Kreuzzüge

Ritter im heiligen Land

ein Spiele-Artikel von Christoph Brandt - 05.06.2012
Kreuzzüge - Foto von Pegasus Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Bereits 2009 legte der Verlag mit dem Quellen- und Abenteuerband Mittelalter – Die dunklen Jahre ein interessantes wie umfassendes Alternativsetting für das Cthulhu-Rollenspiel vor. Zwei Jahre später ist es nun endlich soweit und mit Kreuzzüge – Ritter im Heiligen Land erscheint die erste Erweiterung hierzu. Auf knapp 300 Seiten, wieder aufgeteilt in einen Quellen- und einen Abenteuerteil, kann man sich nun einem der interessantesten Aspekte des „dunklen Mittelalters“ auch rollenspielerisch nähern.

Der Band beginnt mit einem kurzen Abriss der politischen, religiösen und geografischen Lage im Europa um das Jahr 1000, damit das Zustandekommen dieser gewaltigen Heerzüge in den folgenden 300 Jahren verstanden werden kann. Die dann folgenden Kapitel befassen sich jeweils mit einem der insgesamt sieben großen Kreuzzüge, wobei dem ersten und zweiten Kreuzzug die meiste Aufmerksamkeit gewidmet wird, sind diese doch auch die wichtigsten. In den jeweiligen Kapiteln werden die Abläufe der einzelnen Kreuzzüge chronologisch und recht detailliert beschrieben. Einigen Lesern werden die Fülle an Daten, Orten und Personen wohl überfordern, zumal die geschichtlichen Fakten recht trocken wiedergegeben werden. Etwas Auflockerung bringen da die eingeschobenen Texte, die historische Personen, Organisationen oder auch Artefakte beschreiben, die nicht nur von historischer Bedeutung sind, sondern auch für das Rollenspiel verwendet werden können. Aber selbst kleinere Begebenheiten werden erwähnt, die auf den Verlauf des Kreuzzugs zwar kaum Einfluss nahmen, aber für die damalige Bevölkerung von großer Bedeutung waren.

Dieser eher chronologischen Aufarbeitung der Kreuzzüge folgen einige Kapitel zu den politischen Systemen der Kreuzfahrerstaaten, zu den Strukturen der moslemischen Reiche in Nahost und zu den wichtigsten Städten im Heiligen Land. Viele Rahmeninformationen also, um die Zeit der Kreuzzüge historisch korrekt bespielen zu können.

Abgerundet wird der Quellenteil schließlich mit einigen regeltechnischen Verfeinerungen und Ergänzungen. So werden neue Charakterklassen wie der Assassine oder die Haremsdame vorgestellt und kurz deren Alltag beschrieben. Aber auch die Kampfregeln werden erweitert. um Zweikämpfe, kleinere Gefechte aber auch große Schlachten regeltechnisch abbilden zu können, schließlich ist die Zeit der Kreuzzüge auch eine kriegerische Zeit.

Den Abschluss des Bandes bilden dann zwei Abenteuer, die vor dem Hintergrund der Kreuzzüge spielen. In „Gorgonenhaupt“ von Christoph Maser reisen die Charaktere auf dem Weg ins Heilige Land durch Ungarn. Hier werden sie in eine Intrige zwischen geistlicher und weltlicher Macht hineingezogen, hinter der eine durchtriebene Mythoskreatur steckt und das Land ins Chaos treibt. Das zweite Abenteuer „Das Heer der Verfluchten“ von Mirko Bader ist fast schon eine kleine Kampagne, dass die Charaktere im Gefolge des ersten Kreuzzuges von Antiochia bis nach Jerusalem führt. Hier müssen sie sich mit christlichen, antiken griechischen und cthuloiden Mythen auseinandersetzen, ehe sie sich selbst als Teil des Heeres der Verfluchten wiederfinden.

Insgesamt ist diese erste Erweiterung zum Mittelalter-Setting von Cthulhu gelungen, wenn auch nicht perfekt. Die historischen Fakten sind äußerst umfangreich und wie gewohnt gut recherchiert, aber für meinen Geschmack etwas zu trocken geschrieben. Außerdem vermisse ich einen Index, was das Auffinden bestimmter Namen oder Ereignisse unnötig erschwert. Die Abenteuer sind durchaus interessant, aber leider nicht besonders innovativ. Gerade „Gorgonenhaupt“ tendiert zum sog. Railroading, was schade ist. Trotzdem ist Kreuzzüge – Ritter im Heiligen Land eine Erweiterung, die für jeden Spielleiter, der seine Spieler ins „finstere Mittelalter“ schickt, unumgänglich ist. Aber auch für andere Rollenspielsysteme lassen sich wie schon beim Quellenband Mittelalter unzählige Informationen ableiten. Wer also weniger auf High Fantasy, sondern vielmehr auf die kulturellen Niederungen der europäischen Menschheitsgeschichte steht, der sollte in diesen Cthulhu-Quellenband auf jeden Fall einen Blick werfen.

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