Bummelbahn

eine Spielerezension von Verena Segert - 19.05.2018
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Bummelbahn - Foto von Lookout Spiele
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Ob Zug um Zug, Russian Railroads oder First Class – Eisenbahnspiele haben viele Fans. So versucht auch das kompakte Spiel Bummelbahn (Lookout Spiele) von Dan Keltner und Seth Jaffee auf den thematischen Zug mit aufzuspringen und zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren zu begeistern. Und das mit gerade einmal sechzig Spielkarten als gesamtes Spielmaterial. Das sich dahinter mehr als ein leichtes Kartenspiel verbirgt, zeigt sich unter anderem in der angegebenen Spieldauer von dreißig bis sechzig Minuten.

Wie wird Bummelbahn gespielt?

Zu Beginn des Spiels erhält jeder Spieler eine Startlok, die er offen vor sich auslegt, sowie fünf Handkarten. In der Tischmitte wird aus den Auftragskarten eine Landkarte gebildet, die insgesamt sechs Erstaufträge zeigt. Ziel des Spiels ist es nun, durch den Ausbau des eigenen Zuges und das Erfüllen von Aufträgen die meisten Punkte zu erhalten.
Wer an der Reihe ist, hat jeweils zwei Aktionen zur Auswahl. Dabei ist es immer auch möglich, die gleiche Aktion zwei Mal auszuführen. Zur Wahl stehen:

  • Karte ziehen: Der aktive Spieler zieht eine Handkarte nach.
  • Bauen: Eine Handkarte wird als Gebäude neben den Zug oder als Wagen an den eigenen Zug angelegt. Die Baukosten werden mit der Ablage von Handkarten bezahlt.
  • Laden: Der aktive Spieler kann mit einer Handkarte seinen oder den Zug eines anderen Mitspielers beladen.
  • Zuliefern: Der aktive Spieler legt Frachtkarten aus dem eigenen Zug ab, um damit Aufträge zu erfüllen.

Durch geschicktes Kombinieren der möglichen Aktionen versuchen die Spieler im Laufe des Spieles ihren Zug immer weiter auszubauen, diesen mit Waren zu beladen und dadurch Aufträge zu erfüllen. Sobald von den Spielern keine Karten mehr nachgezogen werden können oder eine bestimmte Anzahl von Aufträgen erfüllt wurde, wird die letzte Runde eingeläutet. Anschließend zählen die Spieler ihre Siegpunkte zusammen, welche sich aus der Länge des eigenen Zuges, den erfüllten Aufträgen, den eigenen Gebäuden und geladener Fracht zusammensetzen. Wer die meisten Siegpunkte hat, gewinnt das Spiel.

Bummelbahn setzt alles auf eine Karte

Da es sich bei Bummelbahn um ein reines Kartenspiel handelt, können die Handkarten in mehreren Funktionen verwendet werden. So dienen sie zum einen als Loks, Waggons oder Gebäude, zum anderen aber eben auch als Fracht, die in die Waggons geladen werden kann. Die einzelnen Karten, die übliche Spielkartengröße haben, beinhalten daher so einiges an Informationen. Neben den Baukosten und Siegpunkten befinden sich die Frachtkapazität, die benötigte Fracht, der Ladebonus, die Frachtart, Gewicht und der Kartenname auf einer Spielkarte. In der Anleitung ist somit nicht ohne Grund eine Kartenübersicht abgedruckt, die einige der Karten näher erläutert. Zu guter Letzt werden die Handkarten auch noch als Zahlmittel eingesetzt. Hierbei ist es ganz gleich, was die Symbole zeigen, jede Karte hat den Wert Eins.

Helfen wird belohnt

Eine weitere Besonderheit bei Bummelbahn sind die Züge der Mitspieler. Denn wer an der Reihe ist, kann nicht nur für sich selbst sorgen, sondern auch die Waggons von anderen beladen und dadurch einen Bonus erhalten. Diesen gibt es nämlich nur, wenn der aktive Spieler Fracht in einen fremden Zug lädt. So kann der aktive Spieler eine weitere Aktion erhalten oder an neue Handkarten kommen. Wer also die Züge der Mitspieler im Blick behält und nicht einfach nur vor sich hin spielt, hat bei Bummelbahn eindeutig die besseren Chancen.

