Auge um Auge

eine Spielerezension von Christoph Brandt - 24.09.2015
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Auge um Auge - Foto von Sphinx Spieleverlag
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Bei Auge um Auge von Henning Poehl (Sphinx Spieleverlag) geht es (natürlich) um Augen und zwar nicht nur um die auf einem Würfel, sondern auch um die im Gesicht. Ziel des Spiels ist es nämlich, möglichst viele blaue Augen zu verteilen und dabei wenige selbst zu kassieren.

Wie wird Auge um Auge gespielt?

Bei diesem Würfelspiel übernimmt jeder Spieler eine von sechs Banden mit je sechs Mitgliedern. Ziel ist es, anderen Bandenmitgliedern mindestens acht blaue Augen zu hauen. Der Spieler, der an der Reihe ist, wählt eine andere Bande aus, die er attackieren möchte. Ist die Wahl gefallen, geht zunächst einmal die Feilscherei los, denn sowohl Angreifer als auch Verteidiger können nun die Banden anderer Mitspieler zur Unterstützung hinzuholen. Hier kann/darf man den anderen Mitspielern alles versprechen, Hauptsache man zieht sie auf seine Seite. Zu halten braucht man sich an diese Versprechen nicht, aber mit den Konsequenzen muss man dann leben.

Der Angreifer beginnt, gefolgt von allen Banden, die ihn unterstützen. Er würfelt maximal mit so vielen Würfeln, wie er noch Bandenmitglieder mit mindestens einem gesunden Auge hat. Aus den gewürfelten Zahlen sucht er sich nun eine raus. Diese Zahl gibt an, gegen welches Mitglied der gegnerischen Bande sich der Angriff richtet. Sucht er sich zum Beispiel die Vier aus, zielt der Angriff auf den Gegner Nummer Vier und er kann alle Vieren seines Wurfes als Angriff nutzen. Wenn einem der Würfelwurf nicht passt, kann man Sonderfertigkeiten einzelner Bandenmitglieder einsetzen wie z. B. einen Würfelwurf um eins erhöhen oder verringern, einen Würfel umdrehen oder auch alle Würfel noch einmal würfeln. Hat das entsprechende Bandenmitglied allerdings bereits ein blaues Auge, steht die jeweilige Fertigkeit nicht mehr zur Verfügung.

Schlagen und geschlagen werden ...

Nun folgt der Verteidiger und nach ihm alle ihn unterstützenden Banden. Die Verteidiger müssen sich nun überlegen, ob sie versuchen, die Angriffe abzuwehren, oder selbst versuchen, den Angreifern blaue Augen zu verpassen. Hierzu würfelt der Verteidiger ebenfalls mit maximal so vielen Würfeln, wie er noch Bandenmitglieder mit mindestens einem gesunden Auge hat. Hat sich der Angriff zum Beispiel gegen das eigene Bandenmitglied Nummer Vier gerichtet, kann man alle erwürfelten Vieren nutzen und evtl. Sonderfertigkeiten einsetzen. Hat man mindestens genauso viele Vieren gewürfelt wie der Angreifer, konnte der Angriff abgewehrt werden. Andernfalls bekommt die Nummer Vier ein blaues Auge. Ist es bereits das zweite Veilchen, ist es ein K.O.-Schlag.

Haben die Angreifer noch Würfel aus der ersten Runde zurückbehalten, können sie weitere Angriffe starten oder versuchen, die Gegenangriffe selbst abzublocken. Der Kampf ist immer dann vorbei, wenn der Angreifer keine Würfel mehr übrig hat, oder wenn er keine neue Kampfrunde beginnen will.

Sieht sich der Angegriffene gleich zu Beginn einer zu großen Übermacht gegenüber (alle Angreifer zusammen haben mehr als doppelt so viele Bandenmitglieder wie alle Verteidiger), kann er sich zurückziehen. Er kommt dann mit einem blauen Auge davon. D. h., einer seiner Bandenmitglieder bekommt ein blaues Auge und damit ist der Kampf entschieden.

Nach jedem Kampf besteht die Chance, dass ein blaues Auge auch wieder heilt. Jeder Spieler benennt eines seiner Bandenmitglieder, um das er sich besonders kümmern will. Dann würfelt er so viele Würfel, wie er Mitglieder mit mindestens einem blauen Auge hat. Würfelt er nun die benannte Zahl, heilt bei dem Bandenmitglied ein blaues Auge. Anstelle einer Angriffsrunde kann ein Spieler auch entscheiden, „seine Wunden zu lecken“ und für seine Bande stattdessen zusätzlich eine solche Heilungsrunde durchzuführen.

Wie gut ist das Würfelspiel Auge um Auge?

Im ersten Moment liest sich die für ein Würfelspiel relativ lange Anleitung recht sperrig. Erst mit den aufgeführten Beispielen werden die Regeln gut verständlich. Nach der ersten Spielrunde sind die eigentlich nicht schweren Regelmechanismen dann verinnerlicht und es entwickelt sich ein lustiger Schlagabtausch.

Auge um Auge lebt von der Interaktion am Spieltisch. Es wollen immer wieder neue Allianzen geschmiedet werden und man muss innerhalb des Bündnisses immer wieder seine Chancen abwägen und Angriffe wie auch die Verteidigung neu ausrichten, um erfolgreich zu sein. Hier wollen immer wieder neue Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Daher ist das Spiel auch nur mit mindestens vier Spielern spielbar, besser sind fünf oder sechs.

Neben dem klassischen Glücksfaktor eines Würfelspiels trägt hier aber auch der Spielmechanismus zum besonderen Reiz bei. Entgegen der in der Jugend vielleicht schmerzlich gelernten Lektion, dass gerade die Banden ein lohnenswertes Ziel sind, die bereits in der Vergangenheit ordentlich „aufs Maul“ bekommen haben, ist es hier etwas anders. Je mehr Bandenmitglieder bereits K. O. sind, umso schwieriger wird es hier, weitere Treffer zu landen. Also pickt man sich lieber eine Bande raus, in der noch viele stehen. Umgekehrt wird der Heilungsvorgang einfacher, je mehr Augen bereits blau geschlagen wurden. So sind immer wieder schnelle Wendungen möglich, und am Ende geht es dann ja auch darum, möglichst viele blaue Augen verteilt zu haben und nicht als Letzter noch zu stehen. Wer also ein interaktives Kneipenspiel sucht, dessen Spielhintergrund er nicht zu ernst nimmt, der sollte bei Auge um Auge zuschlagen …

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
4-6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2014
Spielkategorisierung
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