Waffenhandbuch

ein Spiele-Artikel von Christoph Brandt - 09.06.2008
Waffenhandbuch - Foto von Pegasus Spiele
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Mit dem Waffenhandbuch ist ein etwas anderer Quellenband für das Cthulhu-Rollenspiel erschienen, der sich in vielen Bereichen von den bisherigen Publikationen unterscheidet. Auf den ersten Blick gehört ein Ausrüstungsband, dessen Schwerpunkt auf der Bewaffnung der Charaktere liegt, zu jedem guten Rollenspielsystem. So sollte es nicht verwundern, dass nun auch für das Cthulhu-Rollenspiel so ein Quellenband vorliegt. Trotzdem mag sich so Mancher die Fragen, ob Waffen im Cthulhuversum ein solches Quellenbuch überhaupt rechtfertigen, liegt der Fokus dieses Rollenspiels doch eher auf der Atmosphäre der Abenteuer als auf der Feuerkraft der Charaktere.

Nach dem obligatorischen Vorwort erwartet den Leser das einleitende Kapitel „Vom Faustkeil zur Atombombe“, der sich der Waffenthematik erst einmal philosophisch nähert. Es folgt der Hauptteil des Quellenbuches, der Waffenkatalog.

Beginnend mit antiken und mittelalterlichen Nah- und Fernkampfwaffen werden unzählige Waffenarten vorgestellt, bis hin zu schweren Waffen der Moderne. Insgesamt werden über 1.300 Waffen vorgestellt, alle mit einer kurzen technischen Beschreibung, Kaufpreis und davon getrennt gehaltenen Spielwerten für das Cthulhu-Rollenspiel. Zusätzlich gibt es Beschreibungen von Besonderheiten und Einsatzbereichen, sowie gelegentliche Verweise auf bekannte Filme in denen die Modelle zum Einsatz kommen. Hinzu kommen noch fast 450 Abbildungen der beschriebenen Waffen, alle in feinem schwarz-weiß gehalten, was für zusätzliches Flair sorgt. Alles in allem also eine wahnsinnige Fleißarbeit, die die Autoren und Illustratoren hier geleistet haben.

Doch das Waffenhandbuch bleibt kein reiner Waffenkatalog. So wurde die katalogisierte Auflistung immer wieder durch die beliebten Textkästen aufgelockert, in denen Anekdoten zu den einzelnen Waffen erzählt werden, oder berühmte Waffenkonstrukteure vorgestellt werden. In weiteren Kapiteln gibt es Regelergänzungen und optionale Waffenregeln für Schnellziehen, beidhändiges Schießen oder Fehlfunktionen. Außerdem hat man sich bemüht sämtliche Regelinkonsistenzen, die durch bisher erschienen Cthulhu-Publikationen entstanden, auszumerzen.

Um einen ungelenkten Zugriff der Charaktere auf die vorgestellten Waffen zu verhindern, folgen noch Erläuterungen zu Waffenkauf und Waffenrecht in den verschiedenen Epochen und Nationen, ebenso eine Übersicht über die Ausrüstung von Polizei und Militär. All dies ist gerade für den Spielleiter sehr hilfreich.

Da es sich um ein cthulhoides Quellenbuch handelt, dürfen natürlich auch die Wesen des Mythos und deren bevorzugte Waffen nicht fehlen, allerdings ist dieses Kapitel recht kurz, schließlich sind die außerweltlichen Schrecken schon todbringend genug.

Abgerundet wird der Quellenband von einem sehr guten Index, einmal gegliedert nach Waffenart und einmal alphabetisch. Somit ist ein schnelles Wiederfinden während der Spielsitzung gewährleistet.

Alles in allem ist den Autoren mal wieder ein erstklassiger Quellenband gelungen, der für alle noch so exotischen Cthulhu-Settings einsetzbar ist. Egal ob man in der Antike, im Mittelalter, im fernen China, bei Gaslicht, in den 1920ern oder in der Gegenwart spielt, zu jeder Epoche werden die entsprechenden Waffen vorgestellt. Ein besonderes Flair versprühen dabei die vielen Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die jedes Hochglanz-Waffenmagazin blass aussehen lassen. Doch das Waffenhandbuch bleibt kein reiner Waffenkatalog. Die optionalen Regeln sind sinnvoll und die Hintergrundtexte gut recherchiert. Hinzu kommen Anekdoten und Kurzportraits berühmter Waffeningeneuere, so dass man sogar noch etwas lernen kann über das Vernichtungsarsenal der Menschheit. Vielleicht fehlt dem einen noch ein Abenteuer, in dem es um (Mythos-) Waffen geht, vielleicht ist dem anderen der Mythosbezug zu gering, dies ändert jedoch nichts am äußerst positiven Gesamteindruck. Das Cthulhu-Rollenspiel und Waffen waren bisher Bereiche mit nur wenigen Berührungspunkten, dies ist nun vorbei. Das Quellenbuch schafft es (endlich) diese beiden Bereich miteinander sinnvoll zu verweben. Darüber hinaus ist das Waffenhandbuch als universelles Quellenbuch durch die klare Trennung der technischen Informationen und der Spielwerte für (fast) jedes Rollenspielsystem zu verwenden. Natürlich kann man auch ohne das Waffenhandbuch leben, findet man doch alle wichtigen Waffen im Grundregelwerk, aber mit ihm bekommt der nächste Cthulhu-Spielabend noch mehr Tiefgang.

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