Da Luigi

eine Spielerezension von Axel Bungart - 20.06.2015
  Spiel kaufen kommentieren
Gesellschaftsspiel Da Luigi - Foto von Kosmos
Lesezeit: ca. 5 Minuten

„Essen und Beischlaf sind die beiden großen Begierden des Mannes“ sagt der vielbemühte Konfuzius. „Über welches der beiden Themen ließe sich ein unterhaltsames Spiel machen?“ fragte sich vielleicht Rüdiger Dorn, als er sein Gesellschaftsspiel entwarf. Womöglich waren die Erfolgschancen für ein Familienspiel über den Beischlaf nicht annähernd so groß wie die über das Essen. Und deshalb hat er sich wohl richtig entschieden, es Da Luigi (und nicht Don Juan) zu nennen.

So wird Da Luigi gespielt

Sechs Plätze haben die 2-4 Spieler jeweils in ihrem Restaurant zu vergeben. Nicht eben viel für ein Restaurant, aber der Koch soll ja auch alle Gäste zufriedenstellen können, ohne in Panik zu verfallen. So nehmen sie denn an einer Art Tresen nebeneinander Platz und geben dem Wirt gleich mit der Bestellung die Zeit in Auftrag, in der sie das Restaurant – gesättigt! – wieder verlassen zu gedenken. Manche Gäste gehen es gelassen an, bringen bis zu 60 Minuten Wartezeit mit und dürfen damit ganz links am Tresen platznehmen. Andere setzen sich ganz nach rechts, weil sie nach zehn Minuten schon wieder flüchten wollen und bestellen dreisterweise auch noch das Viergang-Menu. Dafür zahlten die dann auch besser, und deshalb tut man, was man kann, um sie zu sättigen.

Umgesetzt wird die Idee mit Karten, die den Gast, seine Bestellung (in Form von farbigen Kästchen), seine Verweildauer im Restaurant und schließlich den Erlös (-> Siegpunkte) zeigen. Außerdem bringen manche Gäste etwas mit wie zum Beispiel einen Blumenstrauß für Frau Wirtin (welcher einen Siegpunkt gibt) oder eine Zitrone – vielleicht Ausdruck ihrer missmutigen Stimmung und somit einen Minuspunkt wert. Andere waren beim letzten Mal wohl so zufrieden, dass sie ungefragt gleich noch andere Gäste einladen. Nur passt das bei sechs Plätzen dem Wirt nicht immer in den Kram. Nun gut. Wenn er schon mal da ist …

Zeit- und Gästemanagement bei Da Luigi

Also rennt man los zum Markt, um Waren (= Würfelchen) in der Farbe der Menufolge auf den Gästekarten einzukaufen und auf ihnen zu verteilen. Es gibt Marktstände mit ein bis vier Waren. Je mehr Waren man gleichzeitig kauft, desto länger braucht man dafür. Inzwischen rutschen die Gäste im Lokal ungeduldig nach rechts Richtung Ausgang. Mit einer einzigen Ware ist man ohne Zeitverlust wieder zurück; bringt man gleich vier Waren mit, sind drei Zeiteinheiten vergangen und die Gäste entsprechend weit aufgerutscht. Hat dabei einer sein Zeitlimit überschritten, ist er dennoch gewissermaßen bedient: Er verlässt das Lokal sauer und ungesättigt. Siegpunkte adé! Dafür gibt’s aber eine Zitrone (und einen deftigen Kommentar im Internet …). Hatte der Gast bis dahin schon einen Teil seines bestellten Menus verzehrt: doppeltes Pech, denn die Würfelchen auf seiner Karten sind mit weg.

