Galapagos

eine Spielerezension von Michael Weber - 04.10.2013
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Galapagos von Amigo Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Galapagos, da schwingt Urtümlichkeit mit. Kuriose Geschöpfe und einzigartige Vorzeitreptilien. Und tatsächlich, bei diesem Familienspiel von Amigo Spiele geht es um das Einsammeln von Schildkröten. Diese tauchen immer wieder auf der Insel der Galapagos auf und müssen von den Spielern dort aufgelesen werden. Natürlich sind die Schildkröten durchaus verschieden. Hier haben sich abseits der Evolution im Spiel schwarze, weiße, rote, grüne, gelbe und blaue Exemplare herausgebildet. Am Ende erhalten die Spieler für jedes Tier Punkte. Jede Schildkröte ist dabei einen Punkt wert. Für jedes Set mit allen sechs Farben gibt es noch einmal zwei Extrapunkte. Klar gewinnt der Spieler das Spiel, der die meisten Punkte sammeln konnte.

Doch zuvor muss die Insel erkundet werden und das ist so einfach und trivial, wie es unter Stress eben auch kompliziert ist. Zunächst ein Blick auf die Insel. Diese besteht aus Landschaftsplättchen in sechs verschiedenen Farben, die denen der Schildkröten entsprechen (wobei die Landschaft spieltechnisch völlig nebensächlich ist, nur die Farbe ist von Interesse). In der Mitte ist noch ein Vulkan, der nicht betreten werden darf. Die Insel wird vor jeder Partie beliebig zusammengesetzt und bietet so ein immer neues Spielbrett. Auf den Landschaftsplättchen sind kleine Zahlen angebracht. Diese finden sich auch auf den Schildkröten wieder. Denn jeweils fünf (bei zwei Spielern) bzw. sechs Schildkröten befinden sich auf dem Spielbrett (nachgezogen wird aus einem Beutel). Soweit die Insel.

Die Bewegung der Spieler auf Galapagos wird mit Farbwürfeln (jeweils mit den sechs Schildkrötenfarben) gesteuert. Wobei gesteuert nicht ganz stimmt. Denn der Ablauf ist wie folgt: Alle Spieler würfeln zeitgleich mit fünf Farbwürfeln und entscheiden sich unter Zeitdruck einer (überraschend kurz durchlaufenden) Sanduhr, ob und in welcher Reihenfolge diese genutzt werden sollen. Sobald ein Spieler die entsprechenden Würfel in seine Würfelablage gelegt hat, nimmt er die Sanduhr und dreht sie um. Die anderen Spieler haben nun noch so lange Zeit, bis die Sanduhr leer gelaufen ist. Hier zeigt sich: Wer schnell bei der Planung ist, raubt den anderen wertvolle Zeit für die taktische Bewegung. Ein Feature, was ich mir bei so manchem Strategiespiel wünschen würde, um notorische Grübler in den Griff zu bekommen. Ganz nebenbei bringt die Sanduhr Pfeffer in das Spiel, denn schnelle Planer können die anderen bei Galapagos ganz schön zur Verzweiflung bringen.

Nachdem alle Spieler ihre gewünschten (oder bis dahin gelegten Würfel) gewählt haben, geht es los. Reihum begonnen beim schnellsten Planer wandern die Spielfiguren nun über die Insel, um die dort liegenden Schildkröten einzusammeln und sich nicht von den Mitspielern wegschnappen zu lassen. Dabei zeigt jeder Farbwürfel an, welches Landschaftsfeld als nächstes betreten werden muss (!). verplante Züge sind dann ärgerlich, aber immerhin ist ein Verzicht auf gewählte Folgewürfel erlaubt. An den Eckfeldern des Sechseck-Spielplans darf noch auf die benachbarten Eckfelder gesprungen werden. Ob es diese Art von Teleportation auch auf den echten Galapagos gibt, darf bezweifelt werden.

Mit etwas Glück hat ein Spieler seine Bewegung so gut geplant, dass er unterwegs auf den Plättchen liegende Schildkröten einsammeln darf. Mit Pech hätte er das, aber ein Mitspieler ist vor ihm auf dem Feld und schwupps - die Schildkröte ist weg. So ist der Zeitdruck speziell bei Spielern, deren Spielfiguren nahe beieinanderstehen, durchaus ein doppelter Stressfaktor … Am Ende einer Bewegungsrunde werden die Schildkröten auf der Galapagos-Insel wieder auf fünf bzw. sechs ergänzt.

Die Spielalterangabe ab 8 Jahren ist fast etwas zu hoch gegriffen, denn auch pfiffige Kinder von sechs oder sieben können gut mithalten. Bei Farbwürfeln denken viele erfahrene Spieler gleich, Galapagos sei ein Kinderspiel. Aber es macht in der Familie durchaus Spaß, wenn mehrere Generationen miteinander halbwegs gleichberechtigt mitspielen sollen. Dennoch ist Galapagos kein allzu großer Wurf. Es funktioniert, bietet einen leichten Einstieg, ist schön gemacht, eröffnet Jung und Alt ähnliche Siegchancen, aber großer Tiefgang und eine packende Herausforderung sind Fehlanzeige. Dennoch ist Galapagos ein Familienspiel, das seine Berechtigung hat und besonders gemeinsam mit Kindern Spaß macht. Zu zweit ist es etwas schwächer, weil mehr Gewusel auf dem Spielbrett einfach mehr Würze bringt. Das Material ist zudem sehr gut und die Anleitung einwandfrei. Auf nach Galapagos, farbige Schildkröten sammeln!

Video: 

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Verlag: 
Spieleautor: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
8
Spieldauer (Minuten): 
30
Jahrgang: 
2013
Spielkategorisierung
Spielethema: 
Spielegattung: 
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