Behind

eine Spielerezension von Michael Weber - 30.09.2003
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Behind von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Ein ganz besonderes und eigenwilliges Sammelkartenspiel ist Behind. Fünf "Gesellschaften", Geheimbünde, kämpfen um die Macht: Vampire, Geister, Werwölfe, Tempelritter und die Schwestern. Jeder Spieler übernimmt ein Kartendeck, das sinnvollerweise nur aus einer Partei besteht. Dann gibt es ein paar Handkarten und schon kann es losgehen. Eben wie bei Sammelkartenspielen üblich.

Doch halt. Behind ist anders. Als einen ersten Unterschied gibt es verschiedenen Szenerien, die das Spiel abwechslungsreich gestalten und die Spieler dazu anhalten, eigene Siegbedingungen zu schaffen. Dann gibt es kein Kartenlimit, was das Zusammenstellen von Decks schwieriger macht, da man wichtige Karten in größeren Decks seltener zieht (die Anzahl je Kartenart ist natürlich schon begrenzt) und mit kleineren Decks auf viele gute Karten verzichten muss. Der Clou ist aber, dass jede Karte drei Eigenschaften hat, die genutzt werden können. Aber nicht nur das, die vom Spieler geführten Wesen werden als Plättchen auf den Tisch gelegt und in Tabletop-Manier bewegt. Erst wenn man in entsprechender Reichweite ist, kann man kämpfen.

Die drei Eigenschaften der Karten steuern das Spiel. Sie geben eine Bewegungsweite an, mit der Figuren auf dem Tisch bewegt werden können. Sie geben aber auch eine Schicksalszahl an, die im Prinzip einen Würfel ersetzt und während des Spiels unter anderem in Kämpfen zum Einsatz kommt. Als drittes haben alle Karten noch spezielle Eigenschaften, wie man es von anderen Sammelkartenspielen kennt. Einige sind Orte, die dem Spieler Vorteile bringen, es gibt Ereignisse, Ausrüstungen und Waffen. Und natürlich die Hauptfiguren. Starke Karten haben kleine Schicksalszahlen und wenig Bewegungsweite, bei schwachen Karten ist es umgekehrt, sodass der Deckbau dadurch zusätzlich erschwert wird. Natürlich haben alle Gesellschaften eigene Karten, nur einige können von zwei sich nahe stehenden Gesellschaften verwendet werden.

Die Hauptfiguren werden vor dem Spiel so ausgewählt, dass jeder Spieler in der Summe etwa eine gleich starke Gruppe führt. Da können schon mal zwei starke Geister gegen eine ganze Truppe von Schwestern kämpfen. Das Prinzip ist ähnlich dem, das die meisten Tabletop-Spiele nutzen. Jede Figur hat Charakterpunkte. Je mehr, desto stärker die Figur. Diese Punkte werden verglichen.

Die fünf verschiedenen Gesellschaften haben jeweils eigene (übersinnliche) Fähigkeiten, die neben Stärke (Schaden austeilen), Geschick (Fernkampf) und Widerstand (Schaden hinnehmen) für das Spiel wichtig sind. Die Geister sind häufig körperlos (schweben durch Hindernisse) und verbreiten Schrecken, die Werwölfe haben Wandlerfähigkeiten oder können regenerieren. Die Vampire können häufig ebenfalls regenerieren und haben mitunter die Gabe des Befehls. Mut, Glaube und Bündnis helfen den Tempelrittern im Kampf, die Schwestern verstehen sich gut auf die Bündnisfähigkeit und Hellsicht.

Behind ist ein sehr schönes und spannendes Sammelkartenspiel. Die kleinen eigenwilligen Mechanismen sind zwar alle nicht neu, in der Kombination aber ein frischer Ansatz. Es macht einfach Spaß, dieses neue Spiel auszuprobieren, es wieder hervorzuholen und immer neue interessante Kartenkombinationen zu finden. Es ist mehr als ein Sammelkartenspiel, es ist das Bindeglied zwischen Tabletop- und Sammelkartensystemen. Die düstere, aber sehr ansprechende Atmosphäre wird mit passenden Grafiken unterstützt.

Zwar kommt man um die Sammelwut mit den angebotenen Boostern auf Dauer kaum herum, aber dieses Spiel ist bereits mit den vorkonstruierten Starterdecks sehr schön spielbar. Dort fehlen allerdings einige, zum Teil mächtige Figuren.

Ein einziges Manko hat Behind. Es spielt sich zwar schön, frisst aber je nach Szenario sehr viel Zeit. Wenn die Spieler etwa gleich starke Decks haben und das Kartenglück ausgewogen ist, kann sich das Geplänkel um die Vorherrschaft der Gruppen schon mal über zwei oder drei Stunden ziehen. Das ist leider viel zu lang.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spielerzahl: 
2
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14
Jahrgang: 
2003
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielegattung: 
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