Game Of Thrones - Das Kartenspiel

Der Eiserne Thron

eine Spielerezension von Silke Groth - 17.12.2013
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Game Of Thrones - Kartenspiel von Heidelberger Spieleverlag/Fantasy Flight Games
Lesezeit: ca. 5 Minuten

Game of Thrones – Das Kartenspiel (Fantasy Flight/Heidelberger Spieleverlag) basiert auf den Romanzyklus „Das Lied von Eis und Feuer“ von George R. R. Martin, mittlerweile verdientermaßen in aller Munde, nicht zuletzt dank der hervorragenden Serie von HBO. Genau wie im Buchregal oder der Mattscheibe handelt es sich um eine (noch) Unvollendete, denn die Grundbox enthält zwar alles was man zum Spielen benötigt, ist aber kein in sich geschlossenes Spiel. Genau wie bei Herr der Ringe – Das Kartenspiel oder Warhammer Invasion handelt es sich nämlich um ein Living Card Game, das heißt in regelmäßige Abständen erscheinen kleine oder größere vorgefertigte Erweiterungssets - Stand heute: zehn komplette Kapitel à sechs Sets und sechs sogenannte Deluxe Sets sind bereits erschienen oder zumindest in Planung.

Darum geht es bei Game Of Thrones - Das Kartenspiel

Jeder Spieler übernimmt eines der großen Häuser von Westeros (Stark, Baratheon, Lannister und Targaryen) im Kampf um den Eisernen Thron und die Vorherrschaft über die Sieben Königreiche. Über bestimmte Herausforderungen werden Machtpunkte verteilt und der Spieler, der als erstes 15 Punkte für sein Haus errungen hat, gewinnt das Spiel. Eine Partie Game of Thrones läuft über mehrere Runden, die sich jeweils in sieben Phasen gliedern. Eine Runde beginnt immer mit der Auswahl der Strategiekarte. Diese haben neben den Rahmenbedingungen eines Hauses für die laufende Runde (Einkommen, Initiative und Schadenswert) teils heftige Auswirkungen, eine Strategiekarte der Starks tötet gar alle ausliegenden Charaktere. Danach sucht sich jeder Spieler einen Titel für die laufende Runde aus (beispielsweise Lord Commander oder Meister der Münze). Diese geben nicht nur Sonderfähigkeiten, etwa zusätzliches Einkommen oder Stärke, sondern spiegeln auch diplomatische Verstrickungen wider. So unterstützen sich bestimmte Titel gegenseitig, während andere in Konkurrenz zueinander stehen.

So wird Game Of Thrones - Das Kartenspiel gespielt

Charaktere, Orte und Zusätze (zum Beispiel Waffen oder Gegenstände) werden ausschließlich in der sogenannten Aufmarschphase ausgespielt, in dem die Goldkosten beglichen werden. Im Anschluss folgt mit der Herausforderungsphase der eigentliche Kern des Spiels. Es gibt drei unterschiedliche Herausforderungsarten: Militärschläge (töten gegnerische Charaktere), Intrigen (lassen Gegner Handkarten abwerfen) und Machtkämpfe (stehlen Machtpunkte). Jeder Spieler darf in dieser Phase drei Herausforderung ansagen (eine pro Art, in beliebiger Reihenfolge). Dazu bestimmt er einen Gegner, wählt seine angreifenden Charaktere, beugt diese (dreht sie um 90° - tappen) und vergleicht die Gesamtstärke mit der, der gegnerischen Charaktere. Gewinnt der Verteidiger, passiert meist nichts, gewinnt der Angreifer, verliert der Verteidiger (entsprechend der jeweiligen Auseinandersetzung) Punkte, Handkarten oder Charaktere. Kann oder will der angegriffene Spieler sich nicht verteidigen erhält der Initiator noch einen zusätzlichen Siegpunkt. Wer im Anschluss an diese Phase die größte Gesamtsumme aus Stärke der noch aufgerichteten Charaktere und Restgeld bekommt einen weiteren Machtpunkt. Danach werden alle Charaktere wieder aufgerichtet und das verbliebene Geld eingezogen und eine neue Runde beginnt mit der Wahl der Strategiekarten.

