannt (derartige Wortspiele gibt es mehrere; sie sind durchaus witzig und lockern das knallharte Ringen um die Vorherrschaft im Spiel etwas auf). Die Königin verfügt über einige Futtervorräte, die allerdings nicht weit reichen. Jede Runde können nämlich maximal sechs Futtermarker in Arbeiter-Ameisen (Peas-Ants) und Soldaten (Serge-Ants) umgewandelt werden. Erstere übernehmen den Nahrungstransport, während Serge-Ants ihre Opfer und Gegner angreifen. Beides ist wichtig, um das eigene Ameisenvolk vorankommen zu lassen.

Das Spielbrett weist ein Koordinatensystem auf, mit dem jedes Feld individuell bestimmbar ist. Vor jedem Spielzug wird eine Ereigniskarte aufgedeckt, die Fallobst oder Lebendnahrung wie Käfer und dergleichen sowie Überschwemmungen oder andere Schicksalsschläge ins Spiel bringt. Jeweils der aktive Spieler wählt dazu aus seiner Hand eine Parkfeldkarte aus und legt so fest, wo genau das jeweilige Ereignis eintritt. Das kann ganz schön böse enden: Die runterfallende Nahrung zerschmettert Ameisen, die sich am Aufprallort aufhielten, was das gezielte Eliminieren gegnerischer Tiere ermöglicht. Analoges gilt für Schicksalsschläge, die gar noch happiger ausfallen können, beispielsweise wenn der Brunnen überläuft und alles darum herum Befindliche wegschwemmt. Anschließend folgt der eigentliche Spielzug, der zuerst das Abtransportieren von Nahrung (soweit dies noch möglich ist) und anschließend das Bewegen der eigenen Ameisen zum Anlaufen und Sichern weiterer Nahrung und zum Attackieren gegnerischer Tiere erlaubt, bevor der Tyr-Ant neue Ameisen produziert. Diese bleiben vorerst im Nest, von wo aus sie im darauf folgenden Spielzug ins Geschehen eingreifen können.

Je mehr Spieler mitmachen, desto schneller wird es auf dem Spielplan eng und immer kriegerischer. Angriffe auf feindliche Ameisen und Nahrungstiere können nur durch Soldaten erfolgen, die auf das entsprechende Feld ziehen. Der Attackierte darf zu seiner Verteidigung eigene Ameisen von Nachbarfeldern hinzuziehen. Dann geht’s los mit Würfeln, wobei die Serge-Ants einen speziellen Würfel mit tendenziell höheren Werten benützen dürfen. Der bessere Wurf gewinnt, bei Gleichstand wird nochmals gewürfelt. Wer verliert, muss seine Ameise vom Spielbrett nehmen. Gemeinsam zum Kampf antretende Peas-Ants würfeln miteinander und können so den attackierenden Serge-Ants mit ins Verderben ziehen, wenn die Summe ihrer Würfel größer ist als der Wert des Angreifers, was nicht selten zum Ausscheiden gleich aller Beteiligten eines Gefechtes führen kann.

Wird durch Fallobst oder gegnerische Ameisen die Verbindung zum eigenen Nest unterbrochen, stoppt das den Nahrungsrücktransport für mindestens eine Runde, was vorentscheidenden Charakter haben kann. Hat nämlich ein Nest keine Vorräte mehr, können zumindest vorläufig keine neuen Ameisen produziert werden, was eine empfindliche Schwächung darstellt. Ohne Nahrung keine Ameisen und ohne Ameisen keine neue Nahrung, ein wahrer Teufelskreis! Gerne werden solche Notsituationen zudem von der Gegnerschaft ausgenützt, um dem Wankenden den endgültigen Todesstoß zu versetzen. Dazu gilt es den betreffenden Tyr-Ant in seinem Nest zu besiegen. Gelingt das, erhält der Angreifer sämtliche Nahrungsvorräte des Geschlagenen, worauf alle verbliebenen Tiere des untergegangenen Volkes vom Spielplan genommen werden. Der betroffene Spieler ist damit endgültig ausgeschieden und kann sich von da an der Verpflegung der übrigen Spieler am Gefechtstisch widmen, was der Stimmung des Ausgeschiedenen meist wenig förderlich ist …

Gewinner wird, wer als letzter noch Ameisen auf dem Spielbrett hat. Das kann durchaus dauern und den Ärger und die Ungeduld der vorzeitig Eliminierten auf eine harte Probe stellen. Umso stoßender, dass mancherlei Unwägbarkeiten über den Spielverlauf entscheiden. Fast alles hängt ab vom nötigen Glück beim Nachziehen der Ereignis- und Parkfeldkarten und beim Auswürfeln der Kämpfe. Das Ganze wird so ziemlich unvorhersehbar, um nicht zu sagen zufällig oder gar beliebig. Wer damit umgehen kann, wird so möglicherweise Freude am Spiel haben. Alle anderen eher weniger.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
120
Jahrgang: 
2009
Spielkategorisierung
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