USA

Großmacht unterm Sternenbanner

ein Spiele-Artikel von Christoph Brandt - 21.02.2009
Cthulhu: USA - Foto von Pegasus Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Standen in den letzten Jahren vermehrt Publikationen zu deutschen und europäischen Landen im Zentrum der Veröffentlichungen, liefert Band USA – Großmacht unterm Sternenbanner einen ersten Hinweis darauf, dass ab 2009 wieder das „Ursprungsland“ des Cthulhu-Mythos in den Vordergrund rücken wird.

Das Quellenbuch ist als Basiswerk für die Vereinigten Staaten im Cthulhu-Rollenspiel zu verstehen, auf dem zukünftige Abenteuerbände aufbauen können und sollen. Gegliedert ist das Werk in mehrere große Abschnitte, die Spieler und Spielleiter Land und Leute näher bringen. Der Schwerpunkt liegt hierbei eindeutig auf den 1920er-Jahren, den „Roaring Twenties“. Für Liebhaber alternativer Settings wie Cthulhu NOW ist der Band also nur bedingt geeignet.

Im ersten Abschnitt „Das Land“ geht es um die Geschichte und Struktur der USA. Detailliert wird die historische Entwicklung des Landes von der Entdeckung durch Kolumbus bis zum „Schwarzen Freitag“ und dem steilen wirtschaftlichen Abschwung der früher 1930er-Jahre beschrieben. Es folgt eine kurze Abhandlung der amerikanischen Innen- und Außenpolitik, sowie detaillierte Beschreibungen der wichtigsten amerikanischen Städte, garniert mit vielen hilfreichen Bildern und Plänen.

Mit den beiden folgenden Abschnitten „Gesellschaft“ und „Leben in den Vereinigten Staaten“ kommt dann schließlich Farbe ins Spiel. Wie war der „American Way of Life“ in den 1920ern? Wie verbrachte man seine Freizeit, wie arbeitete man? Welche Rolle spielte die Familie? Hier findet man Antworten auf all diese Fragen. Ein längerer Artikel widmet sich der Prohibition, führte das Alkoholverbot doch zu einem tiefgreifenden Wandel der amerikanischen Gesellschaft. Aber auch die großen Einwanderungswellen und das Nebeneinander vieler Religionen prägen das Bild dieser Nation. Hinzu kommt eine detaillierte Beschreibung des Wirtschaftssystems der USA, das mit dem Börsencrash am „Schwarzen Freitag“ zusammenbricht, sowie Beschreibungen des Gesundheitssystems und des Schulwesens. Weitere, besonders für den Spielleiter interessante Themen sind die Strukturen von Polizei und Militär sowie die Rolle der Presse.

Den Abschluss des Quellenbandes bildet dann schließlich der Cthulhu-Mythos. Gespickt mit einigen Mythen der amerikanischen Ureinwohner, die Verbindungen zum Mythos erahnen lassen, geht es schließlich im Kapitel „Lovecraft Country“ um all die bekannten und unbekannten Schrecken, die in Neu-England warten. Mit einigen Hinweisen, wie man als Spielercharakter in den USA agieren kann, schließt der Quellenband.

Das USA-Quellenbuch ist ein äußerst gelungener Band zum Amerika der 1920er-Jahre. Mit der Fülle an Informationen lassen sich atmosphärisch dichte Rollenspielabende im „Mutterland des Mythos“ entwickeln. Daher ist der Band als Nachschlagewerk ein Muss für jede Spielgruppe, die bevorzugt in den USA der klassischen Cthulhu-Epoche spielt. Schade finde ich, dass man das Quellenbuch nicht noch mit ein oder zwei kurzen Abenteuern gewürzt hat, sondern es als rein informatives Basis-Werk konzipierte. Auf der anderen Seite kann man sich nun um so mehr auf die nächsten Abenteuerbände freuen, in denen es dann um die „Großmacht unterm Sternenbanner“ geht.