Benimm ist in!

eine Spielerezension von Armando Schmidt - 31.12.2006
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Benimm ist in! von
Lesezeit: ca. 3 Minuten

In dem Vorwort der Spielanleitung steht, dass laut einer Umfrage Eltern vor allem daran interessiert sind, dass Kinder sich gut benehmen. Man könnte also davon ausgehen, dass die ganze Welt nur auf dieses Spiel gewartet hat, bei welchem die Kleinen die wichtigsten "Benimm-Regeln" spielerisch erlernen können.

So gilt es, als erstes würfelnd einen Rundkurs zu bewältigen. Dabei kann man als Spieler auf drei verschiedenfarbigen Feldern landen. Auf die hellblauen Felder, auf denen gar nichts passiert. Die roten, auf denen der Spieler gestellte Lebenssituationen nachspielen muss. Dabei kommt es laut Anleitung darauf an, dass "Sich der Spieler so verhält, wie es den üblichen Verhaltensweisen des gesellschaftlichen Umgangs entspricht" – hört, hört! Nun gut, es fehlen noch die dunkelblauen Felder. Immer wenn man auf solch einem landet, wird dem Spieler eine Frage von einer Fragekarte vorgelesen, als Antwort kann der Spieler nun aus drei vorgegebenen die Richtige auswählen.

Stellvertretend für die insgesamt 220 Fragen hier nun eine als Beispiel: "Du isst in der Pause einen Schokoriegel. Was machst Du mit dem Papier?" Und nun die drei möglichen Antworten: "1. Du wirfst es auf den Boden. 2. Du wirfst das Papier in einen Abfalleimer. 3. Du knüllst das Papier zusammen und wirfst es einem Mitspieler an den Kopf." Hm, ist es schwierig, die richtige Antwort herauszubekommen? Ähnlich gestaltet sich auch der Rest der Fragen. Hat man die korrekte Antwort gewählt, darf man stehen bleiben, bei falscher Wahl muss man drei Felder zurück.

Soweit der eigentliche Spielablauf. Wenn man sich diesen nun vor Augen hält und das Niveau der Fragen betrachtet, so wird schnell deutlich, dass die Altersangabe des Herstellers viel zu hoch angesetzt wurde. Achtjährige und ältere Kinder empfanden die gestellten Fragen teilweise als lächerlich, und selbst Kinder im Kindergartenalter haben in den Spielrunden keinerlei Probleme, die immer offensichtlich korrekte Antwort auszuwählen. Dieser Umstand ließe sich noch verschmerzen, viel gravierender ist die Tatsache, dass das Spiel den Kindern einfach keinen Spaß bereitet. Das langweilige Würfeln um den Parcours und das stupide Auswählen der, selbst für Kleinkinder, offensichtlich richtigen Antworten verbreiten kaum Spielatmosphäre. Selbst die sieben auf den roten Feldern nachzuspielenden Lebenssituationen verlieren nach der ersten Spielrunde jeglichen Spielreiz. Und trotz mehrerer Spielrunden mit wechselnden Mitspielern war keines der Kinder bereit, das Spiel ein zweites Mal zu spielen.

Als Lernspiel den Kindern spielerisch die richtigen Benimm-Regeln beizubringen, ist das vermeintliche Ziel dieses Spiels, und dieser Anspruch kann so nur bedingt erfüllt werden. Aus diesem Grunde kann dieses Spiel auch nur den Eltern empfohlen werden, die durch den Kauf dieses Spiels ihrem eigenen Gewissen was Gutes tun wollen, ob jedoch der Nachwuchs eine Freude an diesem Spiel hat, darf getrost bezweifelt werden.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
40
Jahrgang: 
2006
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