Cthulhu: Halloween

ein Spiele-Artikel von Dirk Janßen - 17.05.2021
Cthulhu: Halloween - Ausschnitt - Foto von Pegasus Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Sicher ist Halloween nur einmal im Jahr, aber warum nicht auch mal Mitten im Jahr chtuloide Schrecken zur Halloweenzeit bekämpfen?! Der Cthulhu Abenteuerband Halloween bietet hierfür drei kurze Abenteuer mit teils vorgefertigten Charakteren, frisch übersetzt aus Englischen und mit dem obligatorischen Vorwort von Cthulhu-Chefredakteur Heiko Gill. Süßes auf den Tisch, die Lichter gedimmt und die Würfel warm gerollt – eine unvergessliche Halloweennacht erwachtet die Investigatoren.

Dunwich reloaded

Das erste Abenteuer hält einen besonderen Clou bereit: Die Spieler agieren als Kinder auf einem Halloweenfest bei Opa Silas im Ort Dunwich. Dabei kann auf vorgefertigte Charaktere zurückgegriffen werden, wobei die kindlichen Protagonisten teils bereits über eine turbulente Vergangenheit und faszinierende Charaktertiefe verfügen. Nicht nur dies erinnert etwas an Stephen Kings ES, sondern auch der alleinige Kampf der fragilen Kinder gegen die Schrecken der Halloweennacht.

Halloween in Dunwich ist im Original aus dem Jahr 2005, hat aber definitiv noch keinen Staub angesetzt. Das knapp 25 seitige Abenteuer inklusive Handouts und Charakterprofile bietet abwechslungsreichen Spielspaß für einen ausgedehnten Spielabend und bezieht seinen Pfiff natürlich zum einen daraus, dass die Spieler Kinder übernehmen, zum anderen weil hier ein Klassiker aus Lovecrafts Repertoire weitererzählt wird.

Schule der Toten

Gegenüber dem ersten Abenteuer stinkt das unter dem Origintaltitel The Dead School im Jahr 2009 veröffentliche Abenteuer dann etwas ab. Hier spielen die Spieler Schüler an einem Internat, die gerade an Halloween nachsitzen müssen, während der Rest der Schule unter dem neuen Direktor gemeinsam Halloween feiert. Während die Schüler noch mit ihrem Schicksal hadern, ereignet sich bei den Festlichkeiten etwas Unerwartetes und schleudert die Charaktere direkt in die Hölle. Oder was man dafür hält.

Schule der Toten will etwas zu viel. Man versucht den Chtulhu-Mythos mit Dantes Inferno zu vermischen und dabei noch cineastische Schrecken wie in Shining, Stranger Things (ja, gab es 2009 noch nicht) und Zombie Schockern unterzubringen. Dies bietet zwar eine Plattform für größtmöglichen , aber auch etwas pompösen, wenig subtilen Horror, der vor allem recht konfus daherkommt. Wie eine riesige bunte Tüte Süß – verlockend, aber nachher ist einem doch nur schlecht. Ausprobieren kann man es aber doch einmal. Eventuell spielt es sich besser als es sich liest.

Süßes oder Saures

Das letzte Abenteuer bietet noch einmal klassischen Slasher Stoff mit einer mordenden Vogelscheuche. Irgendwie werden die vorgefertigten Charaktere auch hineingezogen und fühlen sich verpflichtet, dem Morden ein Ende zu setzen.

Süßes oder Saures bietet soliden, aber keinen weltbewegenden Stoff. Es gibt keinen besonderen Twist, sondern eine gradlinige, kurzweilig blutige Erzählung, die das amerikanische Kino zu einem effektvollen, aber wenig nachhaltigen Filmereignis aufblasen könnte. Dürfte in einer extrovertierten, verspielten Gruppe aber dennoch für einige komische und auch stimmungsvolle Momente sorgen.

Lohnt sich Cthulhu: Halloween?

Cthulhu: Halloween - Cover - Foto von Pegasus Spiele

Halloween ist ein typischer Cthulhu-Softcoverband zum üblichen Preis von 9,95 Euro. Geboten bekommt man hierfür inhaltlich nicht unbedingt Überragendes, aber dennoch solides Material für einige Spielabende. Für erfahrende Spieler könnten die Geschichten an sich etwas zu wenig bieten, aber vielleicht erfreuen sie sich an der Herausforderung, einmal etwas andere Figuren in den jeweiligen One Shots zu spielen. Am Besten dann auch an Halloween. Schon alleine der Stimmung wegen. Cthulhu-Liebhaber werden sich den Band der Vollständigkeit wegen eh ins Regal stellen.

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Cthulhu: Halloween - Cover - Foto von Pegasus Spiele