Bears vs. Babies

eine Spielerezension von Michael Weber - 21.10.2017
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Bears vs Babies - Szene - Foto von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Erinnert sich schon jemand an Exploding Kittens? Genau, Erinnert! Schon! Denn dieses Kartenspiel hat bereits Ende 2015 für Aufsehen gesorgt, kommt aber jetzt erst "regulär" über einen Spieleverlag in den Handel. Währenddessen ist bereits das zweite Kartenspiel der Macher Elan Lee und Mathew Inman auf dem Markt: Bears vs. Babies. Und ja, es ist genauso bekloppt und irre wie Exploding Kittens. Es gibt aber einen wichtigen Unterschied: Diesmal ist der spielerische Wert größer.

Bears vs. Babies - worum geht es?

Um es kurz zusammenzufassen: In einer Welt à la Oatmeal-Illustrationen sind Babys einfach furchtbare Gegner. Daher basteln sich die Spieler Monsterarmeen, an deren Spitze Bären die stärkste Kraft sind. Also ziehen die Armeen irgendwann aus, um gegen die wachsenden Baby-Armeen zu kämpfen. Und wer die meisten Babys frisst (sic!), gewinnt beim Kartenspiel Bears vs. Babies.

Details: schräge Illustrationen und unbändiger Humor

Wie schon beim Vorgänger zieht Bears vs. Babies den größten Teil des Spielspaßes aus den Illustrationen und dem damit verbundenen Humor. Irgendwo zwischen "kurz vor der Klapse" und "bösartig und schwarz" wabert beides auf den Karten hin und her. Dazu kommt wieder einmal die verdammt lustig verfasste Spielanleitung (wären alle so formuliert, würde das Thema "Kulturgut Spiel" neuen Auftrieb bekommen - oder auch gerade nicht).

Die Babies sind ein Haufen kleiner Lebewesen, die auch menschlich sind, aber meistens tierisch. Wer Tank Baby, Flower Baby oder das Scary Hairbaby einmal gesehen hat, weiß das einzuschätzen. Denen gegenüber wirken die Monster zunächst unscheinbar. Aber der Teufel steckt im Detail. Denn im Laufe des Spiels wachsen aus einzelnen Monsterköpfen völlig verzerrte Gestalten heran, die mit Oberkörpern und Unterkörpern, merkwürdigen Tangenten und ab und an mit Hut zu einer unfassbar komischen Figur heranwachsen.

Wie wird Bears vs. Babies gespielt?

Spielerisch ist das Grundprinzip einfach: Spieler bauen Monster zusammen, zwischenzeitlich wachsen die Babyarmeen und irgendwann kommt es zum Kampf. Die stärkste Armee gewinnt und mit Glück wandern die Babys zu einem Spieler als Siegpunkte. Mit Pech gewinnen die Babys.

Dabei hat jeder Spieler am Zug eine von drei Optionen:

  • Je nach Spielerzahl zwei bis vier Aktionen wählen (jeweil Karte ziehen oder ablegen)
  • Die Babys aufwecken und einen Kampf auslösen.
  • Eine Karte vom offen liegenden Ablagestapel aussuchen.

So einfach, wie es klingt, ist es auch. Aber: In der Praxis steckt mehr dahinter. Denn die Spieler müssen zunächst eine schlagkräftige Truppe zusammenstellen. Babs und Monster sind in Luft, Erde und Wasser aufgeteilt. Nur die passenden Elemente kämpfen gegeneinander. Also versuchen die Spieler, zumindest für ein Element eine starke Monsterarmee zu basteln. Das geht folgendermaßen:

  • Kopf auslegen,
  • beliebigen Körper anlegen,
  • ggf. Unterkörper ergänzen,
  • gefährliche Arme auslegen,
  • optional Werkzeug in die Hand drücken,
  • dem Monster einen der wenigen Hüte aufsetzen.

Dabei entstehen völlig bekloppte Viecher, die es in sich haben und zum Loslachen animieren.

Wie wäre es mit einem "'shark who is being piloted by a robo-squirrel' mit Fledermausflügel und Motorsägearm"? Oder einem "polar bear in business attire wearing spooky cat feet"? Ja, genau! Es gibt unfassbar viele komische Kombinationen. Hinzu kommen ein paar Aktions- und Zusatzkarten. Aber das ist Nebensache. Natürlich haben die Monster auch einen spielerischen Punktwert. Und jeder Spieler kann beliebig viele Mosterarmeen bauen. Wichtig ist nur eins: Der Kampf bei Bears vs. Babies.

