Citadels

eine Spielerezension von Axel Bungart - 04.08.2017
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Kartenspiel Citadels - Foto von Hans im Glück

Das Kartenspiel Ohne Furcht und Adel von Bruno Faidutti erschien im Jahr 2000 und hat mittlerweile ja schon eine kleine Historie, wenn man an die Erweiterungen Die dunklen Lande (2008) und die Neuauflage inklusive der Aktionskarten (2012, alle Hans im Glück) denkt.

Nun hat Hans im Glück eine Neuauflage herausgebracht, die nicht nur alle bisher erschienenen Versionen bzw. Erweiterungen vereint sondern noch eine dritte, Die Dunklen Gestalten, hinzufügt. Alles zusammen nennt sich jetzt Citadels.

Was ist neu an Citadels?

Es gibt neun neue Charaktere, die es teilweise faustdick hinter den Ohren haben. Von Enteignung eines Mitspielers über Goldraub und Zwangs-Gebäudeverkauf ist alles dabei, was das Spiel noch eine ganze Idee aggressiver macht. Auch die Erpresserin tut, was ihr Beruf von ihr verlangt. Das ist teilweise trickreich, schlägt sich aber auch in etwas umfangreicheren Regeldetails nieder. Aber auch friedlichere und damit simplere Eigenschaften sind neu hinzugekommen. Außerdem gibt es ein paar Umbenennungen und leichte Modifizierungen bei den alten Charakteren. Lediglich bei zwei und drei Spielern müssen nun acht Gebäude gebaut werden. In allen anderen Besetzungen reichen sieben, um eine Stadt abzuschließen.

Wie spielt sich Citadels?

Das Kartenspiel ist, wie es bereits schon anklingt, vom Verlauf her unverändert simpel, aber wirkungsvoll, weil wunderbar interaktiv. Doch bevor man spielt, muss man erst mal lesen. Und was, um Himmels Willen, hat Hans im Glück mit dieser Spielregel gemacht? Schön aufgemacht und übersichtlich ist sie ja. Nach dem ersten Durchlesen folgte das zweite und an manchen Stellen noch das dritte. Folgendes Beispiel bitte einmal durchlesen, Augen zuhalten und auswendig wiedergeben:

„In einem Spiel mit 4–7 Spielern kannst du eine Charakterkarte der Nummer 9 mit in die Auswahl-Phase nehmen, dies ist optional. In einem Spiel mit 3 und 8 Spielern musst du eine Charakterkarte der Nummer 9 mit in die Auswahl-Phase nehmen. Weitere Änderungen im Spiel mit 3 und 8 Spielern findest du hier und auf Seite 8. In einem Spiel mit 2 Spielern kannst du nicht mit 9 Charakteren spielen. Achtung: Die Königin darfst du erst in einem Spiel ab 5 Personen verwenden.“

Das sind zehn (10!) Zahlenwerte in einem Regelabsatz. Muss das denn sein? Ein ähnlicher findet sich schon zwei Seiten vorher.

Aufgebläht wird die Regel durch die Erklärung aller 27 Charaktere. Das ist das Resultat davon, alles in einem Spiel unterzubringen und damit wohl unvermeidlich. Zumindest ist es verständlich formuliert, wäre aber auf einem Zusatzblatt außerhalb der Regel übersichtlicher darzustellen gewesen.

Wenn ich meinen Mitspielern vor Spielbeginn erklären musste, dass ich ihnen zumindest die Eigenschaften der acht bis neun Charaktere vorlesen muss, die im Spiel sind, dann sah ich da schon in verklärte Gesichter. Die Übersichtskarten erleichtern die Erinnerung an die Funktionen, doch die neuen Charaktereigenschaften wie die Erpresserin und der Magistrat oder auch die Hexe sind etwas tricky und lassen sich nicht en Detail auf einer Übersichtskarte darstellen.

Citadels zwingt sich auch deswegen nicht auf, weil es jeweils Änderungen für zwei und drei Spieler, das „Spiel mit 8 Spielern“, das „Spiel mit 9 Charakteren“ und schließlich (alternative) „Regeln zur freien Auswahl“ gibt. Jo! Man soll also im Zweifel erst mal nachsehen, ob man in der vorliegenden Besetzung und Spielerfahrung bestimmte Sonderregeln hat. Ach so: Die 17 neuen Gebäude und, wenn man will, Regeln für die Aktionskarten hatte ich vergessen. Sind aber nur drei Seiten Regeln mehr.

Regelwust und Streitpotenzial bei Citadels

Bevor ich in Polemik versacke, möchte ich herausheben, dass Citadels nach wie vor ein funktionierendes, unterhaltsames und - was die Grundregel angeht - simples Spiel ist. Gerade die neuen Charaktere können den Mitspielern allerdings gehörig die Suppe versalzen, was nicht jeder abkann. Da man aber nun bei jeder Charakter(-zahlen-)gruppe die Auswahl aus drei Charakteren hat, kann man sich das Personendeck schon so zusammenstellen, dass es nicht zu viel Feuer untereinander gibt. Dankbarerweise hat Hans im Glück an das Ende der Regel daher noch Empfehlungen angehängt, die es erlauben, den Spielablauf so zu gestalten, dass alle Spieler unbeschadet den Heimweg antreten können.

Zu acht dauert das Spiel ganz schön lange; etwas zu lange für meinen Geschmack, da sich vor allem der Spannungsbogen nicht unendlich dehnt. Auch die Auswahl der Charaktere zu Rundenbeginn nimmt dann einfach zu viel Zeit ein. Die optimale Besetzung ist daher bei fünf bis sechs Spielern. Auch wenn man das Spiel zu zweit und dritt spielen kann, lebt es einfach von ein paar Spielern mehr.

Nichts auszusetzen gibt es am gesamten Material einschließlich der schicken Krone, die nun der König (Kaiser/Patrizier) erhält (bzw. vergibt). Auch deshalb ist Citadels, wie schon Ohne Furcht und Adel, ein Stunde Spielzeit wert. Die nun sehr große Auswahl an Charakteren sorgt für anhaltende Abwechslung, da man sie ja auch unterschiedlich kombinieren kann. Wer noch ein bisschen Glück beim Ziehen der Gebäudekarten hat, kann sein Spiel durchaus in Richtung Sieg lenken.

Zusammenfassend meine ich, dass Citadels kein Spiel ist, das man unbedingt haben muss. Wer Ohne Furch und Adel schon hat, sowieso nicht. Ein Basisspiel mit der Erweiterung Die dunklen Lande ist auch unterhaltsam. Wer die Spielregeln schon gut kennt und sich vor ein paar Änderungen nicht scheut, erhält mit den neuen Charakteren aber eine Erweiterung, die noch mehr Gift versprüht als bisher.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-8
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
30-60
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
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