Gefährlich ehrlich

Das Kommunikationsspiel, bei dem du ganz offen deine Meinung zeigen kannst!

eine Spielerezension von Bernhard Zaugg - 15.10.2011
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Gefährlich ehrlich von Reich der Spiele
Lesezeit: ca. 4 Minuten

Vielleicht habe ich einfach nicht die richtige Testrunden. Oder sonst ein Problem. Mit der Wahrheit. Oder mit mir. Das Spiel heißt jedenfalls Gefährlich ehrlich und hat bei uns unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Einige fanden es ganz nett. Andere weniger. Nochmals spielen wollte es jedenfalls kaum jemand. Dabei kann eine Partie durchaus Spaß bereiten. Allerdings eher nicht wegen des Spiels selber.

Dabei gäbe es eigentlich kaum viel auszusetzen. Das Spiel findet Platz in einer kleinen Schachtel, die Illustrationen sind gefällig, wenn auch ziemlich bieder und die Anleitung übersichtlich und komplett. Ausgangspunkt alles Nachfolgenden ist ein Lauffeld, auf dem die Spieler ihre Siegpunkte verbuchen. Zusätzlich gibt es eine ganze Anzahl Spielkarten in drei Kategorien. Der jeweils aktive Spieler liest den Text einer der Karten vor, während die übrigen gemeinsam darauf antworten müssen in Form bestimmter Handzeichen.

Bei den gelben "Das bist doch du!"-Karten gilt es zu entscheiden, auf wen der vorgelesene Text am ehesten zutrifft. Dazu zeigen sämtliche Spieler auf Kommando gleichzeitig auf jemanden in der Runde (allenfalls auch auf sich selber). Wer die meisten Stimmen erhält, darf seine Figur auf dem Spielbrett zwei Felder vorrücken, während alle ein Feld weiterziehen dürfen, die mit der Mehrheit gestimmt haben.

Die roten "Extrem"-Karten enthalten ein Begriffspaar. Hier wird auf Kommando angezeigt, welcher der beiden Begriffe den aktiven Spieler besser charakterisiert. Nur wenn dieser dasselbe wählt wie die Mehrheit der anderen Spieler, erhält er selber zwei Punkte, während erneut die übrigen Spieler punkten, sofern sie mit der Mehrheit stimmen (unabhängig davon was der aktive Spieler selber gewählt hat, was etwas erstaunen mag).

Noch spezieller die blauen "Top oder Flop"-Karten, die mit einer offenen Frage versehen sind wie "Wenn ich ein Werkzeug wäre, welches wäre ich dann?". Der aktive Spieler formuliert eine möglichst überzeugende oder witzige Antwort, die anschliessend durch die übrigen bewertet wird durch Daumen hoch oder runter. Auch hier erhält einen Punkt, wer mit der Mehrheit stimmt, während der aktive Spieler nur belohnt wird, wenn seine Antwort überwiegend Anklang gefunden hat.

Wer in einer Runde nicht mitmachen möchte, kann eine "Ohne mich"-Karte zücken, wozu jedoch kaum Anlass besteht. Einerseits sind die meisten der Kartentexte alles andere als ehrenrührig oder allzu persönlich. Andererseits und vor allem aber verliert man so jede Möglichkeit, selber zu punkten, was doch eigentlich das Ziel aller Bemühungen ist. So folgt eine Runde der anderen, wobei der jeweilige Standort der eigenen Figur anzeigt, von welchem Stapel der aktive Spieler eine Karte vorzulesen hat. Sieger ist, wer so als erster das Zielfeld erreicht, was einige Runden dauern wird, die allerdings wie im Flug vergehen.

Dennoch bleibt ein etwas seltsames Gefühl zurück. Das Spiel weist einige Mängel, um nicht zu sagen Fehler, auf, die das ganze Streben nach Ehrlichkeit ins Leere laufen lassen. Stattdessen wird rasch einmal die eigene Stimmabgabe durch taktische Überlegungen beeinflusst. Das führt dazu, dass bei den blauen "Top oder Flop"-Karten die Daumen fast automatisch nach unten zeigen, um dem aktiven Spieler keine zwei Punkte zu verschaffen, wie toll dessen Erklärung auch immer gewesen sein mag. Wenn das alle machen, erhalten sie ihren Punkt, während der aktive Spieler leer ausgeht. Ebenso ist bei gelben Karten besser nicht auf den aktiven Spieler zu zeigen, da dieser sonst im Extremfall drei Punkte holt, wenn er sowie die Mehrheit der anderen auf ihn ihn zeigen.

Dass das Ganze (zumindest zeitweilig und dennoch) Spaß bereiten kann, liegt unter diesen Umständen eher an den Spielern als am Spiel selber. Witzig beispielsweise, wenn dem aktiven Spieler bei einer blauen "Top oder Flop"-Karten deutlich gemacht wird, dass jede auch noch so tolle Erklärung eine abschlägige Beurteilung erhalten wird, und dieser darauf im Wissen um die Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen eine Antwort erfindet, die an Absurdität kaum zu überbieten ist. Allerdings braucht es dazu eine Spielrunde, die genau solches mit sich machen lässt und gar nicht unbedingt auf Sieg spielen will. Mit gefährlich hat das alles indessen kaum etwas zu tun und mit ehrlich schon gar nichts. Außerdem bräuchte man für so eine Runde vermutlich gar kein Spielmaterial, um ein witziges Gespräch in Gang zu setzen. Und alle anderen werden dem Spiel ohnehin nicht viel abgewinnen können. Mit oder ohne Mehrheitsbeschluss.

Spieleinfo

Verlagsangaben
Spieletitel: 
Spielerzahl: 
3 - 8
Altersempfehlung (ab bzw. von/bis Jahre): 
16
Spieldauer (Minuten): 
60
Jahrgang: 
2010
Spielkategorisierung
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