"Provoke!" - der Kamp bei Bears vs. Babies

Ist das Kartenspiel bis hierher ein launiges Spaßspiel, kommt eine nicht zu unterschätzende Prise Taktik hinzu. Denn ruft ein Spieler die Babys in den Kampf, müssen (!) alle (!) Spieler ihre zum Element passenden Armeen in den Kampf schicken. Hat ein Spieler mehr Punkte als die Babys (und mehr als die anderen), gewinnt der Spieler alle Babykarten. Alle (!) Monster kommen auf den Ablagestapel. Gewinnen die Babys, wandern diese ebenfalls mit den Monstern auf den Stapel.

Also: Alle beteiligten Armeen kommen vom Tisch. Das ist ein nicht zu unterschätzender Punkt, denn Spieler können beispielsweise eine starke Armee eines Mitspielers gegen eine Babykarte ins Feld ziehen lassen und selbst mangels passender Armee unbeteiligt bleiben. Oder eine offenbar unterlegene Monsterarmee in die sichere Niederlage schicken. Oder zur Rettung der Punkte schnell einen Kampf initiieren, wenn viele Spieler eine Armee aufbauen, die der eigenen fast ebenbürtig ist. Hier wird aus einem Spaßspiel schnell ein lupenreines Ärgerspiel.

Noch ein Wort zu den namensgebenden Bären. Diese sind stärker als andere Monster. Allerdings haben sie einen gewaltigen Nachteil. Denn sie sind keiner Farbe (Element) zugeordnet und müssen in jeden Kampf ziehen. So wird aus einem gewaltigen Joker gleichzeitig ein anfälliger Riese, der mit Vorsicht auszulegen ist.

Die Wertung bei Bears vs. Babies

Am Ende des Spiels gewinnt der Spieler mit den meisten Punkten. Das Spiel ist vorbei, sobald die Nachziehstapel leer sind.

Lohnt sich das Kartenspiel Bears vs. Babies?

Öhm …? Ja! Bears vs. Babies ist ein lupenreines Fun- und Ärgerspiel. Die Illustrationen sind Garant für Spaß und der Mechanismus ist zwar einfach, erlaubt aber taktisches Spielen. Natürlich müssen die Spieler diese Art von Gesellschaftsspiel mögen. Angesprochen sind Zielgruppen, die zum Beispiel Munchkin mögen oder eben Exploding Kittens. Diese und ähnlich veranlagte Spielertypen werden mit diesem Kartenspiel einen Heidenspaß haben. Wer lieber griesgrämig auf Punkteoptimierung aus ist, sollte jedoch die Finger vom Spiel lassen.

Was mir besonders gut gefällt, ist die Kombination aus einem einfachen, aber akzeptablen Spielmechanismus und diesem einzigartigen Humor, der sich durch das ganze Produkt zieht. Von der Spielanleitung über die Karten und das Erklärvideo bis zur Verpackung (ein mit Fell bestückter Karton!) ist Bears vs. Babies ein in sich stimmiges, humorvolles und ansprechendes Produkt. Es ist deutlich zu erkennen, mit wie viel Liebe und Spaß die Macher dieses einfache, aber lustige Kartenspiel entworfen haben. Spielerisch geht Bears vs. Babys zudem deutlich über das Vorgängerspiel hinaus, ohne aber zu überfordern. Damit dürfte dieses Kartenspiel einerseits auch humorvollen "Vielspielern" entgegenkommen und andererseits Gelegenheitsspieler an den Spieltisch locken.

Am Schluss eine klare Kaufempfehlung für Spieler, die sich zur Zielgruppe zugehörig fühlen. Mit einer Einschränkung­: Die Spielanleitung gibt es derzeit nur auf Englisch. Allerdings sind die Spielregeln nicht zuletzt dank eines optionalen Erklärvideos leicht verständlich und auch ohne Expertenkenntnisse zu bewältigen. So oder so: Es lohnt sich.

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-5
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Fotos
Bears vs Babies - ein Polarbär-Monster- Foto von Reich der Spiele
Bears vs Babies - Die Bären - Foto von Reich der Spiele
Bears vs Babies - die Monsterköpfe - Foto von Reich der Spiele
Bears vs Babies - die Babys - Foto von Reich der Spiele
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