Dice City

eine Spielerezension von Axel Bungart - 11.02.2016
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Diece City - Foto von AEG

AEG ist den meisten von uns nur als Elektrokonzern in Erinnerung geblieben. Dass sich dahinter auch ein Spieleverlag, die amerikanische Alderac Entertainment Group, verbirgt, ist dem breiteren Publikum erst in den letzten zwei Jahren nach Titeln wie Lost Legacy, Love Letter oder Trains bewusster geworden, mit denen AEG die Fantasy-Ecke verlassen hat. Das liegt aber auch und überwiegend daran, dass sie bei Pegasus Spiele im Vertrieb sind, deren Namen uns geläufiger und präsenter erscheint.

Nicht so Dice City, welches in Zusammenarbeit mit Artipia Games vertrieben wird. Nicht zuletzt deswegen ist das Spiel seit der Spielemesse in Essen 2015 eben noch nicht in aller Munde, was schade ist.

Wie wird Dice City gespielt?

Jeder Spieler soll die Stadt auf seinem Spielbrett ausbauen, verschönern und erfolgreich entwickeln, damit man im Rennen um die Ernennung zur neuen Hauptstadt des Königreichs von Rolldovia die Nase vorn hat. So der Hintergrund zum Spielthema.

Die Spieler werfen jede Runde fünf verschiedenfarbige Würfel, um damit durch Farbe und Wüfelzahl definierte Orte (Karten) zu aktivieren und Rohstoffe zu erhalten und/oder Kampfkraft zu sammeln. Dann bekämpft man Banditen, verschifft Waren oder baut neue – bessere – Gebäude. Wer mag, kann auch Gegenspieler angreifen, um bei ihnen Waren oder Siegpunkte zu stehlen. Wer die meisten Siegpunkte hat, wenn bestimmte Kartenstapel leer sind, hat gewonnen.

Wie gut ist Dice City von AEG?

Dice City ist erst mal eine fette Packung voll Material. Vier erstklassige Spielpläne in satter kunststoffbeschichteter Pappe, Pappmarker für Rohstoffe und weitere Funktionsplättchen, fast 160 Kärtchen und natürlich Würfel für alle Spieler: Das wiegt schon was und ist alles von bester Qualität. Die Anleitung in Englisch ist recht übersichtlich, ordentlich strukturiert und bis auf ein paar kleinere Ungenauigkeiten auch vollständig. Zum Verständnis reicht durchschnittliches Schulenglisch.

Würfel geschickt einsetzen

Das Spiel ist relativ simpel, daher schnell erklärt und birgt trotzdem die Möglichkeit verschiedener Spielweisen. Anfangs ist man zunächst mal auf die Mithilfe der Würfel angewiesen. Doch je länger das Spiel dauert und je mehr sich damit die eigene Stadt entwickelt, desto geringer wird der Glücksanteil. Wer gute neue Gebäude kauft, kann z. B. die Würfel anders ordnen, einen Würfel doppelt verwenden oder ein Gebäude nach Wahl auch ohne Würfel nutzen. Ohnehin haben die Würfel verschiedene Funktionen, sodass man ab und an schon überlegen sollte, welche dieser Funktionen man nun am besten einsetzt, um den Ertrag zu optimieren. Damit aus der Überlegungsphase nicht ein gruseliger Zeitfresser wird, werden die Würfel am Ende des eigenen Zuges geworfen. So kann man währende der Züge der Mitspieler schon mal überlegen, wie man am besten vorgeht.

Das deutet auch darauf hin, dass bei Dice City der Solitäranteil sehr hoch liegen kann. Und ich sage ausdrücklich kann, denn es hängt davon ab, wie konfliktfreudig die Spielpartner sind. Wer seine Strategie auf die Armeen legt, erhöht damit nicht nur den Interaktionsgrad deutlich, sondern kann seinem Gegner damit ganz ordentlich in die Karre fahren. Eine Funktion der Würfel ist nämlich die Aktivierung von durch Angriffe des Gegners deaktivierten Orten. Wer aber schon zwei Würfel benötigt, um die Folgen eines gegnerisches Angriffs zu beseitigen, kann damit nichts Konstruktives für sich bewirken.

Das Spiel rollt wie ein guter Würfel

Vermeidet man den Konflikt, spielt man Dice City einfach nebeneinander her und ist darauf bedacht, die Ziele (Banditen bekämpfen, Waren verschiffen) am schnellsten zu erreichen, denn die Karten, die man dafür erhält, sind begrenzt. Dann reduziert sich eine Partie Dice City auf ein Optimierungsspiel – was nicht automatisch schlecht sein muss.

Das Schöne an Dice City ist: es rollt. Irgendwas geht immer auch mit dem schlechtesten Würfelwurf. Wenn es keine Rohstoffe sind, ist es Armeestärke, mit der ich kämpfen kann. Wenn einer der Würfel zu gar nichts taugt, kann man mit ihm einen anderen verschieben oder mit ihm passen, was einem ein Passen-Plättchen einbringt. Mit zweien davon bekommt man z. B. einen Rohstoff nach Wahl. Die kleinen Belohnungen machen ein gutes Gefühl im Bauch.

Da man (bis auf einen kümmerlichen Bestand) alle Waren, die man in einem Spielzug generiert, auch wieder investieren muss, kommt es einem anfangs utopisch vor, das Schiff mit den zwanzig Siegpunkte zu erhalten, für das man zwölf Waren abgeben muss. Hat man richtig gebaut, wird einem in der zweiten Spielhälfte aber klar, wie das geht. Auch das trägt zum positiven Spielgefühl bei, das Dice City hinterlässt.

Das Spiel lässt sich auch in einer Solovariante spielen, in der die Spielzüge begrenzt sind. Sie ist aber wegen der fehlenden Konkurrenz reizlos. Dafür lässt sich Dice City aber schon in der Minimalbesetzung von zwei Spielern ohne Einschränkung spielen. Zu viert sollte kein Überlegungskünstler dabei sein, damit die Downtime nicht überhandnimmt.

Ansonsten würde ich Dice City bedenkenlos weiterempfehlen. Warum die Macher die Altersgrenze auf 14 Jahre gelegt haben, erschließt sich mir nicht. Für Kinder im Alter von zehn bis zwölf Jahren und ein bisschen Spielerfahrung sollte es machbar sein.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
1-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14
Spieldauer (Minuten): 
45
Jahrgang: 
2015
Spielkategorisierung
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