Festung

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 10.03.2018
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Kartenspiel Festung - Foto von 2F-Spiele
Lesezeit: ca. 3 Minuten

Fast forward heisst das Zauberwort der Stunde für Leute, die Spiele mit einem raschen Einstieg, schlanken Abläufen und einer gut überblickbaren Dauer suchen. Und die gleichnamige Spielereihe von Friedemann Friese entspricht dem bestens: Kurz und kompakt sind die (meisten der) Spiele, kein vorangehendes Regelstudium sorgt für Verzögerungen, und trotzdem darf ein möglichst kurzweiliges und interessantes Geschehen erwartet werden.

Die Erfüllung dieser Kombination von unterschiedlichsten Erwartungenen ist allerdings keine Selbstverständlichkeit. Zwar hat man durchaus gewisse Vorstellungen, welche Art Spiele all' diesen Anforderungen gerecht werden könnten. In erster Linie dürften dies einfache, aber pfiffige Kartenablegewettkämpfe wie beispielsweise Furcht sein, das tatsächlich zur Fast-forward-Spielereihe zählt und dort bestens reinpasst. Aber ein Spiel, bei dem es um das Erstürmen einer Festung geht bzw. um deren Befestigung und Verteidigung? Solche Vorgänge dürften ja erfahrungsgemäß recht lange dauern und mit einigen Mühen verbunden sein, was eher nicht zu Fast forward passen würde. Aber Festung, das hier vorzustellende Spiel, das wie Furcht und Flucht zur bereits erwähnten Fast-forward-Spielereihe gehört, bringt das alles ebenfalls scheinbar mühelos unter den sprichwörtlichen Hut.

Wie gut ist das Kartenspiel Festung?

Tatsächlich verläuft der Einstieg zu Festung genau wie bei Furcht und Flucht denkbar einfach. Ein Stapel Spielkarten wird in die Tischmitte gelegt, dann kann tatsächlich bereits losgelegt werden - es gibt also absolut keine Anleitung, die vorab studiert und verstanden werden muss und keine Wartezeit, bis alles aufgebaut ist. Stattdessen geht alles flüssig und völlig entspannt vonstatten. Klar allerdings, dass dann trotzdem zu Beginn der Partie die eine oder andere Vorgabe für das Spiels gemacht wird, und das ist durchaus interessant, besonders wenn man die Abläufe bereits kennt und die Mitspieler beobachten kann.

Dieser Überraschungseffekt soll auch nach der Lektüre des vorliegenden Textes noch möglich bleiben, weshalb an dieser Stelle für einmal keine präziseren Ausführungen zum Ablauf und zum letztendlichen Ziel des Spieles folgen werden. Ich beschränke mich daher auf den Hinweis, dass reihum Karten vom Stapel gezogen werden. Einige enthalten Regelanweisungen, die sofort vorgelesen und dann für alle sichtbar neben den anderen Anleitungen ausgelegt werden müssen. Die anderen Karten werden dagegen auf die Hand genommen und dienen dem späteren Attackieren oder eben Verteidigen der titelgebenden Festung.

Nach kurzer Zeit, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, geht die laufende Spielrunde zu Ende und steht der Sieger fest. Normalerweise folgt anschließend gleich eine Revanchepartie, für die einzelne Karten aus dem Spiel genommen und andere der aktuellen Auslage hinzugefügt werden müssen. Die ganzen Karten werden gut gemischt und oben auf den Nachziehstapel gelegt, worauf bereits die nächste Spielrunde starten kann.

Das alles verläuft reibungslos und praktisch ohne Regeldiskussionen. Einzig beim Zurücklegen von Spielkarten in den Stapel bzw. dem Rauslegen in die Schachtel machten wir in der ersten Partie nicht alles richtig, was aber absolut kein Problem für das damalige Spiel war. Festung ist dabei im Quervergleich minimal anspruchsvoller als Furcht, ohne dass dabei aber irgend jemand überfordert würde. Es gilt einzig, den richtigen Zeitpunkt für bestimmte Aktionen zu finden, was das Ganze taktischer und damit auch etwas vielschichtiger und interessanter macht. Dennoch bleibt das Spielgefühl von Festung überaus leichtfüssig und elegant, selbst wenn das Ziel der Eroberung bzw. Verteidigung der Festung völlig anderes erwarten ließe.

Klar, den ganz grossen Strategie-Kracher wird niemand erwarten dürfen; das wäre mit einem Fast-forward-Spiel auch gar nicht zu schaffen. Zudem spielt das Glück beim Nachziehen von Karten eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dennoch gibt es bei Festung genügend Elemente, die für Abwechslung und gute Unterhaltung sorgen. Und zuletzt gibt es sogar einige Spannung, wann das Rundenende eintreten wird, was Festung in meinen Augen zum bisher interessantesten und besten der neuen Fast-forward-Reihe macht.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Grafik: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
15
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Spielefamilie: 
Spielethema: 
Spielegattung: 
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