Codenames Pictures

eine Spielerezension von Markus Nussbaum - 07.01.2017
  Spiel bewerten Spiel kaufen kommentieren
Codenames Pictures - Foto von CGE
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Wenn ein Produkt erfolgreich ist, dann kann man darauf wetten, dass es nicht lange dauert und eine Fortsetzung erscheint. Was bei Filmen und Büchern bestens funktioniert, ist natürlich auch in der Spielebranche ein gängiges Mittel, um die Umsätze anzukurbeln. Und wenn es sich gar um das Spiel des Jahres handelt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass auch der Nachzügler ordentliche Verkaufszahlen schafft. Codenames als Spiel des Jahres 2016 hat es nun bereits im gleichen Jahr zu einem Nachfolger gebracht. Codenames Pictures von Vlaada Chvátil (Czech Games Edition/Heidelberger Spieleverlag) ist vom Spielprinzip her identisch mit dem Vorgänger, erweitert dieses aber um (wie der Titel schon andeutet) Bilder als Hauptelement.

Wie wird Codenames Pictures gespielt?

Für alle diejenigen, an denen Codenames bislang spurlos vorbeigegangen ist, hier das Spielprinzip in Kürze: Zwei Teams von Geheimagenten (Rot/Blau) müssen aus einer Menge an ausgelegten Karten die verborgenen Agenten des jeweils eigenen Teams ermitteln. Die Geheimdienstchefs der Teams versuchen, die Suche über Hinweise zu erleichtern.  Diese Hinweise sollten im Idealfall mehrere Agenten enttarnen, wodurch die Chefs gezwungen sind, einen gemeinsamen Oberbegriff für die relevanten Karten zu nennen, plus die Anzahl der möglichen Agenten, die damit gefunden werden sollen.

Das klingt zunächst einfach, ist aber aufgrund der Gestaltung der Bildkarten ein unerwartet schwieriges Unterfangen. Es sind nämlich keine simplen Gegenstände abgebildet, sondern phantasievolle Zeichnungen, die durch Kombination von Elementen mehrdeutige Interpretationen zulassen. So findet man unter anderem eine Kartoffel mit Sonnenbrille, Ein Bett auf einer Welle, eine zerlaufende Uhr in einer Bratpfanne etc. (ein wenig sieht das aus, als hätte man den Illustrator unter Drogen gesetzt). Über die beiliegenden Codekarten, die nur die beiden Chefs sehen dürfen, erfahren diese, welches Team beginnt, wo die verdeckten Agenten beider Teams versteckt sind und wo sich neutrale Personen bzw. ein Attentäter aufhalten.

Hat man sich als Geheimdienstchef zu einem Oberbegriff durchgerungen, der übrigens nur aus einem deutschen Wort bestehen darf, kann man nur hoffen, dass das eigene Team den Wink versteht. Aber in der Realität führen die Begriffe zu Diskussionen im Team, die dem Chef den Schweiß auf die Stirn treiben. Er selbst darf nämlich außer dem Oberbegriff nichts zur Diskussion beisteuern. Hinweise sind strikt verboten und so sieht man die Entscheidungsfindung im Team manchmal in die völlig falsche Richtung laufen, darf aber nicht korrigierend eingreifen. Im besten Fall ermittelt das Team alle gewünschten Karten/Agenten. Im zweitbesten Fall sind eventuell einige unbeteiligte, neutrale Personen ermittelt worden, die keinem Team nutzen. Im schlimmsten Fall hat man versehentlich einen Agenten des Gegnerteams ermittelt, worüber sich dieses Team freut, denn man hat nur sieben Agenten ausliegen (das Startteam einen mehr) und da ist jede Hilfe willkommen. Im allerschlimmsten Fall aber hat man den Attentäter enttarnt, was zum sofortigen Spielende führt.

Wie gut ist Codenames Pictures?

Das ursprüngliche Codenames funktioniert statt mit Bildkarten mit Wortkarten. D. h., man muss Oberbegriffe zu Wörtern finden. Wie ich finde, ist das Spiel mit den Bildkarten etwas besser geeignet, um auch jüngere Spieler bzw. Familien anzusprechen als das Spiel mit Worten. Zum besseren Vergleich verweise ich auf unsere Rezension zu Codenames.

Was jedesmal zu Verwirrung führt, ist die Regel mit der Anzahl der Rateversuche. Man hat nämlich in jeder Runde einen Rateversuch mehr als der Chef ansagt. Dann kann man z. B. ein Bild, das man in einer der vorherigen Runde nicht erraten hat, in einer späteren Runde noch nachträglich erraten. Dazu müsste man sich aber die vorhergehenden Oberbegriffe gemerkt haben, was ich persönlich für schwierig halte und diese Regel daher bislang in meinen Runden gestrichen habe. Wozu ist man schließlich Agentenchef?

Das Spiel funktioniert als Kommunikationsspiel hervorragend ab einer Personenanzahl von sechs Mitspielern. Die Varianten für zwei oder drei Spieler konnte ich noch nicht testen, sie scheinen mir aber eher als Notlösung erdacht worden zu sein. Um das Spielkonzept mit möglichst viel Spielspaß zu füllen, wären für mich vier Spieler die erforderliche Minimalbesetzung. Alles in allem ist Codenames Pictures eine sehr gute Variante des Originalspiels, die zudem noch mit diesem kombinierbar ist. Wer längere Grübelphasen im Spiel vermeiden möchte, kann sich eine kostenlose App namens Codenames Gadget auf das Handy/Tablet herunterladen, die neben einem Timer für die Teamchefs/Agententeams auch einen Generator für weitere Codekarten beinhaltet.

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-8
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
15
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
Mehr zum Spiel
Brettspiele-Newsletter von Reich der Spiele abonnieren