Wurde aber ein Gast vollständig bedient, d. h., die Kästchen auf seiner Karte sind mit entsprechend farbigen Würfeln gefüllt, wird abkassiert und der Gast zieht von dannen. Platz für neue Gäste! Wer sich neue Gäste holen möchte, zieht eine Karte mehr vom Stapel, als Spieler teilnehmen. Der Zugspieler muss davon zwei behalten, jeder Mitspieler erhält eine, die er sofort anhand der Zeitvorgabe in seinem Restaurant platziert. Dummerweise darf man die Karten nicht alle gleichzeitig ansehen und sich dann entscheiden, sondern man entscheidet nach und nach bei jeder Karte die man aufdeckt, ob man sie behält oder nicht – ohne zu wissen, was noch kommt.

Dabei bedenkt man seine Mitspieler am liebsten mit den Gästen, die diese am wenigsten in ihrem Restaurant gebrauchen können. Es sei denn, man war zu voreilig.

Nachdem der Nachziehstapel an Gästen aufgebraucht ist, endet das Spiel nach einer letzten Runde am Markt. Wer dann die Gästekarten mit den meisten Punkten vorweisen kann, erhält das Siegeszepter und einen Eintrag in den Guide Michelin. 

Wie gut ist das Brettspiel Da Luigi?

Kaum eines meiner neueren Spiele habe ich mit meinen Mitspielern in recht kurzer Zeit so oft gespielt, wie Da Luigi (Kosmos). Ich werte das durchaus als Zuspruch. Das kann kaum an der Art des Spiels liegen, denn so richtig Neues gibt es hier ja nicht. Selbst das Herausrutschen der Gäste aus dem „Restaurant“ ist genau genommen nichts Neues, aber schön verpackt.

Alles ist überzeugend gemacht: Das Material, insbesondere die wirklich nett gestalteten Gästekarten, die Spielregel (die ja in einem Punkt bekanntermaßen zwischenzeitlich überarbeitet wurde), das gut umgesetzte Thema. Das animiert schon. Zudem lässt sich das Spiel prima in der Familie anbringen. Kein Blut, kein Krieg, keine Toten. Obwohl … Manchmal, wenn einem der Mitspieler einen neuen Gast „gönnt“ und ihn auf die 10-Minuten-Position legt, wo schon mein fast fertiger (!) Gast sitzt, der dadurch rausgeschoben wird, mir deswegen eine Zitrone einbringt und seine Würfelchen verloren gehen, wenn dieser neue Gast seinerseits gleich noch eine Zitrone mitbringt und spätestens ein, zwei Runden später rausfliegt, weil ich ihn nicht schnell genug bedienen konnte, und mir deshalb sogar noch eine dritte Zitrone beschert – dann denke ich manchmal an etwas, wofür man verhaftet werden könnte.

Ein gewisser Ärgerfaktor ist also durchaus dabei, was auch das Salz in der sonst eher gemächlich dahinplätschernden Suppe ist. Man kann Da Luigi durchaus auch falsch (im Sinne von uneffektiv) spielen. Das äußert sich dadurch, dass man abgeschlagen Letzter wird. Zumindest beweist das, dass man es steuern kann. So ist das Gästemanagement ein wichtiger Punkt, bei dem man viel falsch machen kann, wenn man nämlich so viele Gäste in seinem Restaurant berherbergt, dass man keine Verschiebungen mehr vornehmen kann, ohne Gäste hinauszukomplimentieren. Man könnte mit Abstrichen sogar von einer Art Optimierungstechnik sprechen. Der Glücksfaktor spielt dabei kaum eine Rolle, wenn man entsprechend vorausschauend spielt.

Nach einigen Partien hat man schließlich erfahren, worauf es ankommt, was den Wiederspielreiz nicht eben steigert. Varianten sind nicht vorhanden, und somit wiederholt sich der Ablauf dann doch. Trotzdem: Familien mit Kindern ab 7 bis 8 Jahren haben bei einer Spieldauer von ca. 30 bis 40 Minuten bestimmt keine Langeweile. Zu zweit lässt es sich ordentlich spielen, verliert aber wegen des abnehmenden gegenseitigen Ärgerns deutlich. Alles in allem würde ich auch künftig dann und wann wieder bei Da Luigi reinschauen.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8-
Spieldauer (Minuten): 
35
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
Mehr zum Spiel