City Alarm

eine Spielerezension von Jörg Hagel - 16.10.2012
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City Alarm von Lego
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Verbrecherjagd in den Strassen von Lego City, dem Kinderspiel von Lego! Können Diebe auf Beutetour gehen ohne den Alarm auszulösen? Oder schnappt die Polizei sie rechtzeitig und steckt sie ins Gefängnis? Das Wettrennen kann beginnen.

Unboxing: Als wir den Karton endlich aus der fest verschweißten Folie geholt haben, war ich enttäuscht. Drei Tütchen mit Kleinteilen, drei Minibodenplatten, eine Bauanleitung und eine Spielanleitung. Die Legostadt auf der Verpackung sah so klasse aus.

Die 55-seitige Bauanleitung ist sehr detailliert und auch notwendig, da die wirklich kleinen einer, zweier und vierer Plättchen sich häufig sehr ähneln. Vier Jungen (acht bis zehn Jahre) waren als Erstspieler kaum zu bremsen, wenn es darum ging, Spielfeld, Häuser oder das Gefängnis zusammenzusetzen. Da das natürlich gleichzeitig passieren musste, wurde die Anleitung immer wieder umgeblättert. Wir haben dennoch eine halbe Stunde gebraucht. Der Aufbau ist also kein „Mal eben", mit konzentrierten und legoerfahrenen Sechsjährigen ist schnell eine Stunde um, wenn das Kind die wesentliche Arbeit (sonst lernt es nichts) leisten soll. Belohnt werden die Spieler mit einer wirklich niedlichen Stadt.

Aus Tassen und anderen Gegenständen, die wir gewöhnlich den normalen Legofiguren in die Hand drücken, werden hier Reklamezeichen, die es sehr einfach machen, sich in der Stadt kommunikativ zu orientieren. Es gibt unter anderem eine Pizzeria, einen Bäcker, den Juwelier, die Feuerwache und eine Bank. Die Häuschen werden verbunden mit grauen 4er-Plättchen, die die Wege darstellen. Weiße Plättchen gibt es in regelmäßigen Abständen. Sie stellen U-Bahn Stationen dar. Der übliche Legowürfel, wird bestückt mit verschiedenen Bilderplättchen. Für das Ziehen ist der aber nicht zuständig. Diese Aufgabe übernehmen sieben Viere-Klötzchen, durchnummeriert von 1 - 6 und ein U-Bahn Symbol. Die Steine werden verdeckt ausgelegt und gemischt, jeder Spieler nimmt sich am Beginn seines Zuges eines und muss nun die abgebildete Zahl Felder weit ziehen. Die U-Bahn erlaubt es den Spielern, auf ein beliebiges weißes Feld zu ziehen. Sind alle Steine aufgedeckt, geht das Umdrehen wieder von vorne los.

Als Spielfiguren stehen sechs "Männchen" zur Verfügung, die in der normalen Legowelt bestenfalls Kinderfiguren oder Spielzeuge abbilden dürften. Die Spielerzahl ist mit zwei bis vier angegeben. Hier schon mal der Hinweis, wenn jeder eine Figur spielt geht es auch zu sechst. Es ist das uralte Spiel von Gut und Böse, Räuber und Gendarm. Hier Polizisten gegen Diebe.

"Diebe stehlen nur und wenden ihren Opfer gegenüber nicht noch zusätzlich Gewalt an". Meine Testspieler reproduzierten sofort ihr komplexes Weltwissen zu diesem Thema. Jeder wollte erst mal Dieb sein. Die Anleitung hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gelesen ...

Der Spielablauf: Gewinnen werden entweder die Diebe, wenn es ihnen gelingt zehn Geldstapel zu stehlen, oder die Polizisten, die die Diebe alle ins Gefängnis stecken. Die Diebe beginnen, dann ist die Polizei dran, immer abwechselnd. Spieler-Kommentar im Spiel zu sechst: "Boah dann ist ja die Polizei viel öfter dran - ich will auch Polizei!" Gelingt es einem Dieb auf einem Feld zu landen, dass gerade an ein Gebäude grenzt, darf er es bestehlen. Der näcshte Kommentar: "Ich mach Überfall, ok?"  Der Dieb würfelt den Legowürfel. Zeigt der zwei Geldscheine, bekommt der Spieler das Geld und die Diebesgilde johlt. Wird ein Hubschrauber gewürfelt, startet der Polizeihubschrauber. Die Diebe bekommen kein Geld. Der Polizeihubschrauber darf nun von den Polizisten auf ein beliebiges Gebäude gesetzt werden. Von dem so geschützten Gebäude können Diebe nicht stehlen. Am häufigsten (dreimal) ist ein geteiltes Bild auf dem Würfel - ein Geldschein und der Hubschreiber. Die Diebe bekommen lediglich einen Geldschein und die Polizei darf den Hubschrauber versetzen. Das führt dazu, dass hier sehr strategisch gedacht werden kann. Jeder Spieler kann schließlich genau sehen, welche möglichen Schrittweiten noch möglich sind. Das sind für beide Parteien wichtige Informationen. Spielszene: Ein Polizist deckt den letzten Spielstein auf, es ist die Vier, zählt ab und landet auf dem Feld eines Diebes. Der Dieb dazu: "Eh Mann hast du ein Glück!"

Die Polizisten müssen wie bei Mensch ärgere Dich nicht genau treffen, um die Diebe ins Gefängnis zu werfen. Die passen da auch prima rein, beim Spiel mit vielen Kindern vergrößert sich die Zahl der "Rumsitzer" kontinuierlich. Das Wort "Gefängnisausbruch" kennt heute auch jedes Kind und spätestens nach den ersten Verhaftungen, gibt es Vorschläge wie das Regeltechnisch einzubauen ist. Diese Zusatzregel ist sogar in der Anleitung enthalten. Bei uns kamen nach mehreren Runden "aussetzen" auch Anwälte ins Spiel, die fünf bereits erbeutete Geldscheine boten ... "als Kaution!"

City Alarm gefällt uns durch die verschiedenen Mechanismen. Der Glücksfaktor ist durch die "Steinlösung" geringer als das Würfeln. Beim "Klauerfolg" für die Diebe liegt die Chance bei 5:1. Verabreden und Planen stehen hier im Vordergrund. Es ergeben sich immer wieder lustige kleine Krimis, wie etwa der von dem Dieb der grade aus dem Gefängnis geflohen, und in der U-Bahn beim Schwarzfahren erwischt wurde und wieder ins Gefängnis musste. Ich habe selten in einem Spiel so viel gelacht wie hier.

In mehreren Runden fiel uns allerdings eines auf: Nirgendwo steht, ob die verhafteten Diebe ihre Beute wieder abgeben müssen. Gibt der Dieb die "Kohle" wieder her, dauert das Spiel meist länger (gewünscht), es gewinnen aber die Polizisten, da die Diebesmannschaft doppelt geschwächt wird. Dürfen die Diebe die Beute behalten, ist das zwar unpädagogisch, aber eine Partie dauert dann wirklich nur etwa 20 Minuten.

Die komplette Stadt passt unzerlegt in die Box. Das ist schließlich der Vorteil dieser kleinen Teile. Größere Kinder mit "jüngeren" (unter fünf Jahre) Geschwistern sollten allerdings dieses Spiel im Auge behalten. Der achtteilige Minihubschrauber lässt sich prima verschlucken. Die Minimännchen haben einen ausreichend hohen Niedlichkeitswert, um in jede andere Spielsammlung inkludiert zu werden. Optimal auf Reisen, einerseits kooperatives Brettspiel mit einem Klasse Thema und klaren Mechanismen, zum anderen super Kulisse für das freie Spiel auf beengtem Raum.

Weitere O-Töne aus unseren Partien: "Eh wenn ich verhaftet werde, dann besteche ich dich, ok?"; "Ich bin Nahrungsräuber, ich überfalle nur die Pizzeria und den Bäcker!"; "Können wir nicht machen, dass die Diebe ihre Beute auf der Bank einzahlen können, damit die Polizei denen das nicht raubt?"

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spielerzahl: 
2 - 6
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
6 - 6
Spieldauer (Minuten): 
20
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
Fotos
City Alarm von Lego
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