Brick Party

eine Spielerezension von Bettina Ihnst - 09.02.2016
  Spiel bewerten Spiel kaufen kommentieren
Brick Party - Foto von Heidelberger Spieleverlag

Wenn Bauherren und Architekten zusammenarbeiten und ein Bauwerk am Ende etwas anders aussieht als geplant, ist das zuweilen eine sehr unangenehme Situation. Oft kommt es hierbei zu der Erkenntnis, mit diesem Partner nie wieder gemeinsam bauen zu wollen. Für alle Unbeteiligten, die selbst meist nicht besser sind im Bauen und Planen, bietet sich an dieser Stelle gute Unterhaltung. Genau so ist es beim Kinder- und Familienspiel Brick Party.   

So wird Brick Party gespielt

Ausgehend vom Startspieler werden reihum die einzelnen Spielpartner gewählt. Da in jeder Runde der Startspieler wechselt, ergeben sich hier immer wieder neue, interessante und manchmal sogar brisante Teamkombinationen. Ein Team besteht aus einem Baumeister, der (natürlich!) baut, und einem Architekten, der (wer hätte es gedacht) erklärt. In jeder Spielrunde gibt eine Regelkarte vor, mit welchem Handycap, also welcher Farb-, Kommunikations- oder Baueinschränkung, gespielt wird.

Die Bauphase beginnt für alle Teams gleichzeitig. Dadurch sind stets alle Spieler ins Spiel eingebunden und die Wartezeit ist insgesamt gering. Nun müssen die Architekten anhand der zuvor verdeckt ausgewählten Formkarten richtig erkennen und gut erklären, was ihre Baumeister mit den verschiedenen Bausteinen zu einer fünf- bis achtteiligen Figur zusammenstecken sollen. Sobald das erste Team glaubt, fertig zu sein, wird die Sanduhr umgedreht. Alle übrigen Teams haben noch 30 Sekunden Zeit, ihre Bauwerke ebenfalls zu vollenden.

Jetzt erfolgt die Bauabnahme. Wenn fehlerfrei gebaut wurde, werden Punkte entsprechend des Schwierigkeitsgrades der Formkarte verteilt. Das schnellste Team wird zusätzlich mit dem Punktewert der Regelkarte belohnt. Die Punkteverteilung innerhalb der Teams ist dabei geschickt gelöst. Der Architekt erhält die Formkarte und gegebenenfalls die Regelkarte, der Baumeister nimmt sich eine gleichwertige Karte vom Vorratsstapel.

Es wird solange gespielt, bis jeder einmal Startspieler war und mit der Wahl seines Teampartners beginnen durfte. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Wie gut ist das Partyspiel Brick Party?

In drei Dingen unterscheidet sich Brick Party von Luca Bellini (Post Scriptum/Heidelberger Spieleverlag) grundlegend von anderen Bauspielen. Zum einen ist es der Mechanismus der Teamfindung. Der Ablauf erinnert ein bisschen an die Zusammenstellung der Mannschaften früher im Schulsport, verläuft aber weniger demütigend. Zum anderen ist es die Komplexität der Formkarten, die zwar die Silhouette und Anzahl, nicht aber die genaue Position und Art der benötigten Steine vorgeben. Vor allem aber sind es die Lego-ähnlichen Plastiksteine, die für sich schon einen enormen Aufforderungscharakter haben. Kaum hat man die Spielschachtel geöffnet, greifen schon alle Anwesenden nach den bunten Steinen. Die Spielregel ist in wenigen Sätzen erklärt, und selbst Spielemuffel kann man mit Brick Party begeistern.

Brick Party spielt sich kurzweilig und unterhaltsam und ist für alle, die ein unkompliziertes Partyspiel für vier bis neun Spieler ab acht (!) Jahren suchen, eine absolute Empfehlung. Die schon erwähnten Bausteine kommen nicht ganz an die Qualität der Steine der großen Marke heran. Hin und wieder lassen sie sich nicht auf Anhieb exakt miteinander verbinden. Das stört hier allerdings nicht, sondern garantiert den besonderen Nervenkitzel.

Das einzige, was ich an Brick Party schließlich zu bemängeln habe, ist die sogenannte Family-Regel. Mit einer etwas vereinfachten Spielvariante für zwei bis vier Spieler wird Brick Party für Kinder ab fünf Jahren empfohlen. Das vermittelt aber eine völlig falsche Zielgruppe, denn als Familienspiel für diese Altersstufe funktioniert Brick Party einfach nicht. Anders als zum Beispiel beim Spiel Make 'n' Break geben hier die Formkarten nur die Umrisse der kompletten Figur vor. Zu erkennen, welche Teile da an welche Position gehören, ist aber eine Herausforderung. Diese können die Vorschulkinder ohne Unterstützung jedoch noch nicht bewältigen. Ich habe Brick Party im Kindergarten ausprobiert und der Spielspaß war bei den Kindern gering bis gar nicht vorhanden. Auch wenn das räumliche Vorstellungsvermögen bei etwas älteren Kindern schon ausgeprägter ist, haben sie im zeitlichen Wettbewerb gegen Erwachsene dennoch meist deutliche Nachteile. Als reines Familienspiel rate ich daher von Brick Party ab. Für sich betrachtet als Partyspiel ist Brick Party jedoch eine Perle, die jede Spielesammlung bereichern kann.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-9
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
5
Spieldauer (Minuten): 
15-30
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
Mehr zum Spiel
Brettspiele-Newsletter von Reich der Spiele abonnieren