Cacao

eine Spielerezension von Ralf Schallert - 17.09.2015
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Legespiel Cacao - Foto von Abacusspiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Geht es um gute Legespiele fällt sofort als Beispiel ein Name: Carcassonne. Der Platzhirsch machte bei seiner Erscheinung alles richtig. Einfache und zugängliche Regeln, eingängige Spielmechanik, hohe Interaktion und abhängig von der Anzahl der Mitspieler eine moderate Spielzeit. Zudem hat der Verlag immer neue Erweiterungen in die Spur geschickt, um das Interesse der Fans hoch zu halten und gleichzeitig für Abwechslung zu sorgen. Seitdem haben viele Legespiele versucht am Thron des Genre-Primus zu sägen, sind aber letztendlich doch an den unterschiedlichsten Punkten gescheitert. Nun unternimmt also Abacusspiele mit dem vorliegenden Cacao von Phil Walker Harding auch einen Versuch Legespiel und Worker-Placement zu verbinden.

Wie wird Cacao gespielt?

Die Spieler finden sich als Stammeshäuptlinge im Urwald wieder und versuchen dort ein geschicktes Händchen beim Anbau und dem Handel mit Kakao zu beweisen. Das soll ihrem Stamm größeren Wohlstand und damit auch den größten Ruhm einbringen.

Bei jedem neuen Spiel entwickelt sich das Spielfeld, ausgehend von zwei zufällig gezogenen Landschaftsplättchen, völlig anders. Dabei bilden die neutralen bzw. von jedem Stamm nutzbaren Landschaftsplättchen zum einen und die stammesabhängigen Völkerplättchen zum anderen ein Art Schachbrettmuster. Jeder Stamm startet mit einer identischen Anzahl an Arbeiterplättchen auf denen insgesamt vier Arbeiter abgebildet sind. Der besondere Kniff dabei ist die Verteilung der Arbeiter an den Seitenkanten der jeweiligen Plättchen. Diese reicht in vier verschiedenen Varianten von einem einfachen 1-1-1-1 bis hin zu einem 3-0-0-1. Jeder der Spieler hat drei verdeckt gezogene Völkerplättchen auf der Hand. Sein jeweiliger  Spielzug besteht nun darin, eines dieser Völkerplättchen seitlich zu einem bereits ausliegenden Landschaftsplättchen anzulegen und anschließend die sich daraus ergebende Aktion so oft zu nutzen, wie Arbeiter an dieser Seitenkante abgebildet sind. So können die Spieler selbst festlegen, welche Landschaftsplättchen-Aktion ihnen wie viel wert ist. Entsteht durch diese Lege-Aktion eine Landschaftsplättchen-Lücke an welche zwei Völkerplättchen seitlich angrenzen, so kann der Spieler eines von zwei offenen ausliegenden Landschaftsplättchen auswählen und dort anlegen. Die sich daraus resultierenden Aktionen werden sofort ausgeführt. Das betrifft auch konkurrierende Spieler deren Völkerplattchen schon vorab dort lag. Anschließend ist der nächste Spieler an der Reihe. Das Spiel endet nach der Runde in welcher alle Spieler ihre letzten Völkerplättchen gelegt haben.

Durch die verschiedenen Arten von Landschaftsplättchen wie Kakao-Plantagen, Händler, Goldminen, Wasserlöcher, um die Pflanzungen bewässern zu können, Kultstätten, um Sonnensteine zu erhalten, und Tempel, die bei Mehrheiten Siegpunkte generieren, sowie andere Faktoren wie z. B. der Begrenzung des Lagerraumes von Kakao und Sonnensteinen wird eine strategische Planung unabdingbar. Wie viele Arbeiter sollen wofür sinnvoll eingesetzt werden? Kann man in einem Spielzug idealerweise Doppelaktionen (wie z. B. Kakao ernten und gleich weiter verkaufen) ausführen? Liegt in der offenen Auslage für Landschaftsplättchen eines dessen Aktion man aktuell sehr gut gebrauchen könnte? Diese Fragen bewegen die Spieler des Spieles permanent. Zudem muss ständig abgewogen werden, für welche Aktionen man die meisten Arbeiter in den Urwald schickt und wie groß die Steilvorlage für den nachfolgenden Spieler durch ein gelegtes Landschaftsplättchen sein darf.

Wie gut ist das Legespiel Cacao?

Cacao kommt auf den ersten Blick zwar etwas bieder daher, offenbart aber schnell seine Stärken. Die grundlegenden Regeln sind recht einfach und die Zusammenhänge erschließen sich problemlos. Das Spiel setzt auf einen hohen Interaktionsgrad und eine geringe Downtime, denn die Landschaft und damit die Voraussetzungen für den nächsten eigenen Zug ändern sich kontinuierlich. Auch während die anderen Spieler ihre Züge ausführen, kann man eventuell von einem zusätzlichen und heimlich erhofften warmen Material- oder Geldregen profitieren. Eine sichere Siegstrategie gibt es jedoch nicht, man sollte sich zudem wie bei anderen Workler-Placement Spielen auch hüten, auf zu vielen Hochzeiten tanzen zu wollen.

Natürlich ist Cacao viel mehr Familien- als knallhartes Strategiespiel und so benötigen die Spieler unabhängig von einem gewissen Maß an Planung auch eine Portion Glück, um erfolgreich zu sein. Selbst dann, wenn es keine Sackgassen gibt, in die man sich manövrieren kann. Zudem ist die Spielzeit so angenehm kurz, dass man die Mitspieler durchaus zu einer Revanchepartie auffordern kann.

Zwei kleinere Wermutstropfen trüben jedoch den so guten Gesamteindruck. Zum einen ist das Kunststoff-Inlay für das beiliegende Material nicht wirklich zu gebrauchen. Zum anderen muss nach etlichen Partien die auf lange Dauer fehlende Abwechslung bemängelt werden. Hier sollten sich die Spieler allerdings vor Augen halten, dass Cacao ein Grundprodukt darstellt, welches bei entsprechendem Erfolg hoffentlich nicht nur durch die schon angekündigten kleineren Erweiterungen weiter verbessert wird.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8-
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielegattung: 
Fotos
Legespiel Cacao - Spielmaterial von Rot - Foto von Abacusspiele
Legespiel Cacao - weitere Plättchen - Foto von Abacusspiele
Mehr zum Spiel

Kommentare

Dieses Spiel hat sich schnell als Lieblingsspiel meiner Kinder herausgestellt.

Kein Wochenende ohne Cacao. :-)

Es gibt ganz einfache Gründe:

  • es sind ganz einfache Regeln
  • das Spiel ist schnell erklärt
  • und es ist auch schnell gespielt.

Vom Gefühl her spielt es sich wie Carcassone, es hat aber auch andere neue Elemente.

Als erfahrener Spieler fantasiert man schon was noch kommt und man freut sich auf die

"Erweiterungen" die bestimmt auch nicht lange auf sich warten lassen werden.

 

Für meine Kinder ist das egal, da Cacao so wie es ist einfach toll ist.

„Cacao stellt ein Grundprojekt dar“. Da habe ich doch gleich nochmal auf den Karton geschaut und kann dahingehend nichts finden. Auch die Werbung spricht nicht von Grundprojekt CACAO. Schade, ich habe geglaubt, ein vollständiges Spiel erworben zu haben. Jetzt weiß ich doch leider nicht, wie hoch die Kosten eigentlich sein werden, bis CACAO irgendwann vollständig ist. 

 

Nur bei Time Stories ist klar, wie viel dem Kunden zukünftig abverlangt wird. Da macht es doch mehr Spaß, Lotterie zu spielen, denn da kann man wenigstens rein theoretisch sogar etwas gewinnen.

 

Offensichtlich scheint inzwischen jede Veröffentlichung ein Grundprojekt zu sein. Wenn man Holz und Steine produzieren kann, warum dann keine Bronze-, Silber- oder Golderweiterung. Aus Brettspielen werden Kartenspiele, aus Kartenspielen Würfelspiele usw.

 

Autoren und Verlage scheinen mit diesen Unsinnsveröffentlichungen so beansprucht zu sein, dass in den letzten beiden Jahren kaum noch ein halbwegs innovatives Spiel das Licht der Sonne erblickt hätte (Satz wurde lichterweitert ohne informatorischen Mehrwert).

 

So auch meine letzte Erweiterung zu Flash Point. Etwas mehr Abwechslung, komplizierte Zusatzregeln und null spielerischer Mehrwert.

 

Fazit: Ich hasse Grundprojekte, keine Vorbestellungen mehr und mit dem Kauf eines „neuen Spiels“ erst einmal eineinhalb Jahre warten.

 

 

Hallo Werner,

vielleicht habe ich mich etwas mißverständlich ausgedrückt. Cacao ist ein gutes und für manche Spielrunden (Familienspieler) sehr gutes Spiel das ausgezeichnet funktioniert so wie es ist.

Für Vielspieler die alle Varianten austesten wollen wird aus diesem hingegen schnell die Luft der Abwechslung heraus sein.

Das Spiel bietet jedoch noch viele Möglichkeiten zusätzliche Module anzudocken mit denen man dann spielen kann jedoch nicht muss. Eine kleine Erweiterung ist z.B. auf der Messe in Essen 2015 erschienen. Ob es weitere Erweiterungen gibt wird der Verlag und der Autor entscheiden, ob sie diese kaufen und nutzen entscheiden letztendlich aber die Spieler!