Cottage Garden

eine Spielerezension von Axel Bungart - 28.01.2017
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Cottage Garden - Foto von Spielwiese
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Ja gibt‘s das?! Da kriege ich ein neues Spiel, und auf dem Spielregelcover ist ein deutlich sichtbarer Fleck! Da schickt mir unser Chef(fe) ein Spiel, packt’s vorher schon aus und sabbert drauf. Unfassbar! Und noch schlimmer: Im Innern der Spielregel sind Abdrücke von dreckigen Fingern und dunkle Krümelreste in der Faltung.

Kurz bevor mir der Kragen platzt, dämmert‘s mir, dass das die Spuren des Gärtners aus dem Spiel sein müssen und zum Design der Spielregel gehören. Unser Cheffe ist also unschuldig. Sein Glück.

Wie spielt man Cottage Garden?

In Cottage Garden von Uwe Rosenberg im Verlag Edition Spielwiese sollen ein bis vier Spieler jeweils zwei Blumenbeete bepflanzen, die vor ihnen ausliegen. Dazu können sich die Spieler Blumenplättchen aus einem viermal vier Felder großen Gewächshaus nehmen. Ein Gärtner (Würfel), der das Gewächshaus umkreist, bestimmt die Reihe, aus der das Plättchen genommen werden darf. Die Teile sind unterschiedlich groß und in verschiedenen Formen. Das erinnert stark an Patchwork, ebenfalls von Uwe Rosenberg. Außerdem kann man Blumentöpfe und Katzen in sein Beet legen. (Bevor Missverständnisse entstehen: Die Katzen sehen auf den Bildern sehr munter aus.)

Immer wenn in einem Beet alle Felder belegt sind, wird es gewertet und man erhält ein neues. Bezeichnenderweise haben die Blumen für die Wertung gar keine Bedeutung, sondern nur die Blumentöpfe und die Pflanzglocken, welche sowohl auf den Beeten bereits aufgedruckt sind, als auch zusätzlich ins Beet gelegt werden können.

Hat der Gärtner das Spielfeld fünfmal umrundet, tritt die Schlussphase des Spiels ein, in der die angefangenen Beete nur noch zu Ende gefüllt werden. Aber Achtung: In dieser Schlussphase kann man auch wieder Punkte verlieren! Danach ist Schluss. Wer die meisten Punkte erzielt hat, gewinnt.

Wie gut ist Cottage Garden?

Cottage Garden ist ein reines (und gnadenloses) Optimierungsspiel. Man versucht, seine Beete so schnell wie möglich zu füllen und gleichzeitig so viele Punkte zu erzielen wie es geht. Die Blumenplättchen sind dabei nur Mittel zum Zweck, denn für sie bekommt man schlicht gar nichts. Ebenso zählen die Katzenplättchen nichts, können aber das Füllen eines Beetes beschleunigen. So schafft man sich mit den Blumenplättchen Lücken für Blumentöpfe, die dann Zählbares bringen. Die Blumenplättchen sollten daher so geschickt wie möglich um die bereits auf den Beeten aufgedruckten Töpfe und Pflanzglocken herumgelegt werden, was sich puzzleartig anfühlt.

Die Mitspieler sind einem dabei nur bedingt im Weg. Da ein Spieler in einem Spielzug immer nur exakt aus einer Reihe ein Blumenplättchen nehmen kann, sieht man einigermaßen entspannt dessen Treiben zu. Ab und an geht mal ein Teil weg, das man selber gerne gehabt hätte. Im Spiel zu viert noch eher als im Spiel zu zweit. Aber das ist zu kompensieren. So wirklich viel Mit- oder Gegeneinander entsteht dadurch jedenfalls nicht.

Cottage Garden - ohne Mathe geht es nicht

Wichtiger ist das Handling der beiden Zählleisten, die separat um die Blumenbeete herum ausgelegt werden. Jeder Spieler verfügt über je drei orangene und blaue Zählsteine, mit denen er nach eigenem Ermessen seine Punkte - für Blumentöpfe und Pflanzglocken getrennt - abträgt. Und genau hier liegt der Hase im Pfeffer: Die Kunst bei Cottage Garden ist, die beiden Beete im Zusammenspiel mit den Zählleisten zu füllen. Da man bei ungeschickter Bepflanzung der Beete Punkte auf den nach oben begrenzten Zählleisten verliert (in dem man sie nicht erhält), ist ein optimales Zusammenspiel der drei Elemente der Kern des Ganzen. Hierin liegt auch der Schlüssel dazu, wann man mal Töpfe auf den Beeten überbauen kann und soll, um somit ein oder zwei Züge einzusparen. Dafür muss man dann aber schon scharf kalkulieren.

Noch mathematischer wird es, wenn das Spiel in seine Schlussphase eintritt. Wer bis dahin seine Beete nicht ausreichend füllen konnte, muss sie nun abgeben. Aber wer sie behalten darf, sollte sie so schnell wie möglich füllen, denn vor jedem Zug verliert man zwei Punkte. Eine verzwickte Situation.

Optimieren ist bei Cottage Garden zweckdienlich – mehr nicht

Optimierungsspiele können ihren Reiz haben. Auch Cottage Garden funktioniert gut, das Material ist schön gezeichnet. Niedlich ist auch die Schubkarre für die Plättchenschlange außerhalb des Gewächshauses. Die Atmosphäre stimmt also.

Die Felder des Gewächshauses sind zumindest für die großen Blumenplättchen leider zu klein, was aus doppelter Sicht unverständlich ist. Erstens scheint es so, als hätte man sich nachträglich dazu entschieden, die Teile maximal vier Einheiten lang zu machen (gemessen am Quadratraster der Beete), ein Feld des Gewächshauses nimmt aber nur Teile bis zu einer Länge von drei Einheiten auf. Also lappen die Teile in die anderen Felder oder über den Spielfeldrand hinaus, was einfach unschön ist. Zweitens wäre in der Schachtel ja Platz für einen rechteckigen Plan gewesen. Also?

So richtig überzeugend ist auch das Pfeilsystem am Spielfeldrand nicht. Es soll den Spielern anzeigen, wann sie wieder an der Reihe sind und in welcher Spalte sie sich dann bedienen können. Zu viert ist das eindeutig, zu zweit akzeptabel, aber zu dritt verwirrt es mehr als es hilft, da in jeder Runde die Symbole wechseln. Die Erklärungen dazu (Seite 10) sind an dieser Stelle auch nicht ganz schlüssig, weil sie einen kleinen Regelpatzer enthalten (Der Gärtner zieht zum Rundenende, nicht am Rundenbeginn!), und zu dritt spielt man sowieso nur auf der dafür vorgesehenen Spielplanseite.

Was Cottage Garden im Gegensatz zu (z. B.) Zooloretto fehlt, sind ein Rahmen und ein Thema, die zum Spielen auffordern. Bei Cottage Garden kann das Material zumindest überzeugen. Alles in allem verläuft eine Partie aber ziemlich emotionslos ab. Jeder puzzelt sich sein Beet zusammen und kassiert bei Fertigstellung Punkte. Das ist es schon. Zudem variiert das Spielgeschehen nicht wirklich. Es fehlt an den Kniffen, die die anderen überraschen können. Es fehlt vielleicht auch an Interaktion. Nach ein paar Partien langweilt das, es sei denn, man spielt auch Tangram gerne. Eine Solopartie läuft daher nicht viel anders. Nur spielt man da gegen die Punkte-Benchmark.

Die Altersempfehlung ist m. E. ein bisschen knapp bemessen, denn Achtjährigen muss das Optimieren erst noch beigebracht werden. Und wenn man Cottage Garden „einfach so“ spielt, verliert es auch noch den letzten Reiz. Ich spiele Spiele von Uwe Rosenberg sehr gerne. Aber es gibt unterhaltsamere als Cottage Garden.

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2016
Spielkategorisierung
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