Cro-Magnon

eine Spielerezension von Carsten Pinnow - 12.09.2008
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Cro-Magnon von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

„Buuungaa!“ brüllt grad jemand rechts neben mir, weil ein Mitspieler seinen Begriff korrekt erraten hat. Ich dagegen gehe zum wiederholten Male leer aus, weil ich mit Pantomime-Spielchen einfach nichts anfangen kann. Bei Cro-Magnon ist das nur ziemlich blöd, denn um Begriffe mal erkneten zu dürfen, muss ich in der Punkteleiste erst die nächste Entwicklungsstufe erreicht haben. Und Punkte bekomme ich nun mal nur, wenn ich selbst gut in der Luft herumfuchtle oder bei den Mitspielern schneller beim Erraten bin. Aber da die Zeit auf nur eine Minute begrenzt ist, schaffe ich es einfach nicht, auch nur einen einzigen Begriff zu erklären. Also werde ich wohl warten müssen, bis meine Mitspieler einen kleinen Vorsprung herausgespielt haben und mit der Knete herumspielen dürfen. Denn beim Kneten bin ich besser – da habe ich schon bei Barbarossa immer gut geraten und Punkte gesammelt!

Endlich ist die Zeit meines Nachbarn abgelaufen und ich bin an der Reihe. Ach nein, halt, er muss ja erst noch sein „Stammesritual“ durchführen! Einfach eklig, wie er sich unter den Achseln schnuppert und danach zufrieden schnauft. Da freut es mich, dass ich als Ritual nur diesen albernen Urzeitmensch-Humor zugelost bekommen habe, denn nach meinem Urzeitlacher darf ich ihm ordentlich auf den Rücken klopfen. Wenn ich mir vorstelle, dass ich vielleicht die Tanzen-Karte gezogen hätte ... Nein, da hätte ich mich geweigert zu spielen. Vielleicht hätte ich ja eine zweite Karte ziehen dürfen, wenn meine Mitspieler damit einverstanden gewesen wären, aber bei den Leuten hier würde ich darauf nicht vertrauen …

Hm, wenn ich mir die Begriffe auf der gerade gezogenen „WatnDat“-Karte anschaue, kann ich mich nur wieder ärgern, dass ich noch Pantomime machen muss. Manche Begriffe sind total einfach, aber natürlich mal wieder nicht meiner. Total unfair ist das! Ich will auch endlich kneten, und noch viel lieber mit der Wachsmalkreide malen! Schade, dass das Malen erst in der letzten Entwicklungsphase kommt, denn bis dahin komme ich mit meiner Figur bestimmt nicht mehr.

Und vor dem Malen kommt erst noch die Ursprache. Das ist ja noch schlimmer als Pantomime! Der Typ links neben mir ist schon so weit und blökt irgendwelche unzusammenhängenden Begriffe in den Raum. „Stein – klein – klein – klein“ hechelt er. Ah, er meint "Sand"! Mist, zu spät, ein Mitspieler war wieder schneller. Tja, gar nicht so einfach, Begriffe zu erklären, wenn man nur rund hundert Worte verwenden darf. Vor allem wenn man nicht weiß, welche Wörter man benutzen darf, denn dafür muss man die sechs Ursprachkarten erstmal durchsuchen. Wie viel Zeit dabei verloren geht! Und außerdem ist das eher anstrengend, als dass es Spaß macht. Ups, mir fällt grad auf, dass ich eben am Ende meines Zuges vergessen habe, meine Stammesaktion zu machen. Puh, gut dass es keinem aufgefallen ist, sonst hätte ich einen Strafpunkt bekommen. Obwohl ... Ich hab ja eh keinen Punkt erhalten, und rückwärts gehen muss man nicht. Wäre also egal gewesen. Naja, „egal“ ist mir dieses Spiel eigentlich auch. Wie ich sehe, geht es einem Mitspieler ähnlich, der ist nur ganz knapp vor mir. Weit vorne liegen die beiden Mädels – die scheinen auch eine Menge Spaß zu haben. Muss wohl ein Mädchenspiel sein. Warum bin ich eigentlich auf diesen Spieleabend gegangen? Ich mag doch gar keine Partyspiele! Und schon gar nicht solche beknackten …

Mein Blick fällt auf die Verpackung. Eigentlich ganz hübsch, zumindest mal was anderes. „Du viel lachen, Du denken und machen“ steht da. Aha. „Du Dir denken: Besser etwas anderes machen“ fällt mir dazu ein. Ich hoffe, die Leser vergeben mir …

Spieleinfo

Verlagsangaben
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
3 - 12
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
45 - 60
Jahrgang: 
2008
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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