Blackout: Hong Kong

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 03.07.2019
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Blackout: Hong Kong - Ausschnitt - Foto von eggertspiele
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Spielen bildet. Und so lernen wir bei Blackout: Hong Kong (eggertspiele), dass elektrischer Strom nicht einfach so quasi automatisch aus der Steckdose  kommt, sondern tatsächlich produziert und weitergeleitet werden muss. Und da kann bekanntlich vieles schieflaufen

Das scheint jedenfalls in Hong Kong passiert zu sein, begrüßt uns doch das neuste Werk von Alexander Pfister mit weitreichender Dunkelheit und Schwärze auf der Schachtel und später auch auf dem Spielbrett. Zudem muss man wissen, dass Pfister der Schöpfer so grandioser Strategieknüller wie Mombasa oder Great Western Trail ist - eine einfache Lösung wird es also nicht geben und das ist auch gut so.

Wie funktioniert das Brettspiel Blackout: Hongkong

Wir finden uns also im morgendlichen Chaos von Hong Kong wieder, wo über Nacht die Kraftwerksgeneratoren der ganzen Stadt ausgefallen sind und nicht sofort wieder hochgefahren werden können. Überall fehlt also der Strom und es herrscht absolute Dunkelheit  und große Gefahr. Wir Spieler erhalten daher den dringenden Auftrag, sofort alles Nötige einzuleiten, um rasch wieder zu halbwegs geordneten Zuständen zurückkehren zu können. Dazu dient uns für den Anfang ein identischer Satz von je zwölf Karten mit ersten Helfern, die gleich einsetzbar sind, allerdings nicht viel taugen und daher bei nächster Gelegenheit durch fähigere Kräfte abgelöst werden sollten.

Der eigentliche Ablauf von Blackout: Hong Kong verläuft in mehreren Runden zu je acht Phasen, die reihum durchgespielt und abgewickelt werden. Zu Beginn jeder Runde wählen wir aus unserer Hand drei Helferkarten aus und legen diese in sog. Slots auf unser Spielertableau. Dieser Vorgang ist aus Mombasa übernommen, bestens bewährt und bildet auch bei Blackout: Hong Kong das zentrale Planungs- und Aktionselement im Spiel. Und auch das ist gut so.

Blackout: Hong Kong - Material - Foto von eggertspiele

In bekannter (Dominion-) Manier werden nämlich die im Spiel gebliebenen Handkarten in einem ständigen (Deckbau-) Zyklus laufend wieder aufgenommen. Je stärker und schlanker also unser Deck ist, desto besser für uns und unseren Helferdrang. Andererseits ist dieses Optimum nur schwer zu erreichen, gibt es doch haufenweise unterschiedliche Karten und Plättchen mit vielfältigen Abhängigkeiten und alles ist am Anfang nur schwer überblickbar und könnte vielerorts auf dem großen Spielbrett in der Tischmitte oder den einzelnen Tableaus der Spieler eingesetzt werden.

Lohnt sich das Brettspiel Blackout: Hongkong?

Das alles kontrastiert allerdings in eindrücklicher Weise mit den relativ einfachen und transparenten Abläufen im Spiel. Alle acht Phasen der jeweiligen Runden sind auf den Tableaus der Spieler aufgezeichnet und kurz umschrieben. Und so wissen eigentlich alle stets, wo im Ablauf von Blackout: Hong Kong sie gerade stehen. Andererseits gilt das nicht zugleich auch für das unmittelbare Umfeld der Spieler in der Riesenstadt, das zuerst erkundet und erschlossen werden muss.

Die dazu erforderlichen Aktionen sind thematisch gut mit dem Szenario des morgendlichen Blackouts in Hong Kong verknüpft: Helfer werden rekrutiert und losgeschickt, die Stadt muss Bezirk für Bezirk gesichert werden, es gib viel aufzuräumen und anschliessend bereitet man sich bereits wieder für weitere Einsätze in der nächsten Runde vor.

Das eigentliche Problem und die Herausforderung von Blackout: Hong Kong ist dabei, die gewünschten und/oder benötigten Konstellationen von Karten, Plättchen sowie Aktionen im Spiel zu planen und herbeizuführen. Das gilt insbesondere für die Vielzahl unterschiedlicher Plättchen, Kartentypen und Symbole für die diversen Funktionen und Phasen im Spiel. Immerhin ist das alles relativ rasch erlern- und überblickbar und daher im späteren Verlauf der Partie kaum noch eine Hürde, soweit man das bei solch einem Spielekracher überhaupt meinen und sagen kann.

Eine wichtige und schwierige Rolle spielen dabei die Slots, in die zu Beginn jeder Runde Handkarten abgelegt werden. Beim Erreichen einer bestimmten Anzahl Restkarten auf der Hand darf bzw. muss der Slot mit den meisten Karten nämlich geleert werden und diese werden wieder aufgenommen. Unglücklicher- (oder reizvoller-?!) weise ist aber genau das nicht immer erwünscht, sind doch gewisse Vorteile im Spiel mit einer bestimmten Kartenauswahl in einem der Slots verknüpft. Muss dieser daher zur Unzeit geleert werden (was grundsätzlich steuer- und vermeidbar wäre …), muss neu Anlauf genommen werden, um den angestrebten Vorteil vielleicht später doch noch erhalten zu können.

Kennerspiel Blackout: Hong Kong - Foto von eggertspieleAnaloges gilt für das Handling der Spielkarten. Wenn beispielsweise einzelne, noch im Finstern gelegene Bezirke erkundet werden wollen, verletzt sich regelmässig einer der daran beteiligten Helfer, wobei die entsprechende Karte zufällig ausgewählt wird und anschließend im Spital landet. Die Helfer der ersten Stunde taugen bekanntlich nicht sehr viel und wären daher geeignete Kandidaten, da ihr Ausfall sogar erwünscht wäre, um eine schlankere Kartenhand zu erhalten (Dominion lässt erneut von Ferne grüssen). Allerdings muss der losgeschickte Helfertrupp gewisse Mindestanforderungen erfüllen, um den Bezirk dann auch tatsächlich sichern und die Belohnung einkassieren zu können. Und dazu braucht es dann plötzlich doch wieder viele oder aber stärkere Helferkarten (die man lieber nicht riskieren möchte), die dann im gegebenen Zeitpunkt gerade nicht in einem der Slots oder aber im Spital liegen dürfen.

All die unterschiedlichen Knacknüsse von Blackout: Hong Kong zu meistern, ist eine echte Herausforderung, die aber entsprechend viel Spaß bereitet und durchaus erlernbar ist. Zwar bleibt das Ganze möglicherweise etwas weniger anschaulich als beispielsweise bei Great Western Trail . Dennoch reiht sich Blackout: Hong Kong nahtlos in die Reihe anderer hochkarätiger Knaller wie Agricola, Tzolk'in, Bora Bora oder Caverna ein. Zudem verfügt es über einen zusätzlichen Kampagnenmodus, der ideal für Spieler ist, die gerne Legacy-mäßig oder aber solo loslegen wollen. Und da kann dann eigentlich endgültig nichts mehr an Blackout: Hong Kong rumgemäkelt werden, das wird rasch einmal klar!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
12
Spieldauer (Minuten): 
75-150
Jahrgang: 
2018
Spielkategorisierung
Fotos
Blackout: Hong Kong - Material - Foto von eggertspiele
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