Bummelbahn – großes Spiel in kleiner Verpackung

Bummelbahn ist ein Kartenspiel, dass von den Spielmechanismen und der Spieldauer eher an ein Brettspiel erinnert. Obgleich die Größe der Verpackung und vor allem die zauberhafte Grafik an ein Spiel für die ganze Familie erinnern, deutet das empfohlene Alter ab zehn Jahren darauf hin, dass es kein ganz leichtes Spiel ist. So ist auch die Anleitung recht umfangreich, glücklicherweise aber durch viele Grafiken sehr anschaulich gestaltet. Hilfreich sind dabei vor allem die Erläuterung des Kartenaufbaus sowie die Kartenübersicht. Das Spielprinzip und die Regeln sind recht schnell zu erlernen, schwieriger ist es da mit dem Erkennen der einzelnen Symbole. Die Handkarten sind mit Informationen überladen und so fällt es vor allem in den ersten Runden schwer, alles im Blick zu behalten. Ungewohnt ist dabei auch die Anordnung der Symbole auf den Handkarten. Wer diese aufgefächert in der Hand halten möchte, übersieht schnell eine Information. Leichter ist es da, die Karten immer wieder durchzublättern. Da es zudem wichtig ist, die Züge der Mitspieler im Blick zu behalten, hätten einige Symbole wirklich größer abgedruckt werden können. Bereits an einem normalen Küchentisch mit vier Spielern ist es fast unmöglich, zu erkennen, welche Fracht in welchen Waggon gehört. Das drückt leider hier und da die Freude am Spiel und ist sehr schade, denn das Spielprinzip an sich ist toll. Oftmals hat es mehr Vorteile, einen Zug der Mitspieler zu beladen, obwohl diese auch davon profitieren. So wägen alle immer wieder ab, was sinnvoller ist und der Ausgang des Spiels bleibt bis zum Schluss offen.

Auch in unseren Testrunden hat das Spielprinzip überzeugt. Vor allem zu viert kommt die Bummelbahn richtig in Fahrt. Zu zweit macht es auch Spaß, allerdings wurden bei uns dort weniger die Waggons des Mitspielers genutzt, als bei voller Besetzung. Was Bummelbahn aber eindeutig fehlt, sind acht weitere Karten. Denn eine Übersicht für jeden Spieler mit den möglichen Aktionen und eine mit dem Spielkartenaufbau bzw. eine Symbolübersicht hätten so manches Ärgernis verhindert. So musste bei uns immer wieder die Anleitung zu Rate gezogen, um Unklarheiten zu beseitigen.
Gut zu wissen ist außerdem, dass sich in der deutschen Anleitung ein Fehler eingeschlichen hat. Dort fehlt die Passage, dass es ein Handkartenlimit gibt. Nach den beiden möglichen Aktionen, muss der aktive Spieler seine Kartenhand auf fünf Karten reduzieren. Durch diese Regel wird das Beladen der Waggons der Mitspieler noch wichtiger und vor allem im Spiel zu viert ist dadurch der Kartenstapel nicht so schnell aufgebraucht.

Alles in allem ist Bummelbahn ein spannendes Kartenspiel, dass sich vor allem an Gelegenheitsspieler und alle die richtet, die große Spiele in kleiner Packung für unterwegs suchen. Fans von Eisenbahnspielen kommen um Bummelbahn sicher nicht herum, denn alleine die Namen der Karten lassen Eisenbahnerherzen höher schlagen. Wer wollte nicht schon immer mal einen Trichterschütter, Knickkesselwagen oder Superkesselwagen in der Hand halten? Und alle anderen, die auf der Suche nach einem taktischen Spiel für die Jackentasche sind, sollten auf Bummelbahn einen Blick werfen, denn für etwa zwölf Euro kann man so viel nicht verkehrt machen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30-60
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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Kommentare

Hallo Verena,

deine Rezension gefällt mir sehr gut. Der Hinweis der Regelaktualisierung auf der Herstellerseite bezüglich max. 5 Handkarten ist sehr wichtig. Unser erstes Testspiel endete wegen des aufgebrauchten Nachziehkartenstapels, weil sich alle Spieler mit Handkarten vollgesaugt hatten. 

In unserem Kartendeck war auch noch ein Druckfehler beim Trichterschütter mit einem falschen Frachtsymbol.