Der Hexer von Salem

ein Spiele-Artikel von Oliver Hahn - 31.08.2006
Der Hexer von Salem - Foto von Pegasus Spiele
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Das 264 Seiten starke Hardcover Der Hexer von Salem unterscheidet sich optisch stark von den bisherigen Cthulhu-Publikationen. Die grafische Gestaltung des Bandes ist weniger subtil, dafür aber humorvoller angelegt als es Cthulhu-Spieler von anderen Büchern des Spiels gewohnt sind. Viele Illustrationen erinnern stark an die Cover-Bilder von Groschenromanen, denn genau dort hat dieses Setting auch seine Wurzeln. Die Herkunft der Hexer-Geschichten ist die Heftroman-Serie “Der Hexer“ die Wolfgang Hohlbein in den 80er Jahren veröffentlichte und die in der „Pulp“-Szene viele Anhänger fand.

Auch inhaltlich unterscheidet sich Der Hexer von Salem vom gewohnten Cthulhu-Spiel. Das Buch bietet ein komplettes Rollenspiel, das durch sein abgespecktes Regelwerk, im Vergleich zum Cthulhu-Grundregelwerk, ein einfacheres und actionlastigeres Spiel ermöglicht. Hexer-Spieler sind wesentlich stärker (Trefferpunkte werden einfach mal drei genommen) und besitzen die neue Hexerei-Fertigkeit, die es ihnen ermöglicht, Magie anzuwenden. Doch für jede magische Gabe, die ein Charakter erhält, wird er automatisch mit einem Fluch belegt. Dadurch werden dem Spielleiter viele interessante Möglichkeiten gegeben, um spannende Situationen und Wendungen in Abenteuern zu kreieren.

Das neue Regelwerk erleichtert dem Spielleiter seine Arbeit enorm, da es nicht auf ein logisches, sondern auf ein einfaches dynamisches Spiel abzielt.
Um dem Leser die bunte Welt des Hexers nahe zu bringen, strotzt der Band geradezu vor Anregungen und Informationen aus den publizierten Hexer-Romanen. Doch was wäre diese Welt ohne ihre Bösewichter? Neben Charakteren aus den Hexer-Bänden, wie der Falke von Zagreb, findet man in diesem Quellenband auch berühmtberüchtigte Film-Bösewichte wie Dr. Mabuse und Dr. Fu Manchu. Natürlich dürfen auch die so genannten Alten nicht fehlen. Sie werden hier ebenfalls mit samt ihrer Handlanger vorgestellt. In diesem Spiel können die Charaktere auch mit bekannten Figuren wie Kapitän Nemo, Sherlock Holmes und natürlich Robert Craven, der Hauptfigur der Hexer-Romanserie, auf Tuchfühlung gehen und sich an ihrer Seite in haarsträubende Abenteuer stürzen.

Das spannende Einstiegsabenteuer „Das Erbe der Templer“ von Thomas Finn vermittelt den Spielern ein gutes Bild des schillernden Hexer-Universums und führt sie auf einer Jagd von England über Deutschland nach Dänemark. Das gelungene Abenteuer bietet aufgrund seiner spannenden Handlung und vielen typischen Pulp-Elementen einige Stunden rasant-gruseligen Spielspaß.

Positiv und erwähnenswert ist, dass dieses Regelwerk kompatibel zu den bereits erschienenen Abenteuern des Cthulhu-Rollenspiels ist. Der Spielleiter hat so die Gelegenheit, seinen Spielern die Cthulhu-Abenteuer alternativ auch im Hexer-Gewand präsentieren zu können.

Insgesamt hat Der Hexer von Salem nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Cthulhu-Rollenspiel gemein. Wer aber zu diesem Setting greift, kann den Mythos einmal in einer humoristischen Interpretation erleben. Somit ist dieser Band auch etwas für diejenigen, denen das Cthulhu-Rollenspiel bis jetzt zu ernst oder zu düster war und deshalb wenig damit anfangen konnten.

Der Hexer von Salem ist lockerer und weniger subtil als das klassische Cthulhu-Rollenspiel, was den „pulpigen“, „trashigen“ Charakter dieses Werks ausmacht. Ich finde das Quellenbuch sehr gelungen. Besonders gut gefällt mir, dass es sich selber nicht ernst nimmt und der Spielspaß ganz klar im Vordergrund steht. Es bietet einen ansprechenden Mix aus Action, Horror und Humor der so schnell keine Langeweile aufkommen lässt. Der Hexer von Salem ist absolut empfehlenswert und bietet beste Rollenspiel-Unterhaltung.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersangabe: 
12
Spieldauer: 
90