Cyrano

eine Spielerezension von Axel Bungart - 06.03.2011
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Cyrano von Repos
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Es ist doch oft das Spiel allein,
Das zum Spielen uns lädt ein,
Doch bei mancher Spielidee,
Sagt so mancher: „Nee, oh nee!“

So oder so ähnlich geht’s zu bei Cyrano, bei dem es tatsächlich ums Reimen geht. Ob ein Spiel gut ankommt, liegt beileibe nicht immer alleine an dessen Regeln, dem Material und der Spielidee. Manchmal ist es einfach schwer, jemanden dafür zu begeistern, weil das Spielthema schwierig zu vermitteln ist.

Dabei ist es doch irgendwie witzig: Man soll einen Vierzeiler reimen, wobei – nach der Regel – auf Versmaß und –form kein allzu großer Wert gelegt werden soll. Das Thema wird vorgegeben (z. B. Kindheit) und darüber hinaus zwei Endsilben, zu denen jeweils ein passender Reimlaut gefunden werden soll, damit so am Ende vier Zeilen stehen, von denen sich je zwei reimen. Ein kleines ad-hoc-Gedicht halt.

Und schon kann’s losgehen: Man grübelt versunken über einem Stück Papier, kritzelt, streicht durch, schreibt wieder, kichert, sinniert mit zusammengekniffenen Augen. Und dann ist das Werk (hoffentlich) vollbracht. Zufrieden lächelnd lehnt man sich zurück - und sieht erschrocken in die verzweifelten Augen eines Mitspielers, weil der noch nicht mal zwei Zeilen fertig hat.

Nehmen wir an, irgendwann wäre es soweit - alle haben Ihren Vierzeiler vollendet. Dann wird vorgelesen. Sitzen kreative Leute am Tisch, die so eine Aufgabenstellung motiviert, kommt jetzt der lustigste Moment. Wozu manche in wenigen Minuten zu reimen imstande sind, was dann auch inhaltlich sogar noch zusammenpasst, ist zuweilen schon erstaunlich. Doch selbst, wenn’s nur Quatsch ist, was da raus kommt (in 85 % der Fälle): Wenn’s sich einigermaßen reimt und auch noch so was wie ein Versmaß hat, ist es schon deshalb komisch.

Aber zurück zu unserem verkniffen dreinschauenden Mitspieler: Er hat noch den Schweiß auf der Stirn vom Reimen, was dabei dann schließlich ’rausgekommen ist, verdient den Begriff „Gedicht“ nicht, und freundlich schmunzeln tun die Mitspieler bei seinem Vortrag nur, weil er der Gastgeber ist. Kurz gesagt: Auch wenn die Regel darauf hinweist, es mit der Konstruktion des Gedichts nicht allzu eng zu nehmen, wird man dem, der noch nie ein paar Zeilen gereimt hat, damit keinen besonderen Spaß bereiten. Seinen Mitspielern im übrigen auch nicht.

Das ist der einzige Grund, woran es bei Cyrano hakt: Ich muss Leute finden, die nicht nur Spaß sondern möglichst auch Talent am Reimen haben. Es müssen ja wahrlich keine Fontanes und Eichendorffs sein. Aber Gedichte, die nur unter angestrengter Missachtung jeglicher Formen als solche zu erkennen sind, sind schon aus diesem Grund prinzipiell unlustig.

Hat man aber eine Runde reimgeiler Laien-Lessings an den Tisch gebracht, verbringt man sicher mit einem guten Spiel mit origineller Ausstattung einen vergnüglichen Abend. Auffällig ist ganz sicher der Kartenhalter für die Mottokarten und die Vorgabekarten der Reimsilben. Qualitativ gute Karten sowie Schreibblocks und Bleistifte in ausreichender Anzahl runden das Material ab.

Nur auf den ersten Blick gut ist das Wertungssystem. Haben alle Spieler ihre Gedichte vorgelesen, erhalten zunächst diejenigen Punkte, deren Reimwörter nicht auch von anderen verwandt wurden. Anschließend soll mittels besonderer Stimmkarten der Sieger der Runde ermittelt werden. Dazu wird verdeckt von jedem eine Stimmkarte abgelegt und alle gleichzeitig aufgedeckt. Aber nicht derjenige, der die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte, erhält Punkte. Dafür aber die Spieler, die mit ihrer Meinung nicht alleine waren. Jeder, der nicht alleine für ein bestimmtes Gedicht gestimmt hat, erhält so viele Punkte, wie die Anzahl der Mitspieler, die für dasselbe Gedicht gestimmt haben.

Dieses Verfahren verleitet zu einem absurden Abstimmverhalten. Entweder, man stimmt für das Gedicht, das einem am besten gefällt, läuft aber damit Gefahr, keinen Punkt zu erhalten, weil man der einzige ist. Oder man stimmt für das Gedicht, von dem man glaubt, dass es auch möglichst vielen anderen am besten gefällt (was zu erkennen anhand der Reaktionen beim Vorlesen meist nicht allzu schwierig ist) und erhält dafür Punkte. Eine objektive Abstimmung ist jedenfalls schwer zu erzielen, und auch der beste Dichter profitiert nur dann davon, wenn er - neben ein paar anderen - für sich selbst stimmt.

Letztlich kann man das Wertungssystem aber auch getrost als Spieldauerbegrenzer verstehen. „Der Weg ist das Ziel“, muss das Motto heißen. Und wer möchte schon von sich behaupten, er könne (Dichter-)Kunst objektiv beurteilen?

Natürlich: man muss nicht den Unterschied zwischen einem Distichon und einem Sonett kennen, um bei Cyrano Spaß zu haben. Empfehlen würde ich das Spiel aber dennoch eher Leuten, denen „angewandte Lyrik“ nicht ganz fremd ist, die gerne wortkreativ sind und möglichst noch keinen schweren Tag hinter sich haben; aus einem müden Geist sprudelt’s eben nicht. Die Maximalbesetzung ist mit neun Spielern etwas hoch gegriffen, denn immerhin muss man sich bei der Abstimmung für ein Gedicht entscheiden, was voraussetzt, dass man alle irgendwie im Ohr hat. Vier bis sechs Spieler sollten und dürften es aber sein.

Wer reimen kann und witzig denkt,
Sich gern’ einmal sein Hirn verrenkt,
Wer über and’rer Späße lacht,
Mit Cyrano nichts Falsches macht.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
4 - 9
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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