Feuville

eine Spielerezension von Jochen Pausch - 16.04.2018
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Brettspiel Feuville - Foto von HUCH!
Lesezeit: ca. 8 Minuten

Feuville ist ein Familienspiel von Udo Preise (HUCH!) für zwei bis vier Spieler und wird ab zehn Jahren empfohlen. Die fiktive mittelalterliche Stadt Feuville soll schöner werden und in neuem Glanz erstrahlen. Um das zu erreichen sollen die Bürger mit Hilfe eines Gauklers, eines Diebes, eines Wirtes, einer Architektin und des Bürgermeisters versuchen, die wertvollsten Stadtansichten zu bauen. Zusätzlich zum Mittelalter wird noch eine Prise Fantasy dazugemischt. Es darf daher auch nicht ein Magier, eine Fee, ein Kobold und ein Drache fehlen um das Spiel zu komplettieren. Mehr braucht es nicht, um die Geschichte des Spiels zu erzählen. Aber das Spiel bietet natürlich etwas mehr.

Feuville ist primär ein Legespiel, bei dem es das Ziel des Spielers ist, die meisten Punkte zu erreichen. Da man auch viele Punkte machen kann ohne sich um die Stadtansicht , also das Legen der Plättchen, zu kümmern, steht dies im Kontrast zu der Einleitung des Spiels. Wer also viel Würfelglück hat, kann getrost den Hauptmechanismus vernachlässigen und trotzdem das Spiel gewinnen. Es wirkt also von Beginn an wie ein typisches Euro-Game, bei dem man nachträglich ein kleines Thema dazugegeben hat.

Wie spielt sich Feuville?

Wie bereits erwähnt, ist Feuville ein einfaches Legespiel, bei dem man aus Mauerplättchen, Turmplättchen und Himmelplättchen versucht, eine schöne Stadtansicht zusammenzubauen. Zu Beginn seines Zuges muss der Spieler beide Würfeln werfen. Die in der Einleitung angegebenen Personen, die einem helfen sollen, die Stadtansicht zu bauen, sind jeweils einer Würfelzahl zugeordnet, und somit entscheiden die Würfel, welche Person man verwenden darf. Sollte man einen Pasch werfen, dann darf zuerst der Drache Dragomir eingreifen, aber dazu gleich mehr.

Als Aktion stehen dem Spieler die zwei Spalten zur Verfügung, wo die Würfel abgelegt wurden. Je Spalte hat man die Wahl, ob man die Aktion der entsprechenden Person verwendet oder eines der darüberliegenden Plättchen wählt. Dabei handelt es sich um die drei Bestandteile der Stadtansicht (Mauer, Turm und Himmel) und um einen Auftrag. Da außer den Aufträgen die Plättchen nicht automatisch aufgefüllt werden, kann man hierbei auch leer ausgehen.

Welche Spalte man auswählen darf, ist also dem Zufall überlassen und kann nur bedingt beeinflusst werden. Die einzige Möglichkeit zur Änderung ist, beide Würfel für den Kobold herzugeben, um dadurch frei entscheiden zu können, welche Person man auswählen will.

Als Aktionen stehen einem unterschiedliche Möglichkeiten zur Auswahl. Zum einen wäre da ein Glücksspiel (Gaukler), die Möglichkeit, noch nicht verbaute Plättchen zu stehlen (Dieb), seine niedergebrannten Stadtviertel wieder auferstehen zu lassen (Magier), und Aktionen, bei denen man auch Plättchen außerhalb der eigenen „Spalte“ auswählen darf und/oder Plättchen wieder auffüllen darf. Welche Schritte dabei durchgeführt werden müssen, sind unter den Personen abgebildet und gut ersichtlich.

Beim Bau der Stadtansicht muss man auch auf Statusmerkmale achten, die auf den Plättchen abgebildet sind. Die Statusmerkmale sind wichtig bei den meisten Aufträgen, die man erstehen und erfüllen kann. Zum einen sind das abgebildete Fahnen, Drachen, Ritter oder Sterne auf den Dächern.

Sollte man keine sinnvolle Aktion erkennen oder liegen in der eigenen Spalte keine geeignete Plättchen aus, kann man auch zur Fee gehen und dort einen Vorteil für später sichern oder Siegpunkte einkassieren. Es ist aber auch möglich, ein Plättchen zu nehmen und zwischenzuspeichern. Dies sollte man sich aber genau überlegen, denn wenn es sehr gut ist, wird der Dieb es sehr schnell klauen.

Als weiteres Element gibt es noch den zuvor erwähnten Drachen Dragomir. Dieser muss jedes Mal ausgeführt werden, wenn ein Pasch gewürfelt wird. Anschließend darf der Spieler erneut würfeln. Die Aufgabe des Drachen ist es, jeden zu bestrafen, der beim Bau seiner Burg nicht sorgfältig geplant hat. Auf dem Himmelsplättchen sind gelegentlich Wolken abgebildet und jede davon schützt eine Spalte seiner Burg. Sollte man nicht alle Spalten schützen können, muss der Spieler nun die Differenz an Spalten zerstören (umdrehen). Dies gilt es zu vermeiden, da es die Punktewertungen, die man geplant hat, kaputt machen kann.

Kritik zum Brettspiel Feuville

Das Brettspiel lebt von den Würfeln. Mit diesen wird definiert, in welchen zwei Spalten ich meine Aktionen durchführen darf oder ob der Drache die Stadt angreift. Dies macht das Spiel schlecht planbar und hat einen großen Ärgerfaktor. Über die Würfel wird die Auswahl der Plättchen stark eingegrenzt. Wenn man also die falschen Zahlen würfelt, muss man hoffen, dass man wenigstens über die Person an das benötigte Plättchen kommt. Hier wäre vielleicht eine kleinere Auswahl an Plättchen und die Auswahl der Personen über einen Workerplacement-Mechanismus besser gelöst gewesen. Dies ist aber Geschmackssache. Die beim Spiel gewählte Kombination überzeugt mich jedenfalls nicht.

Planbar ist das Spiel jedenfalls nur bedingt. Die Aktionen kann man nicht aussuchen, sondern man ist darauf angewiesen, dass man die richtigen Würfelergebnisse erzielt. Zwar kann man alternativ über den “kauzigen“ Kobold seine Wunschaktion imitieren, dies hat aber zur Folge, dass man nur noch eine Aktion auswählen kann. Würfelpech kann also sehr frustrierend werden bei diesem Spiel.

Wie ist Feuville bei zwei, drei und vier Spielern?

Bei zwei Spielern kann man sehr viel bauen, dadurch sind die Aufträge besonders am Schluss sehr mächtig. Der Drache hat dagegen nicht so viel Macht, da man sehr oft am Zug ist und die Sechs, also der Magier, somit relativ oft gewürfelt werden kann. Außerdem werden einem bei zwei Spielern nicht so leicht die „Wolken“ weggenommen.

Anders sieht das bei vier Spielern aus. Die Limitierung des Spiels sind die Auftragsplättchen. Bei drei Spielern sind allerdings genau so viele im Spiel, als wenn man zu zweit spielt. Wenn man es genau nimmt, läuft dies nun darauf hinaus, dass man nur noch halb so viel verbauen kann. Beim Drachen muss man außerdem nicht nur einen Spieler einplanen, der einen Pasch werfen kann, bevor man erneut an der Reihe ist, sondern gleich drei Spieler. Es ist also viel wichtiger, auf die Wolken zu achten. Genau hier kommt allerdings das Problem, dass diese viel eher abgegriffen werden und es somit schwieriger ist, immer alles abzusichern.

Ein negativer Faktor im Spiel ist auch der Gaukler. Dieser kann sehr mächtig sein, wenn man diesen regelmäßig verwendet und dabei viel Glück hat. Dies kann dazu führen, dass man das Spiel mit dem Gaukler gewinnen kann, obwohl man sonst fast keine Punkte gemacht hat. Dieses Element ist natürlich interessant, macht aber das Spiel nach meiner Ansicht komplett kaputt.

Beim Material sind die Feenzauber eigenartig. Diese sind oval und in die Breite bedruckt. Wenn ich sie aber ein meine Auslage lege, dann muss ich diese hochkant verdeckt ablegen. Dies hätte man bestimmt eleganter lösen können.

Wie ist die Spielanleitung zu Feuville?

Ärgerlich ist auch die Anleitung. Ich finde es super, wenn man Spiele mehrsprachig macht, sodass man nur in der Anleitung die Sprache benötigt und der Rest sprachneutral ist. Dadurch kann das Spiel schnell in mehreren Ländern gleichzeitig auf den Markt kommen. Aber ganz ehrlich: Muss es sein, dass man eine Anleitung erstellt, bei der vier Sprachen hintereinander sind? Dies hat mehrere Nachteile. Zum einen ist die Anleitung unnötig dick. Darüber kann man noch hinwegsehen, aber wenn es keine Markierungen für die Sprache gibt (außer auf der ersten Seite ein kleines Länderwappen), dann ist es nicht so einfach, mit einem schnellen Nachschlagen in der Anleitung. Deutsch fängt am Anfang an, also war es für mich kein Nachteil, aber bei Englisch und Französisch stelle ich mir das sehr nervig vor. Vier einzelne Anleitung beizulegen, hätte das Spiel bestimmt nicht übermäßig teurer gemacht.

Ärgerlich sind auch kleinere Ungenauigkeiten in der Anleitung. So ist z. B. ein Beispiel enthalten, wie man Plättchen nicht anlegen darf. Allerdings ist in den Bildern ein zusätzlicher Fehler enthalten, auf den im Text gar nicht eingegangen wird. Dies kann einen ganz schön verwirren. Auch unterschiedliche Formulierungen machen die Anleitung für Gelegenheitsspieler schwer lesbar.

So am Rande will ich eine Kleinigkeit noch erwähnen, bei der ich schmunzeln musste. Es wird über eine Viertelseite hinweg erklärt, was ein Pasch ist. Durch Kniffel und Monopoly dürfte dies eigentlich fast jeder kennen, auch die jungen Spieler. Ein bis zwei Sätze hätten vermutlich ausgereicht.

Das Spielmaterial von Feuville

Das Spielmaterial ist sehr schön gestaltet. Die Grafik ist ebenfalls sehr schön und gibt dem Spiel sehr viel Atmosphäre. Auch die Plättchen, die den Himmel, den Turm und die Mauer abbilden, sind schön gelöst mit der „verbrannten“ Rückseite. Die Spielertableaus sind ebenfalls gut gelöst (mit Ausnahme der Feenzauber). Wenn man allerdings aggressive Mitspieler hat, dann sammelt man hier am Besten keine guten Plättchen, da diese sonst regelmäßig gestohlen werden und man dadurch selber leer ausgeht.

Fazit: Lohnt sich das familientaugliche Brettspiel Feuville?

Feuville ist ein Familienspiel, das eigentlich viel Potenzial hat. So wie das Spiel aber auf den Markt kommt, wirkt es nicht ausgereift. Die Mechanismen hätte man anders gestalten können. Das Spiel lebt sehr stark vom Glück, wenn ich aber schon Aktionsmöglichkeiten habe, dann will ich über diese selber entscheiden können. Man hätte sich auch etwas Gedanken machen sollen, wie man das Spiel für die unterschiedliche Anzahl Spieler anpassen könnte. Zum Beispiel durch Anpassung der verfügbaren Auftrage abhängig von der Spieleranzahl oder ähnliche Anpassungen.

Das Spiel lebt zu viel von Glück. Dies macht das Spiel für Vielspieler uninteressant, besonders der Gaukler hätte keine Hauptaktion, sondern vielleicht eine Sonderaktion sein sollen. Als Familienspiel ist es auf jeden Fall geeignet. Mir fällt kein Spiel ein, dass den gleichen Mix an Mechanismen hat. Aber bei einem Legespiel greife ich doch lieber auf Spiele zurück, bei denen ich die Plättchen und die Aktionen frei wählen kann und dies nicht durch einen Würfel vorgegeben wird. Bei mir werden daher eher z. B. Carcassonne oder Cacao auf den Tisch bekommen, bevor ich Feuville ausgrabe.

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2-4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
10
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2017
Spielkategorisierung
Spielegattung: 
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