Kein leichter Einstieg

Der Grundmechanismus ist nicht besonders kompliziert, dass Game of Thrones - Das Kartenspiel trotzdem zu den anspruchsvolleren Spielen seiner Art zählt, liegt nicht nur an der Vielzahl an unterschiedlichen Karten (neben den bereits genannten gibt es noch Ereignisse), die außer den recht eindeutigen Werten, wie Goldpreis oder Stärke noch etliche zusätzliche Attribute und Sonderfähigkeiten in die Waagschale werfen, sondern auch an der zusätzlichen Ebene des kleinen Rates und der Wahl der richtigen Strategiekarte zu Rundenbeginn. Der Einstieg fällt dementsprechend nicht eben leicht und die ersten ein, zwei Partien können durchaus zu frustrierenden Erlebnissen führen. Alle vier enthaltenen Häuser spielen sich unterschiedlich, wobei sich die Starks intuitiver und dadurch zum Einstieg einfacher spielen lassen (Hau drauf und Schluss) als beispielsweise die Baratheons, die ein besseres Kartenverständnis und  Timing verlangen.

So ist das Buch im Kartenspiel umgesetzt

Der Grundtenor der Buchvorlage um Krieg, Verrat und Intrigen wird exzellent als Kartenspiel umgesetzt und auch die einzelnen Charaktere finden sich so werkgetreu wieder, wie dies im Rahmen eines Kartenspiels nur möglich ist. Besonders im Mehrpersonenspiel kann das Spiel glänzen. Es gibt temporäre Bündnisse, offene Scharmützel und Spieler, die sich im vorsichtig im Verborgenen halten, um das Feld kurz vor Schluss von hinten aufräumen. Für dauerhafte und abwechslungsreiche Spannung ist also gesorgt. Das Zweierspiel kann da nicht ganz mithalten. Mit dem Verzicht auf den kleinen Rat fehlt dem Spiel das gewisse Etwas, das es über guten Durchschnitt hebt. Die direkte Konfrontation funktioniert reibungslos, wirkt aber wie eine gekürzte Filmfassung, bei der viele interessante Szenen weggelassen wurden. Wer hauptsächlich zu zweit spielt, greife daher lieber zu der etwas vereinfachten HBO-Serienedition, das ausschließlich für zwei Spieler entwickelt wurde.

Wie gut ist Game Of Thrones - Das Kartenspiel?

Bleibt die Frage, ob das Basisspiel schon ausreichend Spielspaß bietet oder zwangsläufig weitere Ergänzungen benötigt werden. Antwort: Kommt darauf an. Wer keinen gesonderten Wert darauf legt, Decks zu erstellen, ist mit dem Grundset schon sehr gut bedient. Sie ist gut bestückt: 220 Karten (aufgeteilt in vier vorsortierte Decks), Geld- und Machtmarker, sechs schön modellierte Spielfiguren und ein Spielbrett finden sich im Karton.

Wer das Spiel hingegen in allen Facetten kennenlernen möchte, kommt um Erweiterungen nicht herum. Sie bieten weitere Familien (Martell und Greyjoy), zusätzliche Spielelemente (Agendas) und natürlich eine quasi endlose Anzahl neuer Karten, die zum Deckbau einladen. Game of Thrones - das Kartenspiel ist ein guter Vertreter der Living Card Games, das sowohl für Freunde komplexer Kartenspiele (unabhängig davon ob Deckbau gewünscht ist), als auch Fans der literarischen Vorlage klar zu empfehlen ist. Also: Auf nach Westeros!

Spieleinfo

Verlagsangaben
Grafik: 
Spielerzahl: 
2 - 4
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
14
Spieldauer (Minuten): 
60 - 120
Jahrgang: 
2012
Spielkategorisierung
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