Banana Republika

eine Spielerezension von Rainer Fieseler - 31.05.2007
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Banana Republika von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minute

Es gibt Spiele, da liest man die Regel und ist irritiert. Dann erklärt man das Spiel den Mitspielern und sie sind irritiert. Schließlich spielt man es und alle sind irritiert. Banana Republika ist so ein Spiel. Obwohl weder komplex noch kompliziert, ist es doch schwer zugänglich; „sperrig“ wäre wohl das beste Wort.

Die Spieler verkörpern je eine der fünf größten deutschen politischen Parteien und versuchen, möglichst viele und am besten auch punkteträchtige Gesetze zu verabschieden, denn diese entscheiden letztlich über den Sieg. Jeder Spieler hat immer sechs Karten auf der Hand, die beliebig aus Instituts- und Gesetzeskarten zusammen stellen darf. Wer an der Reihe ist, kann mithilfe einer Institutskarte eigene Abgeordnete in eins der fünf Ressorts des Kabinetts bringen (oder auch fremde daraus entfernen). Das ist wichtig, denn wenn man keine Instituts- sondern eine Gesetzeskarte spielt, braucht man, um das Gesetz durchzubringen, die Abgeordneten-Mehrheit, die die Gesetzeskarte fordert. Vor der Abrechnung der Stimmen darf man auch nach dem Gesetzesvorschlag noch Karten spielen, die Mehrheitsverhältnisse verändern können. Besonders „mächtig“ sind dabei Parteivorsitzende, von denen jeder eine Karte besitzt. Aber die müssen nach einem Einsatz immer einige Runden pausieren.

Wenn nach der Abrechnung der Gesetzesinitiator die geforderte Abgeordneten-Mehrheit aufweisen kann, erhält er die Karte und die damit verbundenen Siegpunkte. Hat ein anderen Spieler mehr Abgeordnete als der Gesetzeskarten-Spieler, „stiehlt“ er das Gesetz und erhält die Punkte. Tritt keine von beiden Möglichkeiten ein, geht die Karten aus dem Spiel und keiner bekommt Punkte. Neben dem Spielen einer Karte gibt es auch die Alternative zu passen und zwei Karten zu tauschen.

Das Ganze läuft so lange, bis die der Gesetzeskartenstapel leer ist oder die Institutionskarten dreimal durchgespielt wurden. Soweit hört sich alles noch überschaubar und vernünftig an – wo liegen die Probleme? Banana Republika ist in satirisches Spiel: „Lachen bis der Hartz kommt!“ verspricht die Schachtel und einige Einfälle sind auch wirklich gut (wer das Gesetz der Schröderschen Neuwahl durchbringt, hat sofort gewonnen), aber es kommt auch des Öftereren zu peinlich gewollten Witzeleien (zum Passen : „Da fragst du noch, Genius? Maximal zwei Karten tauschen und Schnauze halten!“ [Zitat Spielregel]). Störender aber ist, dass die satirischen Erklärungen immer mit den spielrelevanten Anweisungen in den Texten der Karten gemischt sind, was die Sache alles andere als übersichtlich macht.

Apropos übersichtlich: Die Regel ist das auch nicht gerade. Es steht zwar alles irgendwie irgendwo, aber wirklich übersichtlich ist etwas anderes. Außer den oben geschilderten Grundzügen gibt es noch eine Reihe weiterer Regeln, die das Spiel wohl realitätsnäher machen sollen, es aber in der Spielpraxis eher nur unnötig verkomplizieren. Und was der Autor sich mit den „Jokerkarten“ gedacht hat, ist mir eine Rätsel: Sie erlauben wirklich alles! Nur bereits gewonnene Siegpunkte sind tabu. Also in meinen Spielrunden macht der Einsatz dieser Karten das Spiel unspielbar!

Materialmäßig kann man nicht viel meckern. Über die Qualität der Grafiken kann man streiten – es hat schon Schlimmeres gegeben. Die hellgelbe Schrift auf weißem Hintergrund ist aber wirklich schlecht zu entziffern und sollte geändert werden.

Irgendwie merkt man dem Spiel an, dass der Autor und alle andern Beteiligten sich Mühe gegeben haben, aber dass das allein genügt nicht. Wenn man das Spiel eine professionellen redaktionellen Bearbeitung unterziehen würde, könnt etwas wirklich Reizvolles dabei heraus kommen. In der vorliegende Form aber bleibt nur ein „Na ja“.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
16
Spieldauer (Minuten): 
60
Spielkategorisierung
Spielethema